The Happening
Es beginnt in New York. Tausende Menschen begehen ohne erkennbaren Grund Selbstmord. Panik bricht aus. Ein neuer Terroranschlag?
Shyamalans The Happening beginnt durchaus vielversprechend. In grandiosen Bildern wird das Unerklärliche zelebriert: Die Bauarbeiter, die ohne Gefühlregung vom Dach springen, das Mädchen, das sich mit ihrer Haarnadel selbst ersticht (übrigens alles zensiert, die amerikanische Fassung zeigt deutlich mehr). Das Entsetzen zeigt sich in den Gesichtern der hilflosen Zuschauer. Gleichzeitig wird subtil Spannung aufgebaut. Shyamalan lässt seine Helden, einen Lehrer mit seiner kleinen Familie, nicht die Welt retten. Elliot Moore (hölzern und teilweise überfordert Mark Wahlberg) versucht lediglich die Seinen zu beschützen.

Mit diesen Zutaten hätte es ein wirklich guter Film werden können. Leider verfranzt sich Shyamalan zusehend. Die kriselnde Beziehung zwischen Moore und seiner Frau Alma (Zooey Deschanel) tritt immer mehr in den Vordergrund und bereiten das wahrhaft kitschige Happyend vor. Ist ein Desert mit einem anderen Mann bereits ein alles in Frage stellender Betrug?
Für die Katastrophe werden verschiedene Erklärungsmodelle angerissen. Warum sich aber Elliot – ohne jegliche Beweise – als Mann der Wissenschaft auf die völlig unausgegorene Pflanzentheorie einlässt, bleibt offen. Auch die Lehren, die wir und er daraus schließen mag, erscheinen aus einem Counterstrike Handbuch entnommen: Der Mensch muss sich isolieren, um zu überleben. Entweder in der Wildnis oder in seinem Haus. Warum aber schießen die militanten Überlebenskünstler nur auf die beiden Kids, die fünf Minuten zuvor so zielsicher zur Gruppe stießen? Beide werden zielsicher trotz mangelnder Bedrohung hingerichtet. Anschließend werden die Erwachsen aufgefordert, zu gehen. Wenigstens ein Streifschuss auf den - potentiell doch wesentlich gefährlicheren - Elliot wäre hier logisch gewesen. Leider bewahrheitet sich hier wieder mal das Klischee, dass jeder Mensch, der nicht ausführlich vorgestellt wurde nur Kanonenfutter ist.
Credits: TeaserAndTrailer
The Happening hat eine Reihe starke Szenen: neben der „Terrorszene“ ist vor Allem die Charakterisierung der Mrs. Jones (Betty Buckley) zu nennen, einer verschrobenen Lady, die, vom Leben enttäuscht allein in der Wildnis lebt. Hier deutete sich ein weiteres Drama, mit einer wesentlich subtileren Spannung, im Film an, dem Shyamalan leider zu wenig Platz einräumt.
Leider reicht das nicht. Die Beziehungskrise wirkt an den Haaren herbeigezogen, das Erklärungsmodell äußerst dürftig. OK, vielleicht will uns Shyamalan sagen, dass in Notsituationen jede Erklärung, auch wenn sie keine ist, reicht, um seine Überlebensstrategien auf pseudowissenschaftlich eintrainierten auszurichten (denn wenn wir ehrlich sind, geht Elliot keineswegs wissenschaftlich vor, meistens läuft er vor seiner aussetzenden Logik kapitulierend, planlos durch die Gegend). Apropos Logik – ein kleiner Schnitt im Wagendach reicht, um eine Gruppe Menschen in den Selbstmord zu treiben – aber wenn man Fenster und Türen schließt, dann zieht der Sturm der Gase an der Menschheit vorüber? Besonders bei dem baufälligen Haus von Mrs. Jones erscheint dies mehr als zweifelhaft.
Aber grobe Unlogik übersieht Elliot genauso wie der Zuschauer, wenn es der Spannung hilft – und an der mangelt es des Öfteren. Die fehlende Auflösung als Kunstgriff, als Kapitulation vor der Welt finde ich auch durchaus gelungen. Die Löcher in der Pflanzentheorie sind immerhin so groß, dass der Schwarm ein paarmal hindurch schwimmen könnte. Die Katastrophe kommt und geht nach belieben. Die Wissenschaft kapituliert und wartet auf die nächste Heimsuchung. Warum dann trotzdem das Happyend im privaten in der Beziehung inklusive einer, doch zuvor abgelehnten, Schwangerschaft kommen muss? Zusätzlich zu einem Kind, das zwar vor drei Monaten ihre Eltern und das gesamte Lebensumfeld verloren hat, nun aber wieder in einer völlig normalen Stadt inklusive Schule lebt? Trauma Fehlanzeige? Was soll uns das sagen? Die Welt bricht zusammen, um sich nicht zu ändern? Die Familie als Zufluchtsort ist das einzige, was bleibt? Kinder sind die Lösung? (Auch wenn dein Mann ein liebenswerter Kontrollfreak ist, der anscheinend nichts aus der Situation gelernt hat und wohl nicht mehr viele Kinder zum Unterrichten übrig hat - immerhin hat sich ja theoretisch die halbe Stadt umgebracht).
Aber nun haben ja die Franzosen das Problem, denn in Paris startet die nächste Selbstmordwelle. Man mag ihnen zu rufen, bleibt cool, fahrt aufs Land, in ein paar Tagen ist es vorbei. Wenn ihr dann noch lebt: Zeugt einfach ein paar neue Kinder. Oder bombardiert irgendetwas. Die Amerikaner machen es auch nicht anders und sie haben überlebt.
Shyamalans The Happening beginnt durchaus vielversprechend. In grandiosen Bildern wird das Unerklärliche zelebriert: Die Bauarbeiter, die ohne Gefühlregung vom Dach springen, das Mädchen, das sich mit ihrer Haarnadel selbst ersticht (übrigens alles zensiert, die amerikanische Fassung zeigt deutlich mehr). Das Entsetzen zeigt sich in den Gesichtern der hilflosen Zuschauer. Gleichzeitig wird subtil Spannung aufgebaut. Shyamalan lässt seine Helden, einen Lehrer mit seiner kleinen Familie, nicht die Welt retten. Elliot Moore (hölzern und teilweise überfordert Mark Wahlberg) versucht lediglich die Seinen zu beschützen.

Mit diesen Zutaten hätte es ein wirklich guter Film werden können. Leider verfranzt sich Shyamalan zusehend. Die kriselnde Beziehung zwischen Moore und seiner Frau Alma (Zooey Deschanel) tritt immer mehr in den Vordergrund und bereiten das wahrhaft kitschige Happyend vor. Ist ein Desert mit einem anderen Mann bereits ein alles in Frage stellender Betrug?
Für die Katastrophe werden verschiedene Erklärungsmodelle angerissen. Warum sich aber Elliot – ohne jegliche Beweise – als Mann der Wissenschaft auf die völlig unausgegorene Pflanzentheorie einlässt, bleibt offen. Auch die Lehren, die wir und er daraus schließen mag, erscheinen aus einem Counterstrike Handbuch entnommen: Der Mensch muss sich isolieren, um zu überleben. Entweder in der Wildnis oder in seinem Haus. Warum aber schießen die militanten Überlebenskünstler nur auf die beiden Kids, die fünf Minuten zuvor so zielsicher zur Gruppe stießen? Beide werden zielsicher trotz mangelnder Bedrohung hingerichtet. Anschließend werden die Erwachsen aufgefordert, zu gehen. Wenigstens ein Streifschuss auf den - potentiell doch wesentlich gefährlicheren - Elliot wäre hier logisch gewesen. Leider bewahrheitet sich hier wieder mal das Klischee, dass jeder Mensch, der nicht ausführlich vorgestellt wurde nur Kanonenfutter ist.
Credits: TeaserAndTrailer
The Happening hat eine Reihe starke Szenen: neben der „Terrorszene“ ist vor Allem die Charakterisierung der Mrs. Jones (Betty Buckley) zu nennen, einer verschrobenen Lady, die, vom Leben enttäuscht allein in der Wildnis lebt. Hier deutete sich ein weiteres Drama, mit einer wesentlich subtileren Spannung, im Film an, dem Shyamalan leider zu wenig Platz einräumt.
Leider reicht das nicht. Die Beziehungskrise wirkt an den Haaren herbeigezogen, das Erklärungsmodell äußerst dürftig. OK, vielleicht will uns Shyamalan sagen, dass in Notsituationen jede Erklärung, auch wenn sie keine ist, reicht, um seine Überlebensstrategien auf pseudowissenschaftlich eintrainierten auszurichten (denn wenn wir ehrlich sind, geht Elliot keineswegs wissenschaftlich vor, meistens läuft er vor seiner aussetzenden Logik kapitulierend, planlos durch die Gegend). Apropos Logik – ein kleiner Schnitt im Wagendach reicht, um eine Gruppe Menschen in den Selbstmord zu treiben – aber wenn man Fenster und Türen schließt, dann zieht der Sturm der Gase an der Menschheit vorüber? Besonders bei dem baufälligen Haus von Mrs. Jones erscheint dies mehr als zweifelhaft.
Aber grobe Unlogik übersieht Elliot genauso wie der Zuschauer, wenn es der Spannung hilft – und an der mangelt es des Öfteren. Die fehlende Auflösung als Kunstgriff, als Kapitulation vor der Welt finde ich auch durchaus gelungen. Die Löcher in der Pflanzentheorie sind immerhin so groß, dass der Schwarm ein paarmal hindurch schwimmen könnte. Die Katastrophe kommt und geht nach belieben. Die Wissenschaft kapituliert und wartet auf die nächste Heimsuchung. Warum dann trotzdem das Happyend im privaten in der Beziehung inklusive einer, doch zuvor abgelehnten, Schwangerschaft kommen muss? Zusätzlich zu einem Kind, das zwar vor drei Monaten ihre Eltern und das gesamte Lebensumfeld verloren hat, nun aber wieder in einer völlig normalen Stadt inklusive Schule lebt? Trauma Fehlanzeige? Was soll uns das sagen? Die Welt bricht zusammen, um sich nicht zu ändern? Die Familie als Zufluchtsort ist das einzige, was bleibt? Kinder sind die Lösung? (Auch wenn dein Mann ein liebenswerter Kontrollfreak ist, der anscheinend nichts aus der Situation gelernt hat und wohl nicht mehr viele Kinder zum Unterrichten übrig hat - immerhin hat sich ja theoretisch die halbe Stadt umgebracht).
Aber nun haben ja die Franzosen das Problem, denn in Paris startet die nächste Selbstmordwelle. Man mag ihnen zu rufen, bleibt cool, fahrt aufs Land, in ein paar Tagen ist es vorbei. Wenn ihr dann noch lebt: Zeugt einfach ein paar neue Kinder. Oder bombardiert irgendetwas. Die Amerikaner machen es auch nicht anders und sie haben überlebt.
derwahnsinnhateinennamen - 25. Jun, 00:07

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