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Filmmusik

Montag, 6. Juli 2009

Take - der musikalische Anfang und das Ende einer Szene

Takes sind die Stellen im Film, die mit Musik unterlegt sind. In einem Film sind meistens zwischen zehn und zwanzig. Wichtig ist der Beginn und das Ende eines solchen Takes, da durch den Einsatz Akzente gesetzt werden. Die Musik kann einen neuen Aspekt - unabhängig vom Gegenstand des Bildes oder der Handlung - in den Film einführen.

Das Bild, das beim Musikeinsatz gezeigt lässt den Zuschauer die Perspektive erahnen. So verdeutlicht eine Großaufnahme, dass das Take das Innenleben einer Figur illustriert. Die Länge des Takes kann bei einem Abschnitt variieren - wird sie oft über einen kompletten Sinnabschnitt gelegt (eine lange Kameraeinstellung oder eine ganze Szene) kann sie als Synkope besonders betonen. Weiches oder hartes Ein- und Ausblenden kann die Härte der Szene unterstreichen.

Einsatzmöglichkeiten für den Einsatz eines Takes sind:
  • Unmittelbar nach dem Schnitt in einen neuen Raum setzt Musik ein. Die Musik steht im Vordergrund. Der Zuschauer weiß nicht, ob die Musik real ist oder nicht.
  • Der Zuschauer kann die Quelle sehen, z.B. ein Radio oder eine Band.
  • Wenn in einem Dialog eine Wendung oder Spannung eintritt, setzt Musik ein.
  • Die Musik soll den Rapport eines Blickkontaktes oder die Chemie zwischen zwei Personen verdeutlichen. Je länger die Blicke hin und her gehen, desto intensiver wird die Musik.
  • Die Musik hebt punktuell Geräusche hervor.
  • Leise Musik wird hinter lauten Geräuschen versteckt, wenn diese ausgeblendet werden, wirkt sie expressiv, da sie Bescheidenheit oder Schüchternheit verdeutlicht.
  • Wenn Nebensächlichkeiten mit Musik in den Vordergrund geschoben wird, dann wirkt der Film wie eine Karikatur.
  • Wird Musik ohne dramaturgische "Vorwarnung" eingesetzt wird empfindet der das als negativ. Er betrachtet ihn als unsensibel und überträgt dieses Gefühl auf die Filmhandlung.
Das Ausblenden eines Takes ist noch schwieriger. Die einfachste, und etwas billige Variante ist das langsame Ausblenden der Musik, nachdem die Filmbilder emotional eingefärbt wurden. Ein intelligentere Möglichkeit ist es, die Musik in realen Geräuschen verschwinden zu lassen. Dadurch wird die innere Welt (Musik) von der äußeren Welt (Geräusche) und der Wechsel von subjektiv zu objektiv vom Zuschauer nachempfunden.

Quelle: Schneider: Handbuch Filmmusik - Musikdramaturgie im Neuen Deutschen Film

Montag, 1. Juni 2009

Was haben Unchained Melody, Good Morning Vietnam und Endstation Sehnsucht gemeinsam?

Alex North (*1910 +1991) war wohl einer der wenigen Komponisten, die gegen den Trend lebten. Als Kind russischer Einwanderer in Chester geboren studierte er in Moskau Musik. 1936 wieder zurück arbeitete und lernte er mit Copelandund Toch . North begann für Ballettaufführungen zu komponieren. Er arbeitete für Martha Graham und schloss sich dem Federal Theatre Project an. Seine Arbeiten brachten ihm Aufträge der Industrie zu Dokumentarfilmen ein für die er gut 80 Scores komponierte.

Elia Kazan brachte North nach Hollywood. Er setzte seine Verpflichtung zu A Streetcar Named Desire durch. Mit seinem anspruchsvollen jazzig orchestrierten Score der sich auf Gefühle und nicht auf Figuren konzentrierte wurde sein erster großer Erfolg.

Obwohl 15x für den Oscar nominiert erhielt er ihn nie. Sein größter kommerzieller Erfolg war der Hit Unchained Melody, der von gut 500 Interpreten gecovert wurde.

Die wohl bekannteste Version der Righteous Brothers:



Credits: tapirul

Berühmte Scores



The Rose Tattoo


Eine Witwe aus Sizilien versucht in Amerika über ihren Verlust hinweg zu kommen. North greift das Thema mit sizilianischer Volksmusik auf, die er mit amerikanischem Jazz- und freien konzertanten Rhythmen ergänzt.

Der Regenmacher

Da der Film von einem Musical inspiriert worden war entwickelte auch North so, als könnte er für eine Broadwayaufführung bestimmt sein. Die einzelnen Songs orientieren sich an den kantigen Charakteren sind jedoch, mit Ausnahme der dramatischen Szenen, eher einfach gehalten.

Spartacus

Bei dem Historiendrama ging North ein großes Risiko ein - statt auf antike Instrumente zurück zu greifen konzentrierte er sich auf das Themen Freiheit und Menschenwürde. Er zitierte bekannte Stile der römischen Zeit, z.B. den antiken griechischen Fünfachteltakt in seinem leichtem Jazzstil. In einem epischen Score setzte er Instrumente wie Vibraphone, Marimba-Trommeln oder ein chinesisches Glockenspiel ein.

Opening Title
Love Theme

Cleopatra

Bei seinem zweiten Historienfilm war die Instrumentierung des Scores noch ausgefallener, als bei Spartacus. So kombinierte er bei der Krönigungszeremonie Tischglocken, Kuhglocken, fünf hängende Zymbeln, fünf Triangeln und fünf kleine Gongs. In einer anderen Sequenz spielt die komplette Saxophonfamilie (Sopranino, Sopran, Alt, Tenor, Bariton, Baß und Kontrabaß). Im Gegensatz zu Spartacus ist der Score milder und exotischer - er erzählt vom Drama abseits von Schlachtfeldern.

Wer hat Angst vor Virginia Woolf

North selbst hatte große Schwierigkeiten, sich dem Film musikalisch zu nähern. Nach der ersten Vorführung versuchte er gar den Regisseur Mike Nichols auf einen Score zu verzichten, da er so brillant und kompakt wäre, dass er kaum Musik nötig habe. Da dieser zum Glück anderer Auffassung war versuchte sich North über Jazz oder Zwölfton-Musik dem Thema zu nähern schlussendlich ist es ein sanfter Score geworden, bei dem die Streicher die Tristesse der Ehe vertonen gegen die einzelne Instrumente Harfe oder ein angejazztes Saxophon anspielen. Der Score bietet einen harten Kontrast zu den Streitereien, die auf dem Album eingeblendet werden.

2001 Odyssee im Weltraum

Eine traurige Berühmtheit erlangte North als er in den bisher wohl größten Filmmusikskandal verwickelt wurde. Kubrick engagierte ihn für einen Score für 2001: Odyssee im Weltraum. Während der Dreharbeiten arbeitete der Regisseur mit Temp Tracks von György Ligeti, Richard Strauss und Aram Chatschaturjan. Die Kombination von Bildern und Klang gefiel ihm so gut, dass er beschloss, auf einen Score zu verzichten. Leider vergaß er, North von seiner Entscheidung in Kenntnis zu setzten, so dass dieser im Kino überrascht wurde.

Das eigentlich tragische ist, das North die Begeisterung Kubricks für die Temp Tracks erkannt haben muss, so sind in seinem Original Score deutliche Anleihen von Also sprach Zarathustra zu hören.

Ausschnitt

Ehre der Pizzis

Eine der vielen Zusammenarbeiten mit John Huston. North baute die Partituren italienischer Opernarien in seinen Score ein, um die Komik der einzelnen Szenen zu unterstreichen. So erscheint der Score auch eher eine Zitatesammlung zu sein - trotzdem, ebenso wie der Film ein angenehmer Zeitvertreib.

Quellen:

Thomas, Tony: Filmmusik: Die großen Filmkomponisten - ihre Kunst und ihre Technik

Wikipediaeintrag Alex North

IMDB Eintrag Alex North
HR Online - Spiel mir das Lied vom Film Teil 3 Alex North

Dienstag, 12. Mai 2009

Pink Panther und Co.

Henry Mancini war einer der ersten, die in den 50ern die ausgetretenen Pfade der romantisch geprägten Film- und Fernsehscores verließen. Seine Leidenschaft für Jazz, insbesondere für Swing hatte ihn in den 40ern bereits ein Engagement in der berühmten Glenn Miller Band allerdings ohne Glenn Miller, der zu dieser Zeit bereits verschollen war eingebracht. Sein Score zu Im Zeichen des Bösen (1958) war die erste Filmmusik eines großen Films mit lateinamerikanisch gefärbtem Jazz.

Berühmte Scores mit Blake Edwards

In über 35 Jahren produzierten Edwards und Mancini zusammen ca. dreißig Filme.

Breakfast At Tiffany's

Playlist Score

Der Score mit den wohl bekanntesten Mancini Stücken. Eine Mischung aus Bossa Nova und leichtem Jazz.

Pink Panther

Diesmal fehlen die Latin Elemente. Ein sehr eingängiger Score dessen Titelstück wohl jeder kennen sollte:



Credits: Visionsla

Berühmte Scores mit Stanley Donen

Arabesque

Der Score verbindet Jazz mit orientalischen Elementen.



Credits: 45rpmSINGLES

Andere Scores

Hatari

Ein entspannter Easy-Listening-Jazz Score. Am bekanntesten dürfte der Baby Elephant Walk sein:



Credits: pinktkd

Henry Mancinis Website

Sonntag, 18. Januar 2009

Aaron Copland - der Komponist mit der Faszination für Filme

Aaron Copland war einer der wichtigsten Vertreter der amerikanischen Moderne. Dem Film wandte er sich in den 30er Jahren zu, als Hollywood an eine Reihe seriöser Komponisten mit der Bitte um Musik heran trat. Allerdings machte Copland bald die Erfahrung, dass die Studios oft Scores veränderten oder schnitten, ohne der Intention des Komponisten Beachtung zu schenken. Trotzdem schrieb Copland gerne Scores, da er von dem damals neuen Medium und den Möglichkeiten, die es im Gegensatz zur Bühnenmusik fasziniert war.

Copland schrieb jedoch nur wenige Scores. Nach seinem Oscar für Die Erbin 1949 wurde er jedoch nicht mehr gebucht. Als Gründe führt Thomas die räumliche und ideelle Entfernung zwischen L.A. und N.Y. und damit U- und E Musik an sowie den fehlenden kommerziellen Erfolg der Produktionen, die zwar stets von den Kritikern begeistert aufgenommen wurden, jedoch an den Kinokassen keine große Beachtungen fanden.

Verschiedene Teile seiner Scores fanden später Aufnahme in seine Suit Music for Movies.

Wichtige Scores



Of Mice And Men

Bereits für diese Steinbeck Adaption wurde Copland für den Oscar nominiert. Der Score ist auf verschiedenen einfachen, fast schon volkstümlichen Themen aufgebaut. Um der realistischen Verfilmung gerecht zu werden arbeitete er mit Dissonanzen und ungewöhnlichen Rhythmen.

Our Town

Eine nostalgische Rückschau auf die heile Welt vor der Bedrohung durch den sich ankündigenden Krieg stellt Our Town dar. Copland reagierte auf die Vorgaben mit einem bewusst unspektakulären Score, mit knappen sich oft wiederholenden musikalischen Floskeln, die variert werden. Rhythmische Akzente werden bewusst vermiden und statt dessen unterstreichen Streicher und Hörner das verträumte Klangbild

The Red Pony

Copland vertonte die Geschichte eines Jungen auf einer Ranch und seine Freundschaft zu einem Cowboy und seine Liebe zu einem Pferd. Der Film ist eher eine Charakterstudie mit wenig Handlung. Daher verwendete Copland erneut einfache Harmonien, volkstümlich, diatonische Meodien, jedoch keine direkten Zitate. Der Score hat einen naiven Charme, der das einfache Leben verdeutlichen soll. Die verschiedenen Themen wurden später zu einer Suite in sechs Sätzen zusammengefasst.

The Heiress

In diesem Score ordnet Copland jedem Charakter ein Leitmotiv zu, das analog zur Entwicklung sich wandelt. Der Film spielt in der Mitte des 19. Jahrhunderts, deshalb sind die Kompositionen im Stile der Salonmusik der damaligen Zeit gehalten. Seine Titelmusik für den Film wurde später von den Produzenten entfernt. Trotzdem erhielt er den Oscar für seinen Score.

Filmografie
  • The City
  • Of Mice And Men
  • Our Town
  • The North Star
  • The Cummington Story
  • The Red Pony
  • The Heiress
  • Something Wild
See and Hear Aaron Copland

Part 1



Credits: nedsparks

Part 2



Credits: nedsparks

Quellen:
Thomas, Tony: Filmmusik – Die großen Filmkomponisten – ihre Kunst und ihre Technik
Permoser, Martin: Aaron Coplands Werke im Detail. In: Glanz, Christian (Hrsg.): Zeit für … Aaron Copland
Wikipediaeintrag

Samstag, 17. Januar 2009

Into The Wild

Into the wild, die Verfilmung von John Krakauers berühmter Geschichte eines Aussteigers, der seine Ersparnisse spendet und ohne Geld nach Alaska trampt um in der Wildnis zu leben wurde 2007 von Sean Penn absolut sehenswert verfilmt.

Der Soundtrack vom Peal Jam Sänger Eddie Vedder ist nach Dead Man Walking und Am I Sam (bei denen Penn als Schauspieler mitwirkte) bereits die dritte und intensivste Zusammenarbeit der beiden.

Elf recht rohe Songs, meistens nur mit Akustischer Gitarre und Vocals aufgenommen, vertonen die Lust an der Einsamkeit und den Aufbruch zu sich selbst. Wie von selbst entstehen dabei Bilder von den Weiten der alaskanischen Wildnis und dem kleinen, erfüllenden Glück. Die Folksongs stammen bis auf zwei Ausnahmen aus der eigenen Feder: Hard Sun ist eine Coverversion (!) von Gordon Peterson (Indio) und Society eine Zusammenarbeit mit Jerry Hannan.

Tracklist

1. "Setting Forth" – 1:37
2. "No Ceiling" – 1:34
3. "Far Behind" – 2:15
4. "Rise" – 2:36
5. "Long Nights" – 2:31
6. "Tuolumne" – 1:00
7. "Hard Sun" (Indio) – 5:22
8. "Society" (Jerry Hannan) – 3:56
9. "The Wolf" – 1:32
10. "End of the Road" – 3:19
11. "Guaranteed" mit Hiddentrack: "Guaranteed" (Humming Vocal) – 7:22

Fast alle Titel könnt ihr hier anhören. Die Highlights für mich sind Guaranteed, Society und Rise.

Das Artwork ist übrigens ebenfalls ein Genuss. Über großformatige Filmbilder wurden die Texte mit Schreibmaschine gelegt. Allein dafür würde sich die LP Version lohnen. (Andererseits hat I-Tunes 3 Bonustracks, die mir nun leider fehlen).

Der Score von Michael Brook ist leider nicht veröffentlicht worden.



Credits: althaemenes

Dienstag, 30. Dezember 2008

Golden Globes

Am 11.01. findet mit den Golden Globes die wohl richtungsweisenste Preisverleihung vor den Oscars am 22.2 statt. Vielleicht auch dadurch, da die Frist für die Nominierungen kurz nach der Verleihung ausläuft - die Golden Globe Preisträger also noch frisch in Erinnerung sind.

Die meisten Filme laufen langsam auch in Deutschland an - daher ist eine halbwegs realistische Einschätzung auch erst zu den Oscars möglich. Interessant sind allerdings die musikalischen Kandidaten:

Best Original Score

Best Original Song



Peter Gabriel Down To Earth für Wall.e



Credits: mjallemand

Clint Eastwood Gran Torino für Gran Torino



Credits: jeremjoee

Miley Cyrus & John Travolta I Thought I Lost You für Bolt - Ein Hund für alle Fälle



Credits: blacktreemedia

Beyoncé Knowles Once In A Lifetime für Cadillac Records



Credits: FAME1980

Bruce Springsteen The Wrestler für The Wrestler



Credits: bruchee

Quelle: HFPA - Nomination of the Golden Globes

Dienstag, 25. November 2008

Andere wichtige Scores von Burwell

Nach Carter Burwells Zusammenarbeit mit den Coen Brüdern und Spike Jonzes beschäftigen wir uns heute im letzten Teil unserer Carter Burwell Reihe mit einem kleinen Teil seiner über 84 Scores.

Rob Roy



Rob Roy ist ein romantischer Abenteuerfilmscore. Er kombiniert keltische Traditionels mit seinen eigenen Themen. Erneut ein sehr trauriger, melancholischer Score, der allerdings auch Actionsequenzen enthält.

Overture



Credits: pok9er

Velvet Goldmine



Für Velvet Goldmine bestand seine Aufgabe hauptsächlich darin, geeignete Songs ausfindig zu machen und sie dann in die benötigte Reihenfolge zu bringen. Den restlichen Score spielte er nur mit Gitarrist David Torn ein.

Velvet Spacemine

Fletschers Visionen



Der Score zu Fletschers Visionen ist ein typischer Thillerscore - sprich, die Musik soll in erster Linie Spannung aufbauen. Mit jazzigen Elementen, die ein wenig an Barry erinnern, lockert er die einzelnen Themen auf.

Main Them



Credits: DakotaHarris84

Der Schakal



Bei dem Remake Der Schakal stellten sich schon bald jede Menge Probleme ein. Der Film war dem Studio nicht schnell genug.

I tried to inject some pace into the music, but when the music pushed faster it only made the film feel slower. In the end I felt I could more successfully score the "scale" of the conspiracy rather than its clockwork machinery, which seemed to be immune to any speeding up.

After the score was complete Michael came under great pressure from the studio to make the film "faster-paced", an understandable desire for an international espionage thriller. They may have shot some more footage, but after months of editing there was little left to mess with than the music. He ended up bringing on a record producer names Danny Saber to "remix" my score. Michael politely asked if I wanted to be included in this process, but my one day of sitting in on Danny's sessions was too dispiriting to repeat. He was overdubbing electric guitar power chords over David Torn's much more interesting guitar work. In the end all I could do was listen to Danny's results and list a few pieces that I thought were frankly embarassing in that hope that Michael would not use them. In the end they were all in the film.
(Quelle)

Den Original Score findet ihr hier

Twilight



Für Stephenie Meyers Twilight – Bis(s) zum Morgengrauen steuerte Burwell neben dem Score hauptsächlich einen Song bei, der sowohl auf Score als auch Soundtrack zu finden ist. Bella's Lullaby ist jedoch kein klassisches Wiegenlied:

Bella's Lullaby," as it appears in this film, was not written to be a lullaby but to speak of love - ecstatic, tormented love. Here's that story.

Years ago I was in love with an amazing and challenging woman named Christine Sciulli. She left me, I was heartbroken, and I wrote a piece of music that tried to express the thrill and pain of having my heart pierced. She wouldn't speak to me, so I sent her the music to speak in my place.
(Quelle)

Bella’s Lullaby



Credits: 1ErecEdwardfan


Die Website von Carter Burwell ist übrigens eine wahre Fundgrube von Anekdoten, Hörbeispielen und anderen interessanten Infos.

Sonntag, 23. November 2008

Burwell und Spike Jonze

Neben Cater Burwells Arbeiten mit den Coen Brüdern ist er ein begehrter Komponist für ungewöhnliche Filme im Indiependentbereich. So zeigte er sich für die Musik beider Filme von Spike Jonze verantwortlich:


Being John Malkovich



Der Score zu Being John Malkovich besteht hauptsächlich aus getragenen Moll-Tönen, die von Streichern und dem Klavier gekonnt in Szene gesetzt werden. Doch wie passt dies zu einer Kommödie? Burwell setzt auf Kontraste, um dann am Ende, als Craig Schwartz allein und einsam zurück bleibt, wie ein dunkles Omen Sinn zu ergeben.

Craig's Overture



Credits: vihaio

Auf dem Soundtrack ist übrigens ein Titel, in dem Burwell den lachenden Orchestermusikern eine Szene des Filmes erklärt. Er und der Malkovich Masterpiece Remix, indem Filmzitate zusammen geschnitten wurden geben vielleicht am Besten die Stimmung des verrückten Filmes wieder.

Puppet Love



Credits: Vchan

Adaption



Der Nachfolger Adaption ist ebenfalls ein dramatischer Score. Die Zerrissenheit des Drehbuchautoren wird durch ein Herauszögern der Auflösung des romantischen Streicherthemas symbolisiert.

Ausschnitte könnt ihr euch hier anhören.


Die Website von Carter Burwell ist übrigens eine wahre Fundgrube von Anekdoten, Hörbeispielen und anderen interessanten Infos.

Samstag, 22. November 2008

Burwell und die Coen Brüdern

Carter Burwell schreibt seit ihrem – und seinem – Filmdebüt Blood Simple nahezu zu jedem Film der Coen Brüder den Score. Burwell hebt besonders das gegenseitige Vertrauen in die Arbeit der anderen heraus

They know I’ll finish and get my job done, and they’ll give me the time to try out different things. And I don’t worry that they’ll overreact if I play them something radical. (Quelle)

Seine Scores für sie sind so auch oft experimenteller und enthalten Gitarren-lastige Rock- und Folkthemen oder sehr elektronische Musik.

Blood Simple



Burwells erstem Score merkt man das niedrige Budget durchaus an. Er wird dominiert von einem einfachen aber sehr eingängigen Piano Thema. Ansonsten ist er eher experimentell (für 1984) elektronisch. Der Track Monkey Chant wurde vom balischen Ramayana Monkey Chant aus Kecak inspiriert.

The Strangers Theme



Credits: MultusTempestas

Fargo



Fargo ist ein klassischer Orchesterscore. Burwell verwendet skandinavische Folkloreelemente. Er beleuchtet die epischen, mit Blaufilter gefilmten Landschaftsaufnahmen mit einem düsteren, atmosphärischen, ja fast depressiv schönem Score.

North Dakota



Credits: catiski

Big Lebowski



Bei the Big Lebowski sollten Soundtrack und Score von der Musik beeinflusst werden, die die Hauptfigur in seinem Kopf hört:

To maintain the conceit that all the music comes from The Dude's mind, the score also sticks to the song form. In the case of "Dick On A Case", The Dude sees himself as a private dick and the music is jazz. As The Dude follows Jon Polito, an actual detective, into his car the music shifts from score to source music emanating from his car radio.

The story also involves a band of nihilist Germans, and in their final scene their music is playing on a boombox. For this I wrote "Wie Glauben" ("We Believe" in German) a techopop tune.
(Quelle)

Der Score wirkt wie ein Mixtape mit sehr unterschiedlichen Genres.

Wir glauben



Credits: hs88michel

O Brother, Where Art Thou?



Bei O Brother, Where Art Thou? war Burwell nur für den additionel Score zuständig. Für die Reise durch die Südstaaten wurde als Soundtrack Blues, Bluegrass und Hillbilly ausgewählt und alte Traditionals nachgespielt. Die wenigen Scoreelemente sind so in die Musik eingepasst, dass sie im Film nicht herausstechen.

No Country For Old Men



Bei No Country For Old Men arbeiten die Coen Brüder mit minutenlanger Stille. An anderen Stellen werden lediglich metallische Glocken und Klangschalen eingesetzt. Dadurch wirken die Bilder realer und bedrohlicher, Illusionen werden zerstört. Der eigentliche Score ist lediglich 16 Minuten lang.

Burwell selbst schlug den Coens vor entweder mit einem Percussion-Score oder lediglich mit den Klängen der verwendeten Gegenstände zu arbeiten. Seine Ideen des Percussion-Scores griff er später bei Burn After Reading wieder auf.

Als Ausgleich schuf er für die Credits ein besonderes Klangerlebnis:

The end titles of the film raised an interesting question: the entire film takes place without songs or identifiable score, so what could play over five minutes of end titles that wouldn't be pretentiously self-conscious (like silence or wind) or intrusive (like a pop song)? I ended up writing a tune that features the only acoustic instruments in the score, but they take quite a while to appear. The first sounds are percussion masquerading as sound effects. The next sounds are the sustained tones which are featured in the rest of the score. Only after two minutes of this do truly familiar instruments arrive - guitar and bass - which then play to the end along with the percussion. Hopefully this somehow works with the rest of the film, at least for the few people who sit through end titles.(Quelle)

Burn After Reading



Burn after Reading ist ein Kommödie über dumme Menschen, die eine Reihe von Fehler machen. Burwell greift die Elemente auf, indem er - wie die Figuren - Musik geschrieben hat, die sich selbst ernster nimmt, als die Szenen auf dem Bildschirm. Der Score besteht aus schöner Streichmusik mit jazzigen Elementen. Spaßeshalber werden Elemente aus Fargo wieder aufgegriffen, wenn Frances McDormand auftritt (wenn man ihre Rollen vergleicht ist das ausgesprochen komisch).

Linda looks for love



Credits: carSteRod

Hört man den Score ohne den Film zu kennen geht man automatisch von einem Spionagethriller aus.

Burwell geht - für ihn sehr ungewöhnlich - von den einzelnen Charakteren und nicht so sehr von Handlungssträngen oder -orten aus. Außerdem greift er auf seine Percussionsidee aus No Country For Old Men auf, um Spannung zu erzeugen.

"Burn After Reading" purports to be an espionage thriller - certainly the characters in the film believe it to be one - but is also a sex comedy of errors. Or if one feels less generous, of stupidity. To balance these genres I felt early on that the music cannot afford to say too much about what exactly is going on. In fact my first thought was that, in an effort to avoid any emotional comment at all, the score shiould be mostly percussion. Somewhat surprisingly that turned out to be true.

The attraction of percussion was that it could lend an air of sobriety, gravity, and bombast to the general silliness. It could seem important without saying why it was important. Meaningful without any specific meaning. An inspiration was Jerry Goldsmith's largely-percussion score to "Seven Days in May".

There are other elements to "Burn After Reading" - Linda Litzke's search for love for instance - and the music plays these elements with a fair amount of melodrama. I can't say exactly why this seemed right - it was more or less the result of trying lots of different approaches and eliminating them.
(Quelle)

How Is This Possible



Credits: carSteRod

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Carter Burwell

Den meisten dürfte Carter Burwell als Haus- und Hofkomponist der Coen Brüder (Joel & Ethan) ein Begriff sein. Burwell studierte usprünglich Architektur in Harvard. Er erkannte jedoch schon früh seine Liebe zur Musik und spielte in diversen Bands und Projekten. Die bekannteste dürfte Thick Pigeon mit Stanton Miranda sein, mit der er zwei Alben in den 80ern veröffentlichte.

Thick Pigeon: Fred + Andy



Credits: StantonMiranda

Zur Filmmmusik kam Burwell eher zufällig. Sein Freund Skip Lievsay, ein Toningenieur, fragte ihn, ob er nicht Lust habe, den Score eines Filmes zu schreiben. Er traf sich also mit den Coen Brüdern – um deren Debütfilm Blood Simple es sich handelte – und sah seinen ersten Rohschnitt. Burwell erinnert sich:

That day I started working on a few musical ideas, "on spec" as they say, to show how I'd approach the film. I was director of the Digital Sound department at the New York Institute of Technology and I used their Synclavier along with my piano at home and some basic tape techniques to develop a handful of sketches which I brought back to the Coens a few days later. We listened through. They liked the repetitive hypnotic melodies, some of which used manipulations of industrial sounds or field recordings of chain gangs played backwards. They left me with "don't call us we'll call you" and I left […]. ( Quelle)

Irgendwann riefen die Brüder zurück (natürlich nicht ohne noch eine Reihe anderer unbekannter und dadurch kostengünstiger Komponisten zu kontaktieren). Blood Simple wurde für beide Seiten der Durchbruch. Seitdem schreibt Burwell für nahezu jeden Coen Film (Ausnahme ein paar Fernsehproduktionen) den Score.

Stil



Carter Burwell ist für seine Vorliebe von einfachen Melodien oder Themen bekannt. Raffiniert setzt er durch ungewöhliche Instrumentierung Akzente. Stilistisch lässt sich Burwell nicht zuordnen, da er Scores für alle Genres schreibt. In seiner Musik verarbeitet Burnell Elemente aus Jazz, Heavy Metal und Rock, schreibt jedoch auch traditionelle orchestrale Scores. Stets ist jedoch der Bezug zum Film sehr wichtig, da die Themen selten eine eigene Geschichte erzählen, wie z.B. bei Danny Elfman.

Greatest Hits



Credits: benydebney

Wichtige Scores



Die Zusammenarbeit mit den Coen Brüdern

Die Zusammenarbeit mit Spike Jonze

Andere wichtige Scores von Burwell

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