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Samstag, 23. Februar 2008

Dreifaltigkeit a la McDonalds

Sie war jung und wusste es nicht besser. Dann wurde sie älter und ging. Zurück blieben ihre Eltern und er. Ein Relikt unschuldigerer Tage. Als sie noch in der Lage war, in allem etwas Gutes zu sehen. Kindheit ade. Der Umzugswagen war gepackt mit dem besseren, dem heimtückischen Feind des Guten oder des, gerade noch-so-Oken. Das abgrundtief Hässliche ist en vogue. Es zeigt den Mut, sich abzugrenzen. Ich war D-Promi genug fürs Dschungelcamp, und du? Er lächelte unverzagt in der Kiste des Uncultigen, dass ihre Mutter wegwerfen oder verschenken sollte. Auf diesen verschlungenen Pfaden der Selbstfindung kam er zu mir...

Ein sich auf ein zuckendes Herz stützender Mc Donald Schlumpf.

Dieser Schlumpf symbolisiert alles, wofür der Weltkonzern seinen guten Namen hergibt. Man stelle sich vor, wie irgend jemand in der Marketingabteilung die Idee gehabt hat: Hey, nehmen wir doch fürs Happy Meal mal wieder was niedliches europäisches. Da war doch dieser belgische Zeichner. Der, der dachte, er könnte Micky Maus Konkurrenz machen... Und da haben wir unseren Kandidaten. Nicht nur jungfräulich, nein sozusagen in seiner Embryonalphase:

klein + blau + fröhlich = schlumpf

Hm, aber so ein kleiner Wicht - Entschuldigung – Schlumpf und so ein großer Konzern? Erinnern wir uns daran, was Amerika – und nichts stets so sehr für Amerika wie das goldene M – groß gemacht hat: THINK BIG. Nein, wir vergessen mal die neuseeländische Variante, das müssten wir differenziert betrachten, und dafür ist so ein einfaches Marketing Brainstorming ja nun wirklich nicht der richtige Ort, oder? Nein, denken wir an die Weite, des amerikanischen Kontinents, think american, also mach es größer. In den Staaten fährt man nun mal lieber Jeep statt Mini. Man kann Gallonen Cola kaufen, statt verschämte 2 l Fläschchen. Wir verdoppeln also die Höhe unseres Schlumpfes. Da er allerdings liegt, können wir seine wahre Größe, real und metaphorisch nur schätzen.

groß + blau + fröhlich = SCHLUMPF

Kann so ein einzelner blauer SCHLUMPF aber überhaupt das Herz eines Liebhabers von Brötchen + Salat + Frikadelle gewinnen? Umfragen zu Folge haben Schlümpfe schon einen ziemlich hohen Sympathiewert. Um ganz sicher zu gehen, könnte man ihn jedoch noch mit etwas kombinieren, das auf jeden Fall jeder mag. Das Symbol von Liebe und Wertschätzung drängt sich dem Betrachter ja gerade zu auf. Und damit es auch jeder versteht, wie sehr wir unsere Gourmets zu schätzen wissen, verdoppeln wir diese Anstrengung auch noch. Vielleicht hat noch mal jemand mit dem Laserpointer nach oben verwiesen und mit bedeutungsgeschwängerter Stimme THINK BIG gehaucht.

Schlumpf + großes Herz mit Pfeilspitze + kleines Herz = niedlicher SCHLUMPF

Vielleicht hat sich jemand nun das sprichwörtliche gefasst und angemerkt, dass ein so großer Schlumpf aus Weichplastik schon ziemlich schwer ist, und eine Pfeilspitze, die aus einem Herz guckt, zwar ziemlich niedlich, aber immer noch, nun ja, spitz ist. Es ist doch für unsere Kinder. Ein Schlumpfherz für Kinder. So eine Idee kann und will aber nun auch der herzloseste Mensch nicht kippen, denn dann würde er ja als völlig schlumpflos und überhaupt. Also wurde die waschmaschinenfeste Stoffform einstimmig beschlossen.

Wer dann noch als zusätzlichen Spieleffekt das Aufziehen, durch das Ziehen am kleinen – pfeillosen – Herzen erfunden hat, das man dem armen Schlumpf sozusagen aus der Brust reißt, damit es so schnell schlägt, so das der Delinquent nicht nur herzlos sondern auch rasenden Herzens am Herzinfarkt sterben würde, ja, davor kapituliert mein Verstand dann vollends.

Stoffschlumpf + Aufziehherz + waschmaschinenfeste Stoffpfeilspitze = American Dream Valentine Action Schlumpf

Stoffserie Happy Meal 200 Teil 2, Schlumpf mit Herz, aufziehbar

So liegt nun dieses Wunderprodukt Mcdonaldianischer Marketingkunst vor mir, die ich als passionierte Schlumpfsammlerin gefürchtet bin. Schon ein wenig angeschmuddelt erwartet er mit stoischem Lächeln meine Huldigung. Wofür? Vielleicht für den immer noch funktionierenden Aufziehmechanismus, der mir an jedem Flughafen eine Gepäckkontrolle mit Bombenhunden einbringen würde? 2000 waren Marketingexperten wohl noch nicht Osamas Auswirkungen auf die Spielwarenbranche klar. Ich bin mir aber sicher, hätte er diese Perversion europäischer Comickunst in der Hand gehabt, aber lassen wir das.

Ich aber werde dem Guten die letzte Ehre erweisen. Er bekommt einen schönen warmen Platz, ganz unten, in meiner Schlumpfkiste.

Donnerstag, 13. Dezember 2007

Bewerbungsgespräch im Hause Simpson

Ort: ein kleines Einfamilienhaus in Springfield, USA. Ein sauberes, aufgeräumtes Wohnzimmer. Aus den Nebenzimmern ist Kinderlärm zu hören. Es riecht nach traditioneller amerikanischer Hausmannskost.

Zwei Männer sitzen sich am Wohnzimmertisch gegenüber. Der eine, kahlköpfig, etwas kompakt um die Mitte beäugt misstrauisch den Mann vor sich, dessen schwarze Sonnenbrille so gar nicht zu der schlichten weißen Kleidung passen will.

Kandidat Nummer 1

Homer: Sie wollen also was über mein Leben schreiben?

Bewerber: Ich suche einen wahrhaft heroischen Stoff für ein neues Heldenepos. Meine letzten beiden Werke werden noch in Jahrhunderten gelesen werden.

Homer: Held? Na, wenn sie meinen... Naja, nicht immer vielleicht. Obwohl... Ich bin der Rächer der Entrechten. Ich habe Springfield mit meinem Duellierhandschuh von allen Feiglingen befreit.


Die Simpsons ; Das Duell bei Sonnenaufgang part 1 - MyVideo

Nun, was denken sie? Ist das ein Heldendingsbums oder was?

Bewerber: Nun ja. Lassen sie es mich mal versuchen. Mir schwebt bereits die Szene vor, in der sie den jungen Mann in seine Schranken weisen:

Trunkenbold, mit dem hündischen Blick, und dem Mute des Hirsches!
Niemals bereit weder zur Schlacht mit dem Volke zugleich dich zu rüsten,
Wohlan, fürcht nicht den Streit, und zücke das Schwert.
Erduldenden Mut verleiht den Menschen das Schicksal.
Meines mag das sein, die Heimat zu schützen.


Homer Waas?

Bewerber Oder als sie endlich jemanden finden, der ihrer ebenbürtig ist und das Duell annimmt:

Denn schon vormals pflog ich mit stärkeren Männern Gemeinschaft, Als ihr seid; und dennoch verachteten jene mich nimmer!
Waren selbst die stärksten und kämpften nur wider die stärksten,
Aber der Mann will immer den anderen allen zuvor sein;
Allen will er gebieten im Heer, und alle beherrschen,
Allen Gesetz' austeilen, die niemand, mein' ich, erkennet!
Davon nimmst du mir schwerlich das mindeste, wider mein Wollen.
Oder wohlan, versuch' es! damit sie alle mit ansehn,
Wie alsbald an der Lanze dein schwarzes Blut mir herabträuft!


Homer .... [entsetztes Schweigen]

Bewerber (die Arme voller Begeisterung erhoben): Und dann, als sie ihrer Frau zu liebe aus dem Duell zurück treten und aufs Land fliehen ... das ist wahrer Heldenmut:

Dulde, mein Herz! Du hast noch härtere Kränkung erduldet.
Ein jeder, dem gut und bieder das Herz ist, liebt sein Weib und pflegt es mit Zärtlichkeit.
Besser, wer fliehend entrann der Gefahr, als wen sie ereilet!
Es mehrt unendliche Trauer das Elend.


Homer: Ähm, ich werde mich bei ihnen melden.

Bewerber: Aber sie haben doch noch gar nicht den Schluss gehört.

Homer: Auf Wiedersehen. (Geleitet den Mann zur Tür.) Spinner.

Kandidat Nummer 2

Der nächste Bewerber tritt ein. Das schulterlangen Haare lässt die eindrucksvolle Stirn noch gewaltiger erscheinen. Der braune, sorgfältig getrimmte Bart und der Ohrring weisen die Künstlerseele aus. Selbstbewusst nimmt der nicht mehr ganz junge Mann Platz.

Homer (leicht aggressiv): Sie haben meine Anzeige in der Springfield Sun ja gelesen. Ich suche jemanden, der mein Leben aufschreibt. Nicht so ein Epodingsbums. Ein richtiger Bestseller.

Bewerber 2 (lächelnd): Ich kann sie beruhigen. Meine Werke sind stets Bestseller geworden. Das Publikum liebt mich. Egal ob Edelmann oder Bürger, ich vermag es eine Geschichte so zu erzählen, dass die Menschen sie hören wollen.

Homer: Edelmann, Bürger? Hören sie, ich will kein Geschwafel, ich will harte Fakten.

Bewerber 2: Wie wäre es denn mit einer Liebesgeschichte? Liebe, Sehnsucht, zwei Menschen die für einander bestimmt sind... Die Menschen mögen so was.

Homer: Nun gut. Meine Frau Marge hat ihnen ja die Tür geöffnet.

Bewerber 2: Eine bezaubernde Lady.

Homer: Keine Beleidigungen. Also, Marge war mal ein ganz heißer Feger. Und ich hätte sie bestimmt auch geheiratet, wenn dieses Unglück nicht passiert wäre...

Bewerber 2 beugt sich interessiert vor: Unglück?

Homer: Nun ja, da in der Burg von der Minigolfanlage. Wir nannten es später Bart. Jedenfalls habe ich Marge natürlich sofort einen Heiratsantrag gemacht und mich um eine bessere Stelle beworben. Aber ich konnte den Job im Atomkraftwerk einfach nicht machen.

Bewerber 2: Aber in ihrer Anzeige stand doch...

Homer: Also musste ich in die Ferne ziehen und heuerte im Gulp 'N Blow an. Dort fanden mich schließlich Marges Schwestern. Sie haben mich sonst immer bis aufs Blut gepiesackt. Aber dann überzeugten sie mich, es noch mal bei Mr. Burns zu versuchen. Und seitdem bin ich glücklicher Familienvater. (Ausführlicher: Blick zurück aufs Eheglück )

Bewerber 2: Wunderbar. Wir haben alle Zutaten für eine gute Geschichte. Liebe, eine Familie, die gegen die Verbindung ist, ein Happy End ... obwohl, da müssen wir noch mal sehen. Ja, ich glaube, ich weiß, wie wir es machen. Als erstes treten sie als jugendlicher Held auf und gestehen der Welt ihre Liebe zu der schönen Marge:

Ich ward verliebt in eine schöne Tochter des Hauses Bouvier. Sie ist zu weise um so schön, oder zu schön um so weise zu sein; und es ist grausam an ihr, den Himmel damit verdienen zu wollen, dass sie mich zur Verzweiflung treibt. Auch sie Cupido's Pfeile getroffen; sie hat Dianens Sprödigkeit, und öffnete mir doch ihren Schoss. O! Sie ist reich an Schönheit, und ich darin arm, dass der ganze Schatz der Schönheit, in ihr versammelt, sterblich ist.

Natürlich können wir die Zeugung nicht zu genau beschreiben, immerhin wollen sie ja ein breites Publikum ansprechen, da sind explizite Verführungsszenen ein wenig delikat. Am besten lassen wir sie davon nur durch die beiden Schwestern etwas davon erfahren:

O, das unglückseliges Mädchen! Mit dem Simpson, sagst du? Wer wollte mehr eine Schwester sein wollen? O! das ist unbegreiflich, wie sehr ich mich an ihr betrogen habe! Schwestern, forthin traut euren Geschwistern nicht weiter als ihr sie seht. Gibt es nicht Zauber-Mittel, wodurch die Unschuld eines jungen unwissenden Mädchens verführt werden kann?

Homer: Moment mal, was meinen sie mit Zaubermitteln? Und warum reden sie auf einmal so geschwollen? Das ist doch total langweilig.

Bewerber 2: Nun ja, wenn sie es wünschen, dann gehe ich noch ein paar Verse zurück zum eigentlichen Unglück:

Wenn meine unwürdige Hand diesen heiligen Leib entweiht hat, so lass dir diese Buße gefallen: Meine Lippen, zwei errötende Pilger, stehen bereit den Frevel, mit einem zärtlichen Kuss abzubüßen...

Homer: LANGWEILIG

Bewerber 2 (ratlos): Nun, dann vielleicht ein wenig Action am Ende. Sex and Crime treibt die Leute ins Theater. Mir schwebt da ein Mord oder noch besser ein Selbstmord vor:

Du abscheulicher Schlund, verfluchter Rachen des Todes, der das kostbarste was die Welt hatte, verschlungen hat, so zwing ich deine morschen Kinnbacken sich zu öffnen, die Geliebte zu entreißen. Wie oft ist es schon begegnet, dass Sterbende kurz vor ihrem letzten Augenblick noch aufgeräumt gewesen sind - - O gönne mir noch einen solchen Augenblick! - - Meine Geliebte, mein Weib, der Tod, der den Honig deines Atems aufgesogen, hat noch keine Gewalt über deine Schönheit gehabt; du bist nicht besiegt; noch schwebt die purpurne Fahne der Schönheit auf deinen Lippen und Wangen, und die blasse Flagge des Todes ist hier noch nicht aufgesteckt. Ach! liebste Marge, warum bist du noch so schön? Soll ich glauben, der unwesentliche Tod sei in dich verliebt worden, und das dürre scheußliche Ungeheuer unterhalte dich hier im Dunkeln, um seine Liebste zu sein? Mein Auge, sieh' sie zum letzten mal an; umfangt sie zum letzten mal, meine Arme, und ihr, siegelt, o meine Lippen, mit dem letzten Kuss dem wuchernden Tod eine Verschreibung, die nie wieder abgelöst werden kann - - Dies, meine Liebe, trink ich dir zu! - - o ehrlicher Apotheker, deine Tränke wirken gut - - Noch diesen Kuss....

Homer: Jetzt reicht es mir aber. Ich soll eine Leiche küssen und dann auch noch Gift schlucken. Das ist ja widerlich. Sie sind gefeuert. [murmelt Beschimpfungen vor sich hin, während er den Bewerber zur Tür bringt.]

Homer: Ich muss mir das alles gar nicht bieten lassen. Die sollen mein Leben erzählen. Moe hat gesagt, damit kann man jede Menge Kohle verdienen. Besonders, wenn es ins Fernsehen kommt. Aber die wollen alles auf den Kopf stellen. Das lass ich mir nicht bieten.

Kandidat Nummer 3

(Für Anja. Sorry, etwas kurz geworden.)

Es klingelt. Ein ältere Mann mit schütteren Haaren und Brille betritt den Raum.

Homer: Ich will ihnen gleich sagen, dass ich mir das alles nicht bieten lasse. Alle schreiben nur, was sie denken. Sie schreiben das was ich sage oder gar nichts. Ich will schließlich ins Fernsehen.

Bewerber 3: [verzieht voller Anteilnahme das Gesicht, schweigt jedoch fürs erste]

Homer: Sehen sie sich doch mal an. Sie sind doch auch nur so ein Intellektueller. Wer sind sie überhaupt?

Bewerber 3: Ich? : Das ist, wenn man erst mal vierzig ist, nur noch ein Sortiment von Schrullen und schlechten Gewohnheiten.

Homer: Raus! Das muss ich mir nicht bieten lassen.

Die Tür fällt ins Schloss.

Homer: Die glauben wohl, sie wissen alles besser. Vielleicht rufe ich morgen diesen Matt noch mal an. Der hatte immerhin Ahnung von Reggae.


So, jetzt seid ihr dran: Welche berühmten Autoren wollen Homer Simpsons Geschichte schreiben?

Sonntag, 11. November 2007

Ein offener Brief an die Bildzeitung zu Sankt Martin

Liebe Bildzeitung,
nach all den Jahren voller Laternen und Gänsen möchte ich mich als einer ihrer treusten Leser auch mal zu Wort melden. Sie haben ja meistens recht, ich meine mit Merkel, Schröder und Co. Aber einmal im Jahr platzt mir die Hutschnur. Natürlich nur bildlich gesprochen (kleines Wortspiel meinerseits, sie erlauben dass doch, oder? Sonst dürfen sie das streichen. Nur das.) Diese ganze Heldenverehrung für diesen Halunken. Was hat der denn geleistet? Das war ein Politiker. Viel schlimmer als heute. Woher ich dass weiß? Nun, ich will ihnen ein lang gehütetes Geheimnis verraten:

Sie erinnern sich an den Mann? Die Mantelgeschichte! Jetzt sagen sie bloß, die kennen sie nicht. Also, ich werde mal ihre Erinnerungen auffrischen. The man formally known as Sankt Martin (ich werde ihn der Einfachheit halber Martin nennen und ich bin mir sicher, sie werden dem, wenn sie meinen Brief zuende gelesen haben, folgen) ritt noch als Soldat durch die Gegend.

Jedenfalls traf er im Niemandsland meinen Urururururururgroßvater. Martin war, durch ausgesprochen unglückliche Umstände die mit der gelangweilten Frau eines römischen Offiziers und dessen unerwartet frühen Auftauchen zusammenhing, völlig nackt. Das wäre doch eine Story für lange Winterabende: Der Soldat, der vor den Augen eines anderen nackt aus dem Fenster sprang - nur mit einem Gladius in der Hand. Nun ja, wenn es nicht weiter gegangen wäre.

Mein Vorfahr durchschaute die Situation jedenfalls sofort. Ist halt ein helles Köpfchen. Das liegt übrigens in der Familie. Er half dem frierenden Mann aufs Pferd und die beiden galoppierten Richtung Amien. Warum er ihm überhaupt geholfen hat? Nun, der Offizier war ziemlich streng. Er hat ihn wohl verstanden.

Doch kaum war das Pferd gezügelt spürte mein Urururur...großvater schon die scharfe Klinge am Hals.

Auch wenn du mir geholfen hast, Soldat, so kann ich nicht vor meinen kommandierenden Offizier treten. Du erlaubst... Was sollte mein Vorfahr machen? Zitternd, erst vor Wut, dann vor Kälte, musste er zusehen, wie der fremde Soldat seine Uniform anzog. Er bat, ja er bettelte, dass er wenigstens den Mantel behalten dürfte. Er wäre von siner Frau gesäumt und würde schon seit Generationen in seiner Familie weitergegeben. Doch selbst diese kleine Bitte stieß auf taube Ohren.

Bis zum Stadttor lief er hinter dem Berittenen her. Schließlich - im Angesicht seiner Kameraden - ließ sich Martin zu einer Tat reiner Barmherzigkeit herab. Er teilte den Mantel einmal in der Mitte durch. Hier hast du dein Futter, möge es deiner Familie noch weiter gute Dienste verrichten... sprachs und verschwand in die Stadt.

Es dauerte Stunden, bis mein Ururururgroßvater sein Quartier erreichte. Es war ein Spießrutenlauf. Und nur wenige Stunden mehr, bis ihn die Soldaten des Offiziers abholten und wegen Ehebruchs aus der Armee warfen. Und er hatte noch Glück. Der Mann wollte keinen Skandal. Sonst hätte es nur das Schwert gegeben. Und meine ganze Familie hätte nie das Licht der Welt gesehen. Aber lassen wir das.

Ich frage nun sie, kann so ein Mensch heilig sein? Ich meine die anderen Geschichten, von wegen Gänsen und so, dass macht einen Mann doch nicht heilig. Ansonsten müssen sie mal zu mir auf den Hof kommen. Die Gänse schreien auch, wenn ich oder meine Frau im Stall sind. Vielleicht wären wir auch gute Bischöfe?

Also, ich hoffe sie überdenken ihre Heiligenverehrung noch mal. Meine Laterne wird am 11.11. auf jeden Fall aus sein.

Mit freundlichen Grüßen ihr treuer Leser

Dienstag, 9. Oktober 2007

Totenbeschwörung

Wahrscheinlich erzähle ich euch ja gar nichts Neues mehr. Ihr habt bestimmt schon längst festgestellt, dass The Island of Four Winds bereits fertig und der Anfang des zweiten Teils mit Blood Money längst online ist. Trotzdem ein wenig Werbung muss erlaubt sein, Aye Clarissa?

Und wenn ihr neben Dramatik und alten Piratenflüchen euch noch ein wenig mit KÄPTN Jack Sparrow auseinandersetzten wollt - die deutsche nur ganz leicht berichtigte Fassung der Beschwörung des Aztekenpriesters. Übrigens, egal was alle sagen, glaubt mir, Jack hatte zeit seines Lebens einen imaginären, unsichtbaren wunderschönen Hut.

Woher ich das weiß? Natürlich aus der zuverlässigsten Quelle. Jack Gossip Sparrow selbst hat es mir geflüstert, als wir uns bei Tee mit Rum (man lege Teeblätter in Rum ein, filtere die Teeblätter heraus und gebe einen Schuss Zitrone dazu) über seine Memoiren unterhielten.

Alle Rechte habe ich leider nicht bekommen. Jack ist halt ein Schlitzohr und er hatte auch schon ein paar Storys an Walt verscheuert eines Tages kam er völlig verzweifelt an und sagte immer nur - Achterbahn - sie machen aus meinem Leben eine Achterbahn.. Trotzdem, demnächst werdet ihr ein paar Schmankerl an einschlägiger Stelle finden.

Mittwoch, 19. September 2007

Mein Talk Like A Pirate Day

Als ich heute Morgen aus der Koje kroch, schien es noch ein ganz normaler Mittwoch zu werden. Ich frühstückte meinen Zwieback auf dem Weg zur Arbeit.

Als ich meinen Kollegen ein fröhliches Ahoy entgegenschmetterte, sah niemand, inklusive mir, von der Arbeit auf. Das änderte sich erst, als wir das ruhige Gewässer verließen, und die Kunden sich um meinen Ausguck tummelten.

Kind: Computers
ich: Ahoi!
Kind (sichtlich genervt): Morgen, ich will an Computers.
ich: Leichtmatrose, bevor du an DEM Computer ankern kannst, zeige mir Tattoo oder Karte. Du weißt doch, meen Jung, nur die Crew darf hier segeln surfen.

Mit kläglicher Beute, eine Büchereikarte, ließ ich ihn am Rechner ankern. Hier war kein Gold zu holen.

Kunde: Guten Morgen
ich: Ahoy, meen Beauty! (schließlich bin ich emanzipiert)
Kunde (leicht verwirrt): Meine Frau klar sucht den zweiten oder dritten Band von dem Schotten aus der Vergangenheit.
ich: Arrr?
Kunde (leicht nervös): Diese dicken Bücher.
ich: Die Highlandsaga von Gabaldon? Eine Frau durchsegelt die Meere der Zeit, um sich in Schottland ihrem rothaarigen Käptn an die Brust zu werfen?
Kunde: Eventuell? Haben Sie das da?

Die Kollegen der Theke sehen inzwischen des Öfteren ein wenig irritiert zu mir herüber, aber ich mag mich da täuschen. Ich kratze mir hingebungsvoll am Kopf.

ich: Aye aye!
Kunde: ...

Ich müsste mir meine Fingernägel mal schneiden. Ich ziehe das Entermesser hervor. Natürlich unter dem Tisch, ich bin ja höflich.

Kunde: Würden Sie mir auch sagen, wo es steht?
ich: Folgen Sie der steifen Brise nach Backbord bis zum dritten Regal, dann drei Schritte gen Steuerbord und wenn Sie nicht über die Reeling gefallen sind ...


Kundin (sehr vorsichtig): Den neuen Bestseller von der Kathy Reichs, haben Sie den schon?
ich: Aye, beim Klabautermann, natürlich haben wir den. Andere haben den Schatz aber schon gehoben. Sie werden auf die nächste Flut warten müssen.

Eine Kollegin löste mich dann ausgesprochen hastig - und viel zu früh - ab. Ich wäre wohl reif fürs Mittagessen. Nach Schillerlocken und Zwieback eingeweicht in Rum geht es ans Bestellen neuer Medien. Hatten wir da nicht eine neue Dienstanweisung bezüglich des Etats ... Ich beschließe, meinen Führungsanspruch unter Beweis zu stellen, irgendwann muss man ja mal zeigen, wer hier... Mir ist da ein kreativer Gedanke gekommen, das Problem sinkender Etats zu lösen. Sonst meutern mir die anderen bald. Ihr wisst ja, ohne Gold fällt die Motivation. Aber wenn ich das Bild eines Goldstückes ... Ach lassen wir das.

Ich setzte eine Anweisung ins Intranet:

Ahoy Mitmatrosen,
der Quatiermeister hat mich gebeten zu verkünden, dass wir den Pfeffersäcken des Buchhandels nun kein Gold mehr in den Rachen schmeißen werden. Im Gegenteil, unsere nächste Kaperfahrt wird reiche Beute bringen. Wetzt die Säbel, ladet die Kanonen und auf zu Schmorl. Bestseller und illustre Kochbücher winken.
Eine steife Brise in den Segeln und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel.

Eure ...

An den Rest des Tages kann ich mich nur verschwommen erinnern. Der Käptn stürmte - Minuten nach dem Post - meine Kajüte. Ich erinnere mich nur an Worte wie Fahne, verrückt geworden, Konsequenzen!!! Eine Meuterei? Soll ich über die Planke geschickt werden? Oder doch nur in die Bilge? Ich bin verwirrt.

Dann setzte ich, gezwungenermaßen die Segel Richtung Tortuga... Da hilft nur Rum, viel Rum... und ein Wecker.

Hey, ist heute nicht Talk Like A Pirate Day. Was wohl passiert wenn ich ...

Donnerstag, 13. September 2007

Fluch der Karibik meets Prison Break

Clarissa hatte ja letztens zum Schreibwettbewerb aufgerufen...

Ein Gefängsausbruch sollte es sein. Mit Jack und der Crew der Black Pearl aus Teil 1 an Bord in einer Zelle. Ohne Hund. Ohne Schlüssel.

Da ich eitel bin möchte ich Euch natürlich meinen Beitrag nicht vorenthalten:


Caribbean Prison Break


Auch wenn es sich bei einem Gefängnisausbruch förmlich aufdrängt, ich habe es leider nicht geschafft, die in Fanfiction übliche Liebesgeschichte Seine Augen funkelten wie Sterne vs. Softporno einzubauen. Sorry, ich arbeite dran (Vielleicht ist der Festungskommandeur eine Frau? Oder schwul? Wie weit würde Jack für seine Freiheit gehen? Was meint ihr?)

Wer gerne mehr über Jack Sparrow und Co. besonders Mrs. Turner senior lesen möchte:


Das Gold des Cortés


Lasst Euch eine steife Brise um die Nase wehen und genießt Jacks Welt.

Clarissa hat angekündigt, uns jede Woche mit einem neuen Kapitel zu verwöhnen. Ich freue mich drauf. Nehmt sie beim Wort und schaut regelmäßig vorbei.

Samstag, 1. September 2007

Der Froschprince

frei nach den Gebrüdern Grimm

In den alten Zeiten, in der noch wirklich jeder Schulterpolster trug, da lebte Herr König. Herr König hatte mehrere Töchter der Pillenknick ging an guten katholischen Familien damals vorbei, die alle schön waren. Die jüngste war so schön, dass die Sonne selber, die doch so viel gesehen hat, sich darüber wunderte.

Herr König wohnte auf dem Land. Als guter Vater von schönen Töchtern ist das einfach sicherer. Er hatte sein Vermögen mit Burgern gemacht und konnte sich einen wahren Palast mit angrenzendem Wald leisten. Zwischen diesen Bäumen nun stand ein Brunnen und immer, wenn das Wetter sehr gut war, und die Jüngste Langeweile hatte und das war oft, immerhin wohnte sie in einer gottverlassenen Einöde suchte sie diesen Ort auf. Hier konnte sie allein sein und mit ihren goldenen Kugeln spielen.

Keiner weiß so genau, wie sie es geschafft hat, es gibt immerhin keine Zeugen, die je darüber gesprochen hätten, ... es war ja auch ziemlich heiß und so im Eifer des Gefechts ... jedenfalls sind die beiden Kugeln irgendwie ins Wasser gefallen. Sie versuchte noch die goldene Kette zu fassen, aber da war es schon zu spät. Das Fräulein König verfolgte sie noch mit den Augen, aber der Brunnen war tief. Es war kein Grund zu sehen. Wie frustrierend. Sie fing an zu weinen, und weinte immer lauter, und konnte sich gar nicht trösten.

Und wie sie so schluchzte, da sang jemand What is the answer ... question of you? Als sie sich aber umsah, streckte ein Frosch seinen Kopf aus dem Wasser.

Ach du bist es nur, Wasserpatscher. Meine goldenen Kugeln sind in den Brunnen gefallen.

Something in the water? Ich kann sie dir wiederbeschaffen. Sister, was bekomme ich dafür?

Was du willst, liebster Frosch Fräulein König war begeistert meine Kleider, meine Perlen und Edelsteine und meine neongelben Converse All Stars, die ich immer trage.

Der Frosch aber antwortet: Money don't matter tonight. Ich möchte nicht deine diamonds and pearls und neongelb passt so gar nicht zu grün... aber if i was your girlfriend, play with you in the sunshine, do the batdance und anschließend do it all night ... this could be a beautiful night dann werde ich deine Kugeln für dich holen.

Ach ja sagte sie alles, was auch immer du willst. Nur bring mir meinen Kugeln wieder. Bei sich dachte sie aber, Seit dem Purple Rain letzten Sommer ist er völlig verrückt geworden. Er denkt doch nicht wirklich dass ich und ein Frosch ... ?

Kaum hatte der Frosch aber die Zusage erhalten sprang er in den Brunnen und tauchte wenig später mit dem Geschmeide auf.

Fräulein König war begeistert. Mit den Kugeln in der Hand stürzte sie nach Hause. Den Frosch hatte sie längst vergessen. Come [on] brüllte dieser Walk don't walk vergebens.

Am nächsten Tag saß Herr König mit Familie und Geschäftspartnern bei einem späten Abendessen, als, tick tick bang jemand die Stufen der Marmortreppe hinauf tanzte. Bald schon klopfte es an der Tür und eine Stimme rief Sign O The Time Tochter des Königs, mach mir auf.

Ihr schwahnte schon Übles und richtig, als sie die Tür öffnete, wer stand da ... der Frosch. Was für eine Zwickmühle. Sie schlug die Tür schnell wieder zu und setzte sich an den Tisch. Vielleicht hatte ja niemand etwas gehört?

Ihr Vater sah jedoch, dass sie etwas bedrückte und fragte: Wer kann wohl an der Tür sein, dass du solche Angst hast? Die Hells Angels? Oder deine Mathematiklehrerin?

Ach nein antwortete Fräulein König ganz kleinlaut nur ein garstiger Frosch, der mir gestern mein Spielzeug aus dem Wasser geholt hat. Ich versprach seine Freundin zu sein, mit ihm im Sonnenschein zu spielen, den Batdance zu tanzen und dann ... nachts ihr versagte die Stimme.

Der Frosch aber rief zum zweiten Mal Tochter des Königs, Lolita, mach mir auf, denke daran, was du mir gestern versprochen hast.

Herr König hatte lange mit antiautoritärer Erziehung geliebäugelt. Mit dem Alter und den Millionen gewann seine autoritäre jedoch die Überhand über Anti-Seite. Seine Tochter war seiner Meinung für ihr Alter viel zu unreif. Alleine mit goldenen Kugeln am kühlen Wasser spielen. Wo soll denn sowas hinführen? Er beschloss, ihr eine Lektion in Sachen Verantwortung zu geben. Oder wie würdet ihr euch diese Entscheidung sonst erklären?

Hast du's ihm versprochen, musst du's auch halten. Geh und mach ihm auf. Das gab einen Streit. Das Fräulein König war es nicht gewohnt, Befehle zu erhalten. Da fielen böse Worte wie Fernsehverbot oder Taschengeldentzug gekoppelt mit Hausarrest und als Herr König bereits den Tag verfluchte, an dem seine erste Beichte abgelegt hatte, da lenkte sie ein.

Fassungslos ging sie zur Tür und ließ den Frosch hinein. Nun was soll ich euch erzählen. Es fiel noch so manches bitterböse Wort, und ich bin mir nicht sicher, ob es für alle ein Vergnügen war. Wenn man es genau nimmt, war der Frosch auch eher Zuschauer, als aktiver Spielpartner. Obwohl er sich wirklich Mühe gab. So vor aller Augen und mit Kugeln, die fast so groß wie er selbst waren. Beim Batdance war das Fräulein König schon wesentlich entspannter. Auch ein Frosch kann ein Partyman sein. Als aber die letzte Bedingung anstand, da hatte Fräulein König entgültig genug.

Wut, Tränen, nichts hatte geholfen. Gestrenger Vater hin oder her, auch elterliche Drohungen haben ihre Grenzen. Als der Frosch aber gar nicht Ruhe geben wollte, packte sie ihn mit zwei Fingern und warf ihn gegen die Wand da hast du deine beautiful experience.

Was aber herunterfiel war nicht ein toter Frosch, sondern ein wahrer Sexy Motherfucker. Und Fräulein König sprach I see the future and it will be ...

Prince Purple Rain

Und sie brachen auf ins purpurne Minneapolis. Was es mit dem treuen Morris Day und seinen Eisenringen auf sich hat, dass haben andere ja nun zu genüge erzählt.


Frei nach dem Froschkönig der Gebrüder Grimm.

Donnerstag, 24. Mai 2007

Pumuckl darf p******


Vier Wochen Bedenkzeit hatten die Richter: Dann entschieden sie: Ja, auch ein Kobold hat das Recht auf Sex. Pumuckl darf eine Freundin bekommen.

Pumuckl

Welche Auswirkungen dies für die Menschheit Koboldheit als solche hat ist jedoch nicht auszudenken. Haben also auch Klabautermänner (und -frauen) ein Recht darauf, glücklich zu sein? Man stelle sich vor, die Amerikaner wäre mal wieder Vorreiter und würden diesen kleinen Zusatz in die Unabhängigkeitserklärung einfügen:

All of the people and imps shall be respected as individuals. Their right to life, liberty, and the pursuit of happiness shall, to the extent that it does not interfere with the public welfare, be the supreme consideration in legislation and in other governmental affairs.

Die Folgen wären gravierend. Eine Welle von Klagen würde uns überschütten. Schlümpfe vs Gargamel, Silvester vs. Tweety... Und vor allem, alle gegen ihren Schöpfer. Man denke ein Homer Simpson, der sich weigert, immer nur als Trottel dazustehen. Auch er hätte nun mal ein Recht darauf glücklich zu sein. Ich möchte da nicht in der Jury sitzten. Nicht auszudenken...

Vielleicht haben E. Kaut und B. v. Johnson, die beiden geistigen Mütter deshalb wegen dieser Frage so erbittert vor Gericht gestritten. Die eine wollte eine Emanzipation, die andere den Schutz der Comicfiguren. Denkbar wären viele Gründe.

Zwei Mütter, einst gemeinsam, inzwischen tief zerstritten tragen auf dem Rücken des geliebten Kindes einen Egokampf aus. Wer darf entscheiden, wie sich der Knabe weiterentwickelt. Immerhin ist die letzte männliche Bezugsperson mit dem Meister Eder 1993 verstorben. Wer soll den Guten ersetzten? Ein Sorgerechtsstreit mit politischer Brisanz. Man beachte den großen Medienrummel bereits jetzt. "Mommie Dearest 1 and Mommie Dearest 2 will be fighting this out in a court of law. Which in the end is not a terrible thing [...] And you, my little sweet will be known in the press as [...] [kobold K], the artificially conceived [son] of a [femal author and her femal illustrator]. Oh my gosh. The fundamentalists will picket. Liberals and feminists will argue among themselves. Good Christian folks will write into the Op-Eds offering to adopt her away from her sick and perverted warring parents." 401 Legend in the making unerheblich angepasst (Kleiner Insider für dich Clarissa) Vor allem da die Frage: Wer ist die leibliche Mutter? kaum geklärt werden kann. Kaut schuf den Geist, v. Johnson den Körper. Ein perfekteren Mix der Gene kann es jawohl kaum geben. Ein Sahnestück nicht nur für die Freudianer unter den Psychologen.

Aber akzeptieren wir mal das Urteil: Pumuckl darf eine Freundin haben. Mit 312+20 Jahren ein großer Schritt in die Erwachsenwelt. Selbst für einen Kobold. Die Pubertät hat begonnen. Hormone, Pickel, Stimmbruch. Das würde uns wahrscheinlich gar nicht so auffallen. Noch einmal kann er sich richtig bei seinen Streichen austoben. Jetzt wird schlechtes Benehmen sogar von ihm erwartet.

Pubertät, das heißt allerdings auch: Grenzen ausloten. Für einen Kobold, der nur von einem einzigen Menschen gesehen wird duerfte es ziemlich hart werden, sich gerade von diesem abzugrenzen. Alle anderen sehen ja nicht, wenn er laut Bushido und Co. hört, die Haare zu einer Matte oder zum Irokesenschnitt stylt, mit Goldschmuck protzt und das erste Mal raucht oder die vielen anderen Dinge tut, die ihm vielleicht das Gefühl geben, ja ich bin einzigartig, cool und gehöre doch dazu. Wo bekommt er seine Anerkennung dann her? So sehr er bisher auch suchte, eine koboldische Peergroup war bisher nirgendwo zu finden. Das mit dem blauen Klabauter hat schließlich auch nicht funktinoiert, oder? Und seine Mütter dürften wohl kaum Verständnis haben.

Ich meine, wo kommen wir denn da hin: Musik, Zigaretten, der erste Sex. Das ist ja erst der Anfang. Was ein streicherprobter Klabauterman ist, der schätzt doch das Risiko. Da sind schon schnell bei Joint und Co. Es ist nun mal schwer, jemanden zu erwischen, der unsichbar ist. Welcher Polizist verhaftet denn einen schwebenden Joint oder eine Spritze?

"Pumuckl? Aber das ist doch ein Vorbild unserer Kinder" mögen jetzt einige entrüstet sagen. Aber in der Pubertät will doch niemand ein Vorbild sein, oder? Ein volljähriger Kobold will nun mal Auto fahren, in der Disko die Puppen, Verzeihung, Kobolddamen tanzen lassen. Und testen, wieviele Drinks so ein ganzer Pumuckl aushält. Hm. Wenn man seine Körpergröße und das Gewicht einkalkuliert....

Lasst uns alle dafür beten, dass seine Mütter stark genug waren, ihn aufzuklären. Der Meister Eder war in der Beziehung wohl keine große Hilfe.

Überhaupt: Es wird ziemlich schwierig sein eine Kobolddame zu finden. So völlig unsichtbar. OK, er kann dann wirklich sicher sein, dass sie seine inneren Werte zu schätzen weiß. Und sie kennt seinen Mut: Immerhin muss er sich für sie sichtbar machen, sprich: irgendwo festkleben, damit sie ihn sehen und in ihr Herz schließen kann. Das ist auch für einen kleinen Kobold ein großer Schritt. Er müsste dann gleich seinen Menschen verlassen und bei ihr bleiben. Und ob sie dann für ihn sorgen kann... Ich meine in nicht nur in der Hinsicht. Das wäre ja dann gleich was richtig Festes. Das Ausprobieren, einfach so mal ein wenig ohne Folgen Händchenhalten oder Rumknutschen fällt dann ja auch weg. Da heißt es gleich zusammenziehen und für eine lange Zeit die Marmeladenbrote teilen. Eine schwierige Entscheidung. Aber Bindungsängste dürften Pumuckl fremd sein. Wir erinern uns: Meister Eder brauchte damals doch auch nur einen Eimer Leim...

Nehmen wir mal an, auch unser Pumuckl übersteht die Pubertät ohne durch Flatratesaufen und Orgien aus der Bahn geworfen zu werden. Was dann? Wird er zum braven Kobold, den sein 9 to 5 Job ausfüllt oder behält er seine Streiche bei? Erwachsen heißt nun mal auch strafmündig.

Aber immer die Folgen abwägen? Das liegt unserem guten Pumuckl doch gar nicht. Er meint es ja selten böse. Aber ob das vor Gericht zählt? Da kostet ein Streich schon mal ein paar Jährchen. Das ist nicht gut für die sensible Seele. Sie müssten ihn ja festbinden, sonst wäre kaum zu kontrollieren, ob er da ist oder nicht. Da ist er doch ganz hilflos (Haben Sie ein Herz: Unterschreiben sie sofort die Petition: Keine Klebefesseln für Kobolde. Auch Klabauter haben Rechte). Und wenn er seine Zeit abgesessen hat... wie mag er da rauskommen:
  • Als abgebrühter, über und über tätowierter Klabauter. Wütend auf sich und die Welt. Immer auf Ärger aus
  • oder als seelisches Wrack, ein in sich gekehrter änglicher stiller Heinzelmann, der an einen geprügelten Hund erinnert.
Nein, das kann und will ich mir gar nicht ausmalen. Es muss doch noch andere Zukunftsperspektiven geben. Ich bitte euch. Wer wird denn schon so schwarz malen!

Wir fassen zusammen: Vielleicht wollte Frau Kaut ihren kleinen Jungen ja nur schützten, vor dieser bösen Welt, in der es kleine Kobolde so schwer haben können. Aber, möglicherweise hat auch Frau v. Johnson recht, ist ein Leben ohne Spaß überhaupt wert, gelebt zu werden? Kann es für so einen Streit überhaupt eine Lösung geben?

Die nächste Instanz wird diese Fragen wahrscheinlich auch nicht klären können. Ich bin mir sicher. Es geht hier nicht nur um verletzten Stolz oder gar um schnödes Urheberrecht, wie es uns die Presse verkaufen will.

Ihr aber denkt bitte alle daran: Sollten Euch in den nächsten Jahren etwas merkwürdig vorkommen. Ihr wißt schon: verschwundene Unterwäsche Gegenstände, wie von Geisterhand bewegte Sachen ... Die Streiche halt, für die wir Pumuckl immer geliebt haben, aber halt ein wenig... nun ja, versauter erwachsener, rennt nicht gleich zur Polizei. Auch Kobolde müssen ihren Weg erst finden.
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