Das Grab ist erst der Anfang
Eine kleine Warnung am Anfang: Dieser Artikel enthält massive Spoiler.

Kathy Reichs Romane sind immer eine Überraschung: Mal im positiven, mal im negativen Sinne. Billigt sie ihrer Hauptfigur Temperance Brennan Leistungen auf konstant hohem Niveau zu, schwanken ihre Romane zwischen gutem Durchschnitt und hervorragenden Krimis. Das Grab ist erst der Anfang ist leider kein Höhenflug. Erschreckend ist, dass eine Stärke des Vorgängers, die exzellente Weiterentwicklung der Hauptfigur, vollkommen einer Mission zum Opfer fällt: Der Leistungsstandard der forensischen Anthropologie in Amerika kann nur durch Prüfung und Aufnahme in Fachverbänden gesichert werden. Ich denke auch, dass Reichs mit diesem Statement recht hat. Der Alltag in einem forensischen Labor hat mit CSI ungefähr soviel zu tun, Highschool Musical mit der Rütli-Schule. Statt dessen empfinde ich Dankbarkeit, denn nun weiß ich, das die Tagesabläufe eines forensischen Anthropologen um vieles öder sind, als mein Job: Sie scheinen stundenlang Knochen bzw. Zähne zu sortieren, fotografieren und Berichte darüber auszufüllen. Ich verstehe, dass weder Bones noch CSI das zeigen will.
Für Charakterzeichnung ist da kein Platz mehr: Fast alle Menschen, die nicht von Brennans Charme eingenommen sind, wollen nicht weniger alsdie Weltherrschaft sie vernichten eigentlich schon ziemlich schmeichelhaft, für wen sie alles eine Konkurrenz ist. So lernen wir zwar, das Brennan als Kollegin ziemlich unausstehlich ist (sie mag keine "Weicheier", hat keine Lust mit den Kollegen über Persönliches reden, lässt die neue Kollegin nicht an einer Obduktion teilhaben, bei der sie etwas lernen könnte)... Das macht aber nichts, da alle, zu denen sie unfreundlich ist, sich als absolut und abgrundtief böse und skrupellos herausstellen Gott schütze die Welt vor den Kapitalisten und Hobbyarchäologen:
Spoiler
Die Kollegin fälscht Proben, um besser da zu stehensie hätte ihre Chance doch bestimmt in ein paar Jahren bekommen, wenn irgendjemand sie mal zu einer interessanten Obduktion mitgenommen hätte - Ehrgeiz, als Todsünde, der zart besaitete Kollege der auch keine Lust hat über Privates zu plaudern und dem ein Keks als Wiedergutmachung nicht reicht hat weder Probleme mit Abwasserrohren noch mit Mordabsichten.
Zwar führt Reichs noch einen weiteren Kandidaten als möglichen Entführer ein, jedem kundigeren Krimileser ist jedoch nach ca. 50 Seiten klar, wer sie ins Grab gebracht hat. Da wir auch wissen, das sie nicht sterben wird - Gesetz der Serie - ist damit dieser Handlungsfaden leider vollkommen unspektakulär.
Zum Glück ist der zweite Plot um die vier toten älteren Frauen solide. Die Lösung ist zwar nicht spektakulär, aber Ryan hebt seine Superbullenfähigkeiten für den Schlussakt und damit die glorreiche Rettung auf, so dass wenigstens er nicht nur privat, sondern auch beruflich fehlbar und menschlich wirkt.
Klasse ist dagegen die Familienszene, als Ryan und Brennan bei Petes Familie die Feiertage verbringen und der smarte Detektive eine kanadische Version eines Waltons spielt. Die Story um den verschwundenen Soldaten ist zwar ein wenig unglaubwürdig (Brennan stößt nicht nur auf einen Fehler der allgegenwärtigen Kollegin, nein, allein schon das Szenario, das sie eine Behörde in einem anderen Bundesstaat betritt und die sie mal eben so an alte Überreste lassen (Zuständigkeiten? Und wer übernimmt die Verantwortung, wenn sie falsch liegt?), die sie bearbeitet, und das die richtigen Überreste zufällig herum liegen - bitte?)
Licht und Schatten also. Ein Krimi für Fans, die wissen wollen, wie es um Ryan und Brennan weiter geht oder um Krimineulinge, die sich von ein bisschen Katzenkot noch von der Spur abbringen lassen.
Reichs, Kathy
Das Grab ist erst der Anfang
Blessing
384 S.
ISBN 3896673237
19,95

Kathy Reichs Romane sind immer eine Überraschung: Mal im positiven, mal im negativen Sinne. Billigt sie ihrer Hauptfigur Temperance Brennan Leistungen auf konstant hohem Niveau zu, schwanken ihre Romane zwischen gutem Durchschnitt und hervorragenden Krimis. Das Grab ist erst der Anfang ist leider kein Höhenflug. Erschreckend ist, dass eine Stärke des Vorgängers, die exzellente Weiterentwicklung der Hauptfigur, vollkommen einer Mission zum Opfer fällt: Der Leistungsstandard der forensischen Anthropologie in Amerika kann nur durch Prüfung und Aufnahme in Fachverbänden gesichert werden. Ich denke auch, dass Reichs mit diesem Statement recht hat. Der Alltag in einem forensischen Labor hat mit CSI ungefähr soviel zu tun, Highschool Musical mit der Rütli-Schule. Statt dessen empfinde ich Dankbarkeit, denn nun weiß ich, das die Tagesabläufe eines forensischen Anthropologen um vieles öder sind, als mein Job: Sie scheinen stundenlang Knochen bzw. Zähne zu sortieren, fotografieren und Berichte darüber auszufüllen. Ich verstehe, dass weder Bones noch CSI das zeigen will.
Für Charakterzeichnung ist da kein Platz mehr: Fast alle Menschen, die nicht von Brennans Charme eingenommen sind, wollen nicht weniger als
Spoiler
Die Kollegin fälscht Proben, um besser da zu stehen
Zwar führt Reichs noch einen weiteren Kandidaten als möglichen Entführer ein, jedem kundigeren Krimileser ist jedoch nach ca. 50 Seiten klar, wer sie ins Grab gebracht hat. Da wir auch wissen, das sie nicht sterben wird - Gesetz der Serie - ist damit dieser Handlungsfaden leider vollkommen unspektakulär.
Zum Glück ist der zweite Plot um die vier toten älteren Frauen solide. Die Lösung ist zwar nicht spektakulär, aber Ryan hebt seine Superbullenfähigkeiten für den Schlussakt und damit die glorreiche Rettung auf, so dass wenigstens er nicht nur privat, sondern auch beruflich fehlbar und menschlich wirkt.
Klasse ist dagegen die Familienszene, als Ryan und Brennan bei Petes Familie die Feiertage verbringen und der smarte Detektive eine kanadische Version eines Waltons spielt. Die Story um den verschwundenen Soldaten ist zwar ein wenig unglaubwürdig (Brennan stößt nicht nur auf einen Fehler der allgegenwärtigen Kollegin, nein, allein schon das Szenario, das sie eine Behörde in einem anderen Bundesstaat betritt und die sie mal eben so an alte Überreste lassen (Zuständigkeiten? Und wer übernimmt die Verantwortung, wenn sie falsch liegt?), die sie bearbeitet, und das die richtigen Überreste zufällig herum liegen - bitte?)
Licht und Schatten also. Ein Krimi für Fans, die wissen wollen, wie es um Ryan und Brennan weiter geht oder um Krimineulinge, die sich von ein bisschen Katzenkot noch von der Spur abbringen lassen.
Reichs, Kathy
Das Grab ist erst der Anfang
Blessing
384 S.
ISBN 3896673237
19,95
derwahnsinnhateinennamen - 17. Nov, 00:53









