Einer von vielen - oder we're all connected
Norbert Zähringer verwebt in Einer von vielen die Leben unzähliger Figuren. Ein Jahrhundert und drei Kontinente bereisen wir, werden Zeuge eines Erdbebens in Japan, dem zweiten Weltkrieg, den Anfängen des Tonfilms ... Ähnlich wie Pynchon erzählt Zähringer weder linear, noch behält er die Perspektive bei. Es gelingt ihm den Tragödien der Menschheit stets noch eine komische Seite abzugewinnen, wie als er einen seiner beiden Hauptprotagonisten in einer Filmcrew in Schottland den Angriff auf Berlin nachdrehen lässt und diese, als ein anderer Regisseur schneller ist, einfach regulär fliegen lässt (mit den gewohnt tödlichen Konsequenzen).
Zwar ist das Ende ein wenig zu sehr happy, bis dahin überraschen aber fast alle Wendungen. Der Schreibstil ist rasant und ausgesprochen visuell. Die Ideen erinnern an den frühen T.C. Boyle. Die knapp 500 Seiten habe ich an einem Abend (OK, inklusive Nacht) weg gelesen, so fasziniert war ich vom Schicksal der Charaktere.
Egal ob die Geburt in einer Hippiekommune, den Poolreinigungsjob in der verwaisten Hollywoodkulisse oder die Frage, warum es ihm nur in Momenten der Überrumpelung gelingt, ein Koan zu lösen, Edison Frings ist eine faszinierende, sehr naive Figur. Sein Gegenpart im modernen Berlin, Siegfried Heinze, dessen Vater das erste Opfer des Serienmörders wurde, wird deutlich mehr in der aktuellen Zeit - Berlin nach dem Fall der Mauer - thematisiert. Beide teilen den Verlust des Vaters, der wahrscheinlich nicht der biologische Erzeuger war.
Die zahlreichen Anspielungen, wie z.B. die Decknamen, die eine der Nebenfiguren, Kommisar Mauser bei seinem Rettungsversuch eines jüdischen Jungen einer Heftchenromanserie, Cameos von Ronald Reagan oder entlehnte Figuren wie Howard Hughes, dazu ein paar Klassiker der Filmgeschichte (Die Brücke, Casablanca, Dieb von Bagdad) lassen den Leser genüsslich auf der Metaebene mitdenken.
Zähringer versucht in seinem Roman die These zu beweisen, dass jeder Mensch mit jedem anderen über bis zu sechs Menschen verbunden ist, es kennt nur niemand die Schnittstellen. Dem setzt er den Totalitarismus zweier Systeme und die Naturgewalten entgegen, die nur der Gipfel des Zufalls und der Willkür darstellen, die das Leben der Protagonisten bestimmen.
Einige Wendungen mögen etwas konstruiert sein, dem Lesevergnügen tut dies keinen Abbruch. Bisher eines der Bücher, die mir 2009 am Besten gefallen haben. Einziges Manko: Das Cover! Wer auch immer für die Auswahl verantwortlich war, er hat dem Autor keinen Gefallen getan.

Zähringer, Norbert
Einer von vielen
486 Seiten
ISBN 978-3498076641
22,90 €
Zwar ist das Ende ein wenig zu sehr happy, bis dahin überraschen aber fast alle Wendungen. Der Schreibstil ist rasant und ausgesprochen visuell. Die Ideen erinnern an den frühen T.C. Boyle. Die knapp 500 Seiten habe ich an einem Abend (OK, inklusive Nacht) weg gelesen, so fasziniert war ich vom Schicksal der Charaktere.
Egal ob die Geburt in einer Hippiekommune, den Poolreinigungsjob in der verwaisten Hollywoodkulisse oder die Frage, warum es ihm nur in Momenten der Überrumpelung gelingt, ein Koan zu lösen, Edison Frings ist eine faszinierende, sehr naive Figur. Sein Gegenpart im modernen Berlin, Siegfried Heinze, dessen Vater das erste Opfer des Serienmörders wurde, wird deutlich mehr in der aktuellen Zeit - Berlin nach dem Fall der Mauer - thematisiert. Beide teilen den Verlust des Vaters, der wahrscheinlich nicht der biologische Erzeuger war.
Die zahlreichen Anspielungen, wie z.B. die Decknamen, die eine der Nebenfiguren, Kommisar Mauser bei seinem Rettungsversuch eines jüdischen Jungen einer Heftchenromanserie, Cameos von Ronald Reagan oder entlehnte Figuren wie Howard Hughes, dazu ein paar Klassiker der Filmgeschichte (Die Brücke, Casablanca, Dieb von Bagdad) lassen den Leser genüsslich auf der Metaebene mitdenken.
Zähringer versucht in seinem Roman die These zu beweisen, dass jeder Mensch mit jedem anderen über bis zu sechs Menschen verbunden ist, es kennt nur niemand die Schnittstellen. Dem setzt er den Totalitarismus zweier Systeme und die Naturgewalten entgegen, die nur der Gipfel des Zufalls und der Willkür darstellen, die das Leben der Protagonisten bestimmen.
Einige Wendungen mögen etwas konstruiert sein, dem Lesevergnügen tut dies keinen Abbruch. Bisher eines der Bücher, die mir 2009 am Besten gefallen haben. Einziges Manko: Das Cover! Wer auch immer für die Auswahl verantwortlich war, er hat dem Autor keinen Gefallen getan.

Zähringer, Norbert
Einer von vielen
486 Seiten
ISBN 978-3498076641
22,90 €
derwahnsinnhateinennamen - 27. Nov, 03:36









