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Identitätskrisen

Montag, 21. September 2009

Rätsel Nummero 238

Ich möchte mal wieder Eure Science Fiction Kenntnisse testen. Um welchen Roman handelt es sich? Wer hat ihn geschrieben und wer ist unser Erzähler?

Ich hatte gleich kein gutes Gefühl bei dem Jungen. Ja er war, deswegen hatte ich ihm beim ersten Appell genaustens erklärt, wie die Decken auf dem Bett zusammen gelegt werden sollten. Aber er stand nicht mal richtig. Die Kanten der Schuhe sollten sich berühren, die Fußspitzen auf der gleichen Höhe sein. Außerdem waren sie zwischen Absatz und Sohle nicht geputzt.

Er war schlampig. Vielleicht kam er dabei bei seinen Eltern durch. Aber hier musste er allein klar kommen. Hier kommen nur Kinder hin, die keine Fürsprecher mehr haben. Und seine Eltern waren Dissidenten. Unzufriedene, die mit den falschen Leuten sprachen und nicht zu den Spielen gingen. Deswegen war er hier. Irgendwann traf solche Leute immer ein Unfall.

Ich musste ihn jetzt erziehen, sonst würde er die ganze Zeit Probleme machen. Die Lehrer hatten schon gesagt, dass er neugierig war und wirklich im Unterricht Fragen stellte. "Ich habe bei dir ein ungutes Gefühl!" sagte ich ihm auf den Kopf zu "Ich habe das Gefühl, dass du ein fauler und unordentlicher Junge bist. Lass dir gesagt sein, dass wir keine dieser Eigenschaften in dieser Schule dulden."

Ich wollte ihm noch eine Chance geben, vielleicht war mein Verdacht ja falsch. Ich ließ ihn seinen Spind öffnen. Es war eine Schande. Alles war kreuz und quer herein gestopft. Ich wollte mir nicht mal die Hände schmutzig machen, indem ich diesen Wust anfasse. Ich zog ihn mit dem Stock heraus?

BÜCHER! Als ob Bücher im Spind aufbewahrt werden sollten? Als ob Bücher überhaupt auf dem Gelände erlaubt wären! Aber Bücher aus der Leihbücherei? Gegenstände, die von einer ungewaschenen Hand zur anderen gewandert sind. Schmutzige, unhygienische Dinge, Fallen für Bakterien.

Er ekelte mich an. Ich kümmerte mich um die Bücher - sie mussten verbrannt werden, die Jungs würden sich um den Rest kümmern. "EINE SCHANDE!"


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Freitag, 28. August 2009

Rätsel Nummero 237

Diesmal ein recht neuer Vertreter der Belletristik: Von euch möchte ich wissen, um welchen Roman es sich handelt, wer ihn geschrieben hat und wer der Erzähler ist. Viel Spaß beim Raten.

Den Menschen ist gar nicht bewusst, was für ein Geschenk der freie Wille ist. Seit Jahrtausenden sitze ich hier nun fest. Wie ein Puppenspieler zieht er mich mit seinen Aktionen mal hier mal dort hin. Ich reagiere nur. Versuche mal die Seele zu stibitzen, mal den Höllenschlund zu öffnen… Klar ist das durchaus unterhaltsam. Aber wenn ich wählen könnte … ich säße längst auf einer Südseeinsel und den Schlund der Hölle dürfte irgend so ein armer Trottel bewachen.

Aber nun ist es ja fast vorbei. Seit ein paar Tagen läuft Josh wieder über die Erde. Er wohnt bei Gabriel, meinem alten Rivalen. Ein wenig Urlaub, bevor es los geht. Ich habe schon eine Vorauswahl für mein Team getroffen – ein Apokalyptischer Reiter kann nicht jeder werden. Für den Hunger habe ich die Frau, die im Fernsehen Modells castet vorgesehen. Krieg eines der Staatsoberhäupter, der Tod hat eine feste Rolle, somit bleibt nur noch Krankheit über. Wir werden Jerusalem schon aufmischen.

Obwohl, wer sagt eigentlich, dass es Jerusalem sein wird? Nur weil es im Buch der Bücher steht? Wenn ich mich sklavisch ans Drehbuch halte, werde ich nie gewinnen. Wie wäre es wohl, wenn ich die Regeln etwas anpasse… Das Ende der Welt kann auch in einer deutschen Kleinstadt beginnen.


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Dienstag, 25. August 2009

Rätsel Nummero 236

Wie immer suchen wir den Autor und den Titel des Romans sowie die neue Erzählerin. Viel Spaß beim Raten!

Er saß mir gegenüber wie ein Fremder. Ich weiß ja, dass er sich nichts aus mir macht. Wie sollte er auch. Ich bin ihm zu jung, zu dumm und dank der Brandnarben auch nicht attraktiv genug. Aber trotzdem mag er mich. Er kommt oft zum Essen – Stundenten haben ja immer Hunger. An diesem Tag war es aber anders.
Die Polizei suchte ihn wegen eines Verbrechens. Er hatte Bücher aus der Universitätsbibliothek entwendet und an einen Antiquitätenhändler verkauft. Wertvolle Drucke, die er während seinen Studien gestohlen hatte. Die Geldnot zwang ihn dazu. Beim letzten Buch war nun aber alles anders. Er wollte es behalten - einen prachtvollen Druck aus dem siebzehnten Jahrhundert – aber Sonja, seine Freundin machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Sie wollte mit dem Weiner nach Venedig fahren. Er aber konnte nicht verstehen, warum sie so eine Kreatur ihm vor zöge. Ein Spieler, ein Verlierer, ja eine Person, die gerade nur so eben als Mensch durch ging. Und daher, schloss mein werter Freund, müsse es das Reisen sein, dass sie so anzog.

Ich versuchte ihn davon abzubringen. Keine Frau mit Herz und Verstand reist mit einem Mann nur wegen des Geldes irgendwo hin. Er aber wollte das nicht hören. Er hatte sich in den Kopf gesetzt, dass sie ihn schon lieben würde, wenn er Geld hätte.

Also versuchte er das dritte Buch an einen Sammler zu verkaufen. Es kam wie es kommen musste. Er hielt ihn mit den fadenscheinigsten Begründungen hin. Er hätte das Geld in einer Schatulle, für die er den Schlüssel nicht fände. Er zeigte ihm verschiedene Sammlerstücke, während die beiden plaudernd auf den Schlüsseldienst warteten – stattdessen kam die Polizei.

Mein Bekannter floh in Handschellen. Bis heute Abend will er das Geld für die Reise zusammen zu kommen. Sein ganzes Glück hängt davon ab – denkt er zumindest. Glück wird er wirklich brauchen – und zwar völlig unabhängig von Sonja.


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Montag, 3. August 2009

Rätsel Nummero 235

Auch wenn diese Kategorie im Augenblick ein wenig unter Zeitmangel (meinerseits) und Beteiligungsmangel (eurerseits) leidet, möchte ich doch ungern darauf verzichten.

Wie immer wird eine Geschichte aus einer anderen Perspektive, als im ursprünglichen Roman, erzählt. Ich möchte von Euch den Autoren, die Geschichte und - als Sahnehäubchen - den neuen Erzähler erfahren.

Mein Vater ist nie gestorben. Henoch wurde von Gott zu sich genommen. Ich sah ich zu seinem Felde gehen, als die Hand Gottes herabkam und ihn in die himmlischen Höhen entführte. Er war ein gerechter Mann und wandelte mit Gott. Ich hoffe, dass mein Leben ähnlich zu Ende geht.

Knapp neunhundertneunundsechzig Jahre wandele ich nun auf dieser schönen Erde. Mein Körper mag alt und abgemagert sein. Niemand ahnt mehr, dass ich in meiner Jugend ein kräftiger Mann war. Vielleicht kann sich Naama daran erinnern. Oh, es ist schon Jahrhunderte her, das ich mich nach ihr verzehrt habe. Schon damals gab es Gerüchte, dass sie nicht die Tochter von Lamech und Zilla, sondern das Kind eines gefallenen Engels wäre.

Später verschwand sie. Gerüchte besagten, dass sie sich den Dämonen angeschlossen hatte. Ich wollte ihnen nie Glauben schenken, bis sie kam, um mich in Versuchung zu führen. So fiel ich, dessen einzige Sünde mein Verlangen nach ihr gewesen war, anch neunhunderneunundsechzig Jahren. Ich floh mit ihr in die Stadt Kains, um ihr Liebhaber zu werden. Sie enthüllte mir die Geheimnisse des Himmels und der Erde.

Mein Vater Henoch war von Gott zu seinem obersten Engel, zum Metraton erhoben worden. Sie erzählte mir, dass Gott alles verbot, was Männern und Frauen Vergnügen bereitet, da er selbst impotent und seine Frau frigide wäre. Als Beweis für seine Unzulänglichkeiten führte sie die Prophezeiung von der Arche an. Mein Enkel Noah lebte nun schon mehrere hundert Jahre und kein Regen schien die Anstrengungen für den Bau seiner Arche zu rechtfertigen. Die Sinnflut sei nur eine leere Drohung, um die Söhne Adams gefügig zu machen.

In den Versammlungen ihrer „Weisen“ erhoben sie Mord, Brandschatzung und Sünde zur höchsten Kunst. Ich aber fühlte mich von ihrem Geschrei belästigt. Weinen und Jubeln klang gleich schrill in meinen Ohren. Für ihre Lustbarkeiten war ich zu alt. Ich sehnte mich, nach meinem ruhigen Leben im Kreis meiner Enkel und Urenkel zurück. Zum ersten Mal seit neunhundertneunundsechzig Jahren hatte der Tod seinen Schrecken verloren. Ich flehte meine Geliebte an, mich zurück zu bringen.

Als ich von Gottes Seite auf meinen toten Körper herunter blickte, fielen die ersten Regentropfen auf die Erde.


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Mittwoch, 17. Juni 2009

Rätsel Nummero 234

Hier wird der Anfang eines bekannten Romanes aus einer anderen Perspektive geschildert. Um welchen Roman handelt es sich? Von wem wurde er geschrieben und wer ist unser Erzähler? Viel Spaß beim Raten.

Ich mache mir Sorgen um dich, mein Freund. Die Operation war schwer. Aber sie wird dir etwas Zeit verschaffen. Wenig genug, ein Jahr vielleicht, wenn du den Zigaretten abschwörst. Ich sehe schon, dass du dich nach der Arbeit sehnst. Das Krankenhausleben ist dir ein Graus. Wenn du einmal eine Spur aufgenommen hast, dann Gnade demjenigen Gott. Hier aber verrennst du dich in eine fixe Idee. Ich werde mir nie verzeihen, wenn dir etwas zustößt, weil ich dich darauf gebracht habe. Nur weil ich glaubte, ihn zu erkennen.

Ein altes Foto in einer Zeitschrift ist nie genau. Erst recht, wenn es einen Arzt mit Mundschutz in OP-Kleidung zeigt. Man sieht ja nur das halbe Gesicht. Ja, ich glaubte ihn zu erkennen, den Studienfreund. Aber er war während dieser Grauentaten gar nicht im Land. Auch wenn er nach Deutschland ausgewandert ist, dann emigrierte er nach Chile. Es gibt unzählige Fachaufsätze aus dieser Zeit, die es beweisen. Ich kann sie dir vorlegen.

Es waren Tiere, die diese Operationen durchführten, ohne Narkose. Aber man kennt ihre Namen. Er ist unschuldig. Ein anderer hat zufällig die gleiche Narbe. Er praktiziert längst wieder in der Schweiz. Er hat sich der Hormontherapie verschrieben. Seine Privatklinik ist berühmt. Sein Spitzname ist da eher dem Neid der ärmeren Kollegen geschuldet – Erbonkel. In diesen Kreisen ist es üblich, seinem Arzt etwas zu vermachen.

Bitte, lieber Freund, lass es gut sein. Wir hatten beide kurz diesen hässlichen Verdacht. Wir haben uns gehen lassen. Jetzt musst du dich auf deine Genesung konzentrieren.


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Donnerstag, 28. Mai 2009

Rätsel Nummero 233

Ich muss blind gewesen sein. Die Löcher in ihren Händen und Füßen. Der Geruch nach Bleichmitteln. Sie sah so normal aus. Ja, ihr Mund war zugeklebt. An ihrem Führerschein wäre sie fast erstickt. Aber trotzdem, sie sah nicht wie ein Opfer aus. Nicht wie jemand, der nicht auf sich aufpassen kann, meine ich.

Wissen Sie, meine Schwester, die war ja blind. Ich meine, es heißt doch immer, dass Frauen es irgendwie herausfordern. Sybil war nicht so. Aber ich kenne Vergewaltiger. Sie suchen sich Opfer von denen sie keine Gegenwehr erwarten. Es sind Bestien da draußen. Krankhafte Menschen. Männer, die es auf Frauen abgesehen haben. Sie suchen sich die Stillen aus, oder die Behinderten.

Das Opfer sah jedenfalls ganz normal aus. Als könnte sie sich wehren. Sie muss die ganze Zeit unter Drogen gestanden haben. Keine Quetschungen außer den Löchern in den Handflächen. Jedenfalls, wissen wir jetzt mehr über den Täter. Er ist wahrscheinlich weiß, da Vergewaltiger meistens sich Opfer ihrer eigenen ethnischen Gruppe suchen. Er ist extrem penibel und kennt sich mit gerichtsmedizinischen Gepflogenheiten aus. Ein älterer Mann, unverheiratet, der ein eigenes Haus besitzt. Wahrscheinlich ein geachtetes Mitglied unserer Gesellschaft.

Ich weiß, dass ich bei dem Fall nicht dabei sein sollte. Es ist nicht nur die Sache mit meiner Schwester, ich habe Sie enttäuscht Sir. Ich bin persönlich betroffen. Und ich war nicht da, als Sie angeschossen wurden. Aber wenn Sie mir noch nie Chance geben ... ich finde ihn. Egal was es kostet.


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Montag, 11. Mai 2009

Rätsel Nummero 232

Ich hasse dieses Dorf. In allen Augen sehe ich eine Mischung aus Mitleid und Hass. An allem ist SIE Schuld. Ich war ein hoffnungsvoller Medizinstudent, als ich sie kennen lernte. Als sie schwanger wurde habe ich sie so schnell wie möglich geheiratet.

Nun hocke ich hier fest. Das Kind hat sie verloren. Alles natürlich meine Schuld. Also sitze ich in dieser Landarztpraxis. Mein damaliger Chef war zu betrunken um meine Zeugnisse zu prüfen. Tja, leider gibt es nicht viele andere, daher werde ich nie einen interessanteren Job in irgendeiner Stadt bekommen. Bis an mein Lebensende hockte ich also in diesem Kaff. Meine Frau wusste sich zu helfen - sie bekämpfte die Langeweile einfach mit jedem Mann, der ihr über den Weg lief. Jeder wusste es.

Ich war also nicht nur Landarzt statt Psychologe, sondern auch kein Vater und der Idiot, dem Hörner aufgesetzt wurden. An dem Tag, an dem ich mich wehrte, machte ich alles nur noch schlimmer. Es sollte so aussehen wie ein Autounfall. Alle glaubten mir. Sie starb - das war die gute Nachricht. Ich aber bin seitdem nicht nur ein Looser sondern brauche auch noch einen Rollstuhl. Ja, es wird besser. Aber ich musste einen Partner einstellen. Ich werde nie wieder so laufen können wie früher.

Natürlich habe ich nun mehr Zeit als früher. Ich nutze sie. Da ist dieses kleine Experiment... Er hilft mir, mich besser zu fühlen. Seine Interessen und meine sind fast deckungsgleich. Er gibt mir die Chance meine Wut heraus zu lassen. Sie tanzen für mich in ihrem Hochzeitskleid. Wir beide wissen, dass sie sterben werden. Das sie nur noch Puppen sind, blutbesudelt, verängstigt, hilflos. Meine geliebte angetraute, solltest du von einem unbestimmten Ort zusehen, stell dir einfach vor, sie wären du.


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Donnerstag, 7. Mai 2009

Rätsel Nummero 231

Jeder Mensch hat seinen Preis. Meiner ist im Laufe der Jahre immer geringer geworden. Eine Flasche Whisky. Wenn ich trinke lockert sich meine Zunge von selbst und ich lasse meine Zuhörer an Dingen teilhaben, die sie weder etwas angehen noch die sie zu interessieren haben.

Dieser Jungspund kam sich sehr klug vor, als er mich über die Stadt ausfragte. Dabei zahlte er den doppelten Preis und ich konnte endlich, nun ja. Obed Marsh darf nicht vergessen werden. Lange ist es schon her. 1840 als er die Kanaken besuchte. Er tat alles für den Erfolg. Fische und Gold. Von den Wilden aber lernte er, was ihn die Pfaffen hier nie einbläuen konnten - wie Frömmigkeit zu einem Handel werden kann. Je höher das Opfer desto größer der Gewinn.

Obed war bereit einen hohen Preis zu zahlen. Ein Leben, natürlich nicht sein eigenes - dann hätte der Handel keinen Sinn gemacht. Er ging mit dem Fischgott einen Pakt ein. Menschenleben für Fischleben. Diese neue Geschäftsidee brachte er zu uns und sie wurde ein richtiger Erfolg.

Leider ist die Geschichte hier noch nicht zu Ende. Im Laufe der Jahre veränderten sich die Menschen der Stadt. Diese Amphibien haben es irgendwie geschafft menschlich zu werden - oder werden wir langsam zu Fischen? Keine Ahnung. Zuerst sehen die Leute noch ganz normal aus. Aber langsam Stück für Stück verändern sie sich. Schuppen, Schwimmhäute, ja, Sie mögen lachen. Der Junge hat auch das Lachen verbissen. Ich habe es an seinen Augen gesehen. Armer törichter betrunkener alter Mann haben sie gesagt. Ich wünschte, er hätte Recht.


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Montag, 4. Mai 2009

Rätsel Nummero 230

Um welchen Roman handelt es sich? Wer ist unser Erzähler?

Der sechste Januar war schon immer der Diener zweier Herren, wird doch die Stadt von jeher für zwei der größten Feste geschmückt, den Königstag und das Narrenfest. Und so gehört die Straße nicht nur den hohen Herren, nein, jeder der sich mit einem Kostüm geschmückt hat darf heute sich feiern lassen. Heute lassen wir uns nicht von ihnen verdrängen. Galgen und Rad für die Schauspieler und den Cardinal verweigern sie uns doch unsere Aufführung.

Die Verse ziehen vorbei. Schal der Triumph. Die Schausteller haben unserem Drängen nachgegeben. Blass erscheint das Flickwerk auf der Bühne. Als der Cardinal endlich eintrifft uns von der Langeweile zu erlösen. Er grüßt uns zu, den schönen jungen Frauen mehr, als den anderen. Sein rotes Kleid erstrahlt. Heute mag ihn kein Bettler verspotten, auch wenn er zu spät kam. Wer weiß, der nächste Papst mag vor uns stehen. Die Stimmen der Frauen hat er. Hier aber soll er nicht so einfach davon kommen.

"Meine Herren Bürger und Junker von Paris! Ich sehe wohl Leute, die Miene machen, als ob sie sich schlagen wollten. Unterhaltend ist das nicht; sie fechten mit dem Munde, und weiter ist's nichts. Seit einer Viertelstunde warte ich auf den ersten Hieb, nichts erfolgt; das sind feige Schufte, die sich nur mit Beleidigungen kratzen. Sie sollten uns wenigstens einen maurischen Tanz oder eine andere Mummenschanz zum Besten geben! Das da hatte man mir nicht gesagt; ein Narrenfest mit Papstwahl war mir versprochen worden. Wer sich berufen fühle der stecke seinen Kopf durch ein Loch und schneidet den Adern eine Grimasse; wer die hässlichste macht, wird mit Zustimmung aller zum Papst gewählt; damit abgemacht. Das ist sehr unterhaltend. Wollt ihr, dass wir euren Papst nach der Sitte meiner Heimat wählen? Das wird weniger langweilig sein, als diesen Schwätzern zuzuhören. Wenn sie ihre Grimasse im Loche machen wollen, so können sie mitspielen. Was sagt ihr dazu, meine Herren Bürger?"


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Donnerstag, 30. April 2009

Rätsel Nummero 229

Um welchen Roman handelt es sich hier? Wer hat ihn geschrieben und wer ist unsere Erzählerin?

Jeder Mensch hat eine schwache Stelle. Ich finde sie. Nein, ich lasse sie finden. Die ganze Welt sieht auf meine Stadt, mein Reich, früher ein Moloch des Verbrechens. Seit ich die wohl jüngste Polizeicheffin auf dem Kontinent bin ist es hier friedlich. Ich weiß, dass man die Welt kontrollieren muss. Ich kaufe Menschen. Die Polizei ist eines der größten und profitabelsten Wirtschaftsunternehmen - schon in Bombay habe ich bewiesen, das allein die Rendite- und Umsatzzahlen Macht bringen. Wenn du genug Geld hast wird Verbrechen nicht mehr geduldet.

In St. Louis ticken die Uhren auch nicht anders. Fünf Jahre habe ich Zeit, die Landflucht der Reichen aufzuhalten. Fünf Jahre, um diese Metropole des Südens zu alter Größe zu verhelfen. Das klingt unmöglich? Nein. Haben sie nichts aus meinen Erfahrungen gelernt? Ich bringe ein gutes Team mit. Inder, denen ich vertrauen kann. Die Meinungsführer dieser Stadt, all jene, die gewollt oder unbewusst den Niedergang beschleunigt haben, fühle ich auf den Zahn. Jeder ihrer Schritte wird beäugt, aufgezeichnet und geortet. Jede Verfehlung, jedes Laster aufgedeckt und wenn ihre Taten nicht zu wünschen übrig lassen, wenn kein Geheimnis sie gefügig macht – dann gibt es immer noch Befriedungsmaßnahmen. Sie finden meine Maßnahmen dramatisch? Sie sprechen von Terror? Nun, meine Herren, ich nenne sie wirksam. Wollen sie nun St. Louis mit dem County wieder vereinigen? Nur so wird eine gerechte Aufteilung der Steuereinnahmen möglich sein. Ich kämpfe auf ihrer Seite.

Das was sie Terror nennen, bezeichne ich als moderne Lobbyarbeit. Die größten Meinungsmacher dieser Stadt haben sich bereits auf unsere Seite gezogen. Nicht immer kamen uns so günstige Umstände, wie der tragische Tod von Mrs. Hutchinson zu Hilfe. Selbst Mr. Probst hat gestern zum ersten Mal seine Unterstützung einer Zusammenlegung angekündigt. Ja, sie hören richtig. Martin Probst. Der Mann, der eine kleine Abrissfirma zum größten Bauunternehmen von St. Louis erweiterte. Der Mann, der sich seit langem mit großen Kampagnen gegen die Zusammenlegung wehrte. Er hat gestern vor den Kameras seinen Irrtum zu gegeben.

Was ich damit zu tun habe? Nichts. Ich bitte sie. Mr. Probst hat einfach eingesehen, dass er sich geirrt hat. Meine Argumente mögen kaum das Zünglein an der Waage ausgemacht haben. Sie und ich, Gentlemen, sollten nun die letzten Schritte unternehmen, um St. Louis wieder zu dem zu machen, was es mal war: eine Weltstadt.


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