Bücher

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Vier Äpfel

Ein Mann kauft ein. Obst, Honig, Aufschnitt, Wachmittel ... zu allen Produkten fallen ihm Anekdoten, die er erlebt, gelesen oder gesehen hat ein. Assoziativ verknüpft 1000 Gedanken seines Protagonisten, der seine Zeit im Supermarkt tot schlägt, um nicht nach Hause zu müssen. Ein großes Kind, das sich von jedem Geruch, jedem Eindruck ablenken lässt. Konsumverhalten als Lebenssinn in einer Welt, die die da draußen zwar abbildet, ihre Geschöpfe aber dennoch vor zu menschlicher Nähe schützt.

Vier Äpfel, Cover via Amazon

Wir erfahren in diesem ereignislosen Roman viel über den Protagonisten, seine Sicht der Welt, seine verflossene Beziehung, seine Bindungsängste, seine Kindheit ... wir bewundern den Stil, die Verknüpfungen und irgendwann, so ab Seite 100 beginnen wir auf das Ende hin zu schielen. Allerdings dauert es noch knapp 50 Seiten, bis der Protagonist endlich der Frau mit dem Sommerkleid, unter dem sich der BH, aber kaum der Slip, pardon die Unterhose, denn Slip sagt die verflossene L. ja nicht, zeigt, zur Kasse folgt. Die hat zwar nicht den idealen Inhalt des Einkaufswaren, aber wir sind doch sehr froh, als alle die entscheidende Unterschrift unter den Kassenbon gesetzt haben - schließlich hätte Wagner seinen Helden ja auch für ein Großfamilie einkaufen lassen können, das hätte noch ein paar Schleifen durch den Supermarkt und bestimmt 300 Seiten mehr bedeutet. So verlassen wir den geschriebenen Kunstfilm, der uns einmal mehr, wenn auch streckenweise unterhaltsamer, die Nichtigkeit des Seins und die Kritik an mexikanischem Honig mit schweizer Alpenbild vor Augen geführt hat, und lassen Wagners Protagonisten mit dem Wissen anheim, etwas für den Literaturkritiker in uns und zur Beweihräucherung unserer Künstlerseele getan zu haben. Denn nun, habe ich für mein Teil einfach nur Lust auf einen völlig unliterarischen Krimi.

Wagner, David
Vier Äpfel
Rowohlt Verlag
158 S.
ISBN 3498073680
17,90

Montag, 26. Oktober 2009

Atemschaukel

Sie kommen mitten in der Nacht und holen ihn ab. In verplombten Wagons werden sie nach Russland gefahren: Er und alle anderen rumänischen Deutschen zwischen 17 und 45 - Rumäniens Buße für den Faschismus.

Die Erinnerungen des Lyrikers Oskar Pastior an seine fünfjährige Ehe mit dem Hungerengel, die in Zeit seines Lebens begleiten werden, bilden die Grundlage für Herta Müllers Roman Atemschaukel. Eigentlich sollte es ein gemeinsamer Text werden - Pastiors Tod 2006 verhindert es.

Müller nähert sich dem Grauen des Lagerlebens mit den vier Säulen Hunger, Kälte, Schwerstarbeit und Willkür voller Poesie. Sie um fließt das kollektive Grauen wie ein Schutzschild und billigt dem Einzelnen Reste von Individualität und Würde zu. So ordnet der Protagonist Leo Lagerbereichen Gerüche zu, die er allein isst, denn im Hunger ist jeder für sich allein. Und so zeugen alle Zeilen von der unglaublichen Einsamkeit in der Masse, die für nichts, außer Hunger und Heimweh noch Gedanken übrig hat. Müller selbst will keine harten Fakten beschreiben, keine Auswege aufzeigen, es geht ihr um eine Geschichte, eine Herangehensweise ans Überleben, das Möglicherweise auch nur für einen Funktionieren kann. Die Hommage an ihren Freund ist gelungen. Nicht zuletzt seine Sprache meint man aus vielen Metaphern heraus zu lesen. Das der begnadete Dichter innerlich verstummt und die mitgebrachten Lyriksammlungen ungelesen als Zigarettenpapier für Zucker und Salz eintauscht offenbart die Realität deutlich. So bröckelt der poetische Schutzschild immer wieder. Die feinen Risse der Todesangst, der Heimatangst, der Angst des Ersetztwerdens durch den kleinen Bruder, selbst ein Lagerkind, die Angst vor der Entlarvung der Homosexualität, die den eigenen Körper, längst durch den Hunger zum Neutrum geschrumpft, zur tödlichen Gefahr macht - sie alle verblassen zwar vorm allgegenwärtigem Hunger und der Kälte, aber sie lassen Bilder des Grauens im Leser entstehen, der oft für die Poesie dankbar ist, da sie ihm eine Fluchtmöglichkeit offen lässt.

Müllers Sprache ist so reich an Metaphern, das sie an manchen Stellen schon fast überfordert. Ihr Fazit ist ernüchternd, es gibt keinen Ausweg im Leben, Fliehende werden gefasst, selbst der Tod verweigert die transzendente Erlösung. Damit geht Müller einen Schritt weiter, als bei ihrem letzten Roman Herztier - in der Diktatur ist der Tod ein Ausweg, den das Lager verweigert.

Ein beeindruckendes Buch, für Menschen, die Poesie zu schätzen wissen.

Müller, Herta
Atemschaukel
Hanser
ISBN 9783446233911
19,90 €

Freitag, 23. Oktober 2009

Wie wir verschwinden

Zwei Jungen träumen: Sie wollen sich aus der Enge ihres Provinzdorfes in den 60ern befreien und reparieren in jahrelanger Kleinarbeit eine Draisine. Am Tag des Ereignisses zerbricht die Freundschaft: Maurice spannt Raymond die Freundin aus. Der Unfall (und Tod) des berühmten Schriftstellers Camus, dessen Zeuge sie werden, verschwimmt in dem traumatischen Ereignissen.

Wie wir verschwinden Cover

Mirko Bonné erzählt seine Geschichte von Rivalität, Verrat und Freundschaft, Trauer und Schuld. Maurice, todkrank, versucht mit seinem alten Jugendfreund Kontakt aufzunehmen. Der erfährt erst dadurch von dem späteren erneuten Verrat (Maurice schrieb seiner Frau und widmete ihr alle Bücher). Gleichzeitig entfalltet sich ein vielschichtiges Familiendrama.

Wie wir verschwinden fängt ausgesprochen behäbig an. Die erste Hälfte plätschert vor sich hin. Es passiert wenig, was an sich nicht schlimm wäre, aber das es dem Leser so auffällt, ist ein Zeichen von Schwäche. In der zweiten Hälfte, ja im letzten Drittel nimmt er dann furios an Tempo auf. Die Sprache verdichtet sich, Handlung und Stil ziehen gleich.

Das Leben, aus dem sich Raymond eigentlich schon lange vor seinem ersten Herzinfakt verabschiedet hat holt ihn nun ein. Auch wenn die Liebesgeschichte mit seiner Nachbarin ein wenig zu viel des Guten ist, ist das Happy End nicht überzogen. Die Versöhnung anhand des Todes ist frei von Klischees meisterhaft geschildert.

Ein Buch für Langstreckenläufer, wer die erste oft fade Hälfte überstanden hat, wird belohnt. Für den Buchpreis etwas wenig, trotz der Mystik des Camus-Unfalls.


Bonné, Mirko
Wie wir verschwinden
Schöffling & Co
ISBN 978-3895614033
19,90 €

Dienstag, 20. Oktober 2009

Die Stille

Reinhard Jirgls Stille ist laut. Sein Schreibstil löst Bedeutung und Wort auseinander, legt Konnotationen frei, deren im Raum schweben wir im Laufe der Zeit längst vergessen haben. Seine Sätze gewinnen, laut ausgesprochen, neuen Sinn. Neben der Lautmalerei gehört auch der Textkörper zum Gesamtkunstwerk, den Jirgl moduliert indem er typographisch spielt.

Cover Stille

In Stille erzählt er anhand von 100 (nicht abgebildeten aber beschriebenen) Fotos die Geschichte zweier Familien. Seine Hauptfigur ist ein alter, zynischer, beziehungsunfähiger Mann, der das gescheiterte Verhältnis zu seinem Sohn hinterfragt, der, kurz vorm Auswandern den Familienhund noch mal zu sehen wünscht. Familiengeschichte, Inzest, Schuld, Krieg, politische Umwälzungen, fast lapidar werden Ereignisse in den Strudel der Betrachtungen geworfen und entziehen sich wieder. Ein suspektes und verschrobenes Kaleidoskop ohne Identifikationsfiguren.

Dokumente, wie Stammbäume, Soldbücher, Urkunden ergänzen das Bild, das sich dem Leser nur widerwillig erschließt. Der Lesefluss entsteht nur mühsam, ja, es dauerte immer mindestens 20 Seiten, bis ich in der Geschichte ankam, nur um mich ihr wieder zu entreißen - immerhin ist die Handlungsebene nur ein kleiner Teil des Gesamtkunstwerks.

Leseprobe:

Wobei von Beginn zu reden falsch wäre - du hattest längst von dir begonnen, Henriette; auch du wurdest begonnen, denn niemand hat Dabei die Freiwahl, am letzten du=selbst. So wurdest du begonnen, wie sämtliche unserer Vorfahren begonnen wurden von jener unbefragt laufenden Maschinerie-des-Fleisches, die nur dann auf sich & ihr Wirken aufmerksam macht, sobald ebendies Wirken kein Resultat bringt & der Kinderwunsch 1 Wunsch bleibt. Dann ergreifen Ver-Störung, Trauer, Ratlosigkeit die Fleische's Besitzer. Aber sie machen weiter, mit jener Versessenheit, die 1 Wahrheit nicht wahrhaben will. Weitermachen -=was ?sonst- : und wenn schließlich aufs Weitermachen !endlich 1 Resultat erfolgt, dann stehen die Macher da: in 1 Landschaft wie jener auf diesem 1 Photo, Landschaft der wintermüden Bäume&sträucher, 3 Halmafiguren im steifen Panzer gegen den äußeren Frost. 1 Spiel zwar gewonnen, doch glücklos. Weil sie zumindest ahnen: Das ist Es nicht -.- Ja, doch ich Damals, als du mir dieses Photo zeigtest, dir nicht sagen, was ich dir erst Heute sagen könnte wärst du hier (er, mein "Sohn", hat ja recht: Die Familie=Macke, der Webfehler im genealogischen Stoff): Zu Fehlern & Macken gehören auch die zu spät ins Eheleben gekommenen Kinder - solche wie du, Henriette, im vierzehnten Ehejahr geboren, zu spät um genau Diesejahre im hoffnungsvoll=kleinbürgerlichen Gehege, Mathildenburg Krämerladen Haus&garten, für 1 Kind überall Nischen Ecken Verstecke im Zwielicht, um von-dort heraus zu lauschen & und zu linsen mit dem gespannten & schon zu Frühenjahren verwöhnten Kleinmädchenblick, der glatten Ponyfrisur, - denn es liegt ein stockiger Geruch des peinlichen Verschämten u des Unziemlichen über solchen Ehen mit zu späten Kindern, als wären sie die Folge entweder einer Turnübung (die Frau nach dem Erguß Unterleib & Beine hoch drinbliebe & anschlage was der Herr gesäet) od schlichtweg Fazit eins Verkehrs-Unphalls mit Kindsfolge : dein Gesicht, Henriette, von-jeher ins Mienenspiel des Frühwissens getaucht, jenes zeitlos machende Aussehen zu alt geborener Kinder, die entweder immer- jung od niemals-jung-gewesen aussehen, etwas Ausderzeigerutschtes, das in seiner eitlen Verwöhntheit in keinem Verhältnis steht zum wirklichen Alter [...] (S. 241f)

Der Protagonist erlebt den Fluch die Geschichte der Väter zu wiederholen und erneut einen Sohn zu zeugen und ins Unglück zu stürzen und so nicht nur die Familiengeschichte sondern auch die wechselnde Verstaatlichung der verschiedenen Systeme, sei es NS oder DDR, in endlosen Zyklen wieder zu erleben. Und so nimmt eine blutige Geschichte ihren Lauf.

Jirgls Roman ist ein Ungetüm, oft zäh, an manchen Stellen erstaunlich, insgesamt sperrig. Wer ihn bezwungen hat, empfindet einen gewissen Stolz, in mir erschleicht sich der Verdacht, dass dies ein Grund für die vielen positiven Rezensionen ist. Über Stille lässt sich ungleich leichter reden, als ihn zu lesen. Ich für mein Teil halte ihn für überschätzt. Den beharrlich Neugierigen sei er dennoch, gewissermaßen als Überprüfung der eigenen Intellektualität, ans Herz gelegt.

Jirgl, Reinhard
Die Stille
Hanser
978-3446232662
24,95

Freitag, 16. Oktober 2009

R.I.P.

Stuart M. Kaminsky ist am 09.10. verstorben. Vielen wird seine Serie um den jüdischen Chicagoer Cop Abe Lieberman ein Begriff sein.

Stuart M. Kaminsky

Er schrieb allerdings auch zahlreiche Biografien und Drehbücher für Fernsehen (CSI N.Y.) und Film.



Credits: Buzzati

Die Stunde der Zeichen

Die Stunde der Zeichen von Jamal Mahjoub schildert die Zeit des Mahdi-Aufstands im Sudan zur Wende des 19. Jahrhunderts aus der Sicht verschiedener Protagonisten. Muhammad Achmad ibn as-Sayyid Abdallahs Aufstand gegen die britisch-ägyptische Besetzung war der erste erfolgreiche einer afrikanischen Bevölkerung gegen die Kolonialherren. Er gründete das islamische Kalifat Omdurman, das fünfzehn Jahre existierte.

Cover, Stunde der Zeichen

Mahjoub erzählt seine Geschichte aus der Sicht verschiedener Protagonisten, wie dem gebildeten Dschihadist Hawi, dem britischen Offizier Ellesworth oder den einfachen Pferdejungen Kadaro. Sie alle scheitern daran, ihre eigenen Vorstellungen auf eine andere Welt übertragen zu wollen. Von sprichwörtlicher und tatsächlicher Blindheit geschlagen verraten sie die eigenen Ideale. So treten die Befreiungskämpfer selber als Usupatoren auf, erobern und islamisieren große Gebiete und versklaven die Bevölkerung. Der Verfall des Gottesstaates zur Terrorherrschaft einer Militärdiktatur wird eindringlich geschildert.

In mythischen Episoden aus unterschiedlichen Perspektiven verflechten sich nach und nach zu einem epochalen Roman über einen charismatischen Mann, dem es gelungen ist, die Sehnsucht seines zerrissenen Volkes zu einen. Der Mahdi selbst tritt dabei fast nur im Hintergrund auf.

Ein spannender Abenteuerroman über politische Wirren, Fundamentalismus, Fanatismus, Kolonialismus und eine Zeit, die jeden Europäer mit Scham erfüllen sollte.

Mahjoub, Jamal
Die Stunde der Zeichen
365 S.
3940111538
19,95 €

Montag, 12. Oktober 2009

Deutscher Buchpreis: Der Sieger

Kathrin Schmidt hat für ihren Roman Du stirbst nicht den Deutschen Buchpreis erhalten.

Cover Du stirbst nicht

Begründung

Freitag, 9. Oktober 2009

Stadt der Diebe

Leningrad 1942: Zwei junge Männer (16, 19) finden sich vor einem Oberst wieder. Sie haben beide ihr Leben verwirkt. Der eine hat einen toten Fallschirmspringer nach Lebensmitteln durchsucht - ein Plünderer. Der andere hat sich unerlaubt von seiner Einheit entfernt, um ein Schäferstündchen zu haben - ein Deserteur. Nun erhalten sie die einmalige Chance, zu überleben. Für die Hochzeit seiner Tochter braucht der Oberst innerhalb einer Woche zwölf Eier. Bringen sie die, sind sie frei und erhalten ihre Lebensmittelkarten zurück.

Stadt der Diebe

Es beginnt eine Odyssee, die die beiden ungleichen Männer aneinander schweißt. Der jüdische Träumer Lew und der Frauenhelden Kolja durchforsten das ausgebombte und belagerte Leningrad, das von Kannibalismus und Misstrauen geprägt ist. Sie wagen sich zwischen die deutschen Linien, geraten in Gefangenschaft,...

David Benioff merkt man seine Erfahrung als Drehbuchautor deutlich an. Seine Szenen sind unglaublich plastisch. Die Running Gags, wie der berühmte Roman Der Hofhund, über den Kolja angeblich eine Dissertation verfassen will, bei dem es sich jedoch um den eigenen, imaginären Roman handelt, sind gut gesetzt. Die Balance zwischen Pubertät und dem Horror des Kriegsalltag ist genau aus tariert.

Ein spannender Abenteuerroman der, trotz voraussehbarem Happyend, immer lesenswert ist.

David Benioff
Stadt der Diebe
Karl Blessing Verlag
ISBN 978-3896673947
19,95

Donnerstag, 8. Oktober 2009

Krimi Klischees oder warum es hart ist, ein Detektiv zu sein...

Jedes Genre hat seine eigenen Regeln. Kaum eines wartet mit so vielen Klischees auf, wie der Kriminalroman. Als Detektiv / Polizist / Profiler oder sonstiger Good Boy kämpft eigentlich fast jeder mit einem der folgenden Probleme:

Dein engster Freund ist entweder tot oder ein Killer

In dem Bekanntenkreis eines Ermittlers tummeln sich eine große Zahl potentieller Opfer oder Killer - kein Wunder. Eigentlich ist unser Held ein lonesome Cowboy, wegen seiner großen Erfolge und seines spröden Charmes hat er aber eine kleine Zahl von Getreuen um sich, die entweder zur Zielscheibe (Cornwell, Nesser) werden, um den Helden, härter zu treffen, als jeder Angriff auf ihn selbst ihn mitgenommen hätte, oder die sich als Psychopathen (J. Hoffman) entpuppen.

Die Liebe

Auch wenn wir vom spröden Charme und überduchschnittlichen Aussehen unseres Detektivs fasziniert sind - das andere Geschlecht ist von seinen Arbeitszeiten und Mund- Formaldehydgeruch eher abgeschreckt. Unser Ermittler ist vor Allem ein einsamer Wolf, da er a) von seiner großen Liebe verlassen (z.B. Harry Hole von Nesbo, Laurenti von Heinichen) b) dem seine große Liebe umgebracht oder durch Krankheit verloren hat (Lynley von George) c) von der Welt vollkommen missverstanden wurde. In jedem Roman findet er jedoch ein Love Interest, mit dem es jedoch spätestens im nächsten Buch wieder aus ist - eine langweilig glückliche Ehe ist halt unromantisch.

Der Gegner

Ist ein fast übermenschlich intelligenter Psychopath, seit seiner Kindheit gestört, aber völlig unauffällig, obwohl er heimlich Tiere quälte, der gerne in Serie tötet, am Liebsten aber Ermittler, vor Allem, wenn es Frauen sind, die zu diesem Zeitpunkt immer allein zu Hause sind, da ja der Geliebte nicht dort wohnt (s. einsame Wölfin). Er stellt eine geschickte Falle, in die unser Detektiv gerne tappt, in der er auch ein wenig leiden muss, der er jedoch stets mit leichten Blessuren und - dank dem Rededrang des Mörders - vielen Erkenntnissen entfliehen kann (Cornwell, Reichs, Hoffman).

Die Familie

Beherbergt meist die interessanteren Charaktere, Intelligenz, Charme und Zähigkeit sowie das Herz am rechten Fleck hat ja schon unser Ermittler mitbekommen. Da der meist schon so gut ist, dass man es kaum aushält, hat die Familie ein paar schwarze Schafe interessantere Mitglieder zu bieten:
a) die Außenseiterin, zu intelligent, mit nützlichen Fähigkeiten (sollten es Computerkenntnisse sein spart man den nützlichen Nerd, der sonst fast immer drauf geht), aber nicht angepasst und durch Aussehen oder sexuelle Orientierung als Opfer prädestiniert (z.B. Lucy bei Cornwell)
b) das Gegenteil des Ermittlers, kriminell oder kurz davor, bietet sich stets als Falleinstieg an (Nesser).

Die Kollegen

Die Kollegen sind immer auf die Hilfe unseres Ermittlers angewiesen, so finden sich Beweise erst in seinem Beisein und die deutlichsten Spuren werden übersehen. Leider erkennen nur wenige, wie unersetzlich, unser Protagonist ist am Wenigsten seine

Vorgesetzten

Ein Chef ist erst dann ein richtiger Vorgesetzter, wenn er einem Knüppel in den Weg wirft. Ein guter Ermittler muss halt der richtigen Sache wegen auch mal das Gesetz beugen. Der Chef schützt außerdem die Mächtigen, da diese politische Beziehungen haben und seine Karriere stützen (Leon, Nesbo, Mankell). Mindestens aber gibt er eine Galgenfrist oder zieht wegen der schleppenden Ermittlungsarbeit Personal ab (French, Mankell), so dass unser Held mehr oder weniger auf sich und vielleicht noch seinen Partner gestellt ist. Möglicherweise wird er selbst des Mordes verdächtigt (Cornwell, Connelly) und kämpft gegen die Tücken der eigenen Kollegen, die das Netz immer dichter ziehen. Im schlimmsten Fall wird er kurz vor der Lösung suspendiert (Eschbach, Dahl), so dass er sich allein dem Täter stellen muss.

Die Verschwörung

Überall auf der Welt gibt es Geheimgesellschaften, die entweder für die Kirche (Brown), Machtzuwachs oder just for fun töten. Da ich solche Krimis aber aus tiefstem Herzen verabscheue, finde ich die wirklichen Motive meistens nicht mehr heraus

Was ist Euer Lieblings- oder Euer Hass-Klischee?

Mittwoch, 7. Oktober 2009

Du stirbst nicht

Kathrin Schmidt erzählt in diesem, zum größten Teil autobiografischen Roman das Leben der 44 jährigen Schriftstellerin Helene Wesendahl nach einer Gehirnblutung. Sprache, Gedächtnis und Motorik beraubt erobert sie sich in kleinen Schritten einen Teil ihres Lebens zurück. Dabei ordnet sich ihre Familie neu: Die Kinder, die zum größten Teil selbstständig sind, kehren zurück, die krieselnde Ehe wird belebt. Gerade das Verhältnis zum Ehemann, das zuvor abgekühlt war - die beiden planten mehr oder weniger real die Trennung - verändert sich, da dieser auf einmal gebraucht und seine Hilfe angenommen wird.

Du stirbst nicht

Kahtrin Schmidts Leistung ist der Verzicht auf Kitsch und Betroffenheit. Ihre Geschichte vermittelt, distanziert aus der dritten Person, wenn auch eindeutig aus der Sicht von Helene, eine Mischung aus Wut und Glück über kleine Fortschritte, das eigene Unvermögen und die Reaktionen der Umgebung. Oft schleicht sich leichte Komik ein.

Nicht immer gelungen sind die langen Rückblicke, in denen sich Helene das alte Leben langsam zurück erobert. Sie rollt die Liebesgeschichte, die zur Ehe wird, samt Affären von beiden nach und nach auf. Die Zerrissenheit der Protagonisten wird zwar gut dargestellt, die Symbolik wirkt allerdings ein wenig zu bemüht, das Erlebte zu stark gerafft und fällt zu den stilistisch hervorragenden Passagen, die die Auseinandersetzung mit der Krankheit schildern, merklich ab.

Kathrin Schmidt
Du stirbst nicht
Kiepenheuer & Witsch
ISBN 978-3462040982
19,95 €
logo

Der Wahnsinn hat einen Namen

... meinen

Aktuelle Beiträge

Toyboy (Spread)
Elementare Fragen beim Blick auf die ersten 15 Minuten...
derwahnsinnhateinennamen - 5. Nov, 14:25
Depeche Mode in Hannover
Der O-Ton in der Bahn war ziemlich eindeutig - die...
derwahnsinnhateinennamen - 4. Nov, 18:02
Love it or hate it Fanfiction...
An Fanfiction scheiden sich ja bekanntlich die Geister....
derwahnsinnhateinennamen - 3. Nov, 13:01
Harry Potter Fanfiction:...
Hermine und Harry, Ron und Harry und alle mit Draco...
derwahnsinnhateinennamen - 3. Nov, 13:00
Read this: Pokerface...
Einfach göttlich: via hurkunde
derwahnsinnhateinennamen - 1. Nov, 22:27

Suche

 

Status

Online seit 950 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 7. Nov, 16:16

Web Counter-Modul


Bücher
Cds
Cover(ed)
Filme
Filmmusik
Harry Potter
Identitätskrisen
Kopfodyssee
Leben, Arbeit und ich
Music
Serien
Unplugged
verschlumpfte Filme
Wahnsinniges
Written
You ll never walk alone
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren