Spams der anderen Sorte
Neben hunderten von Angeboten für Penisverlängerungen, Pornos pardon heißen Girls und Viagra bekommt eine Bibliothek des öfteren auch ein paar thematisch ein wenig passendere Werbung per Email: Autoren und kleinere Firmen versuchen ihre per Eigenverlag produzierten Medien zu verkaufen. Diese haben - ähnlich wie Anrufe - übrigens eine ähnliche Erfolgswahrscheinlichkeit, wie ein Hobbyschreiner der einen selbst gezimmerten Schank IKEA anbietet. Wir haben, wie jeder größere Betrieb, Verträge mit verschiedenen lokalen und überregionalen Partnern ... aber das ist ein ganz anderes Thema.
Etwas anderes ist es, wenn Künstler oder Autoren uns per Mail ihre Dienste anpreisen möchten. Sollte das Angebot inhaltlich interessant und preislich machbar sein, sind wir durchaus nicht abgeneigt. Allerdings sollten diejenigen etwas geschickter vorgehen, als folgender Schriftsteller, der - gemeinsam mit seiner Frau - eine Lesung verschiedener Glossen über die deutsche Sprache das war vor Bastian Sick originell, jetzt nicht mehr sowie einer Reihe von familiären Kurzgeschichten anbot.
Zitat:
... set "schwarzer" geschichten meiner frau drei, deren jeweils letzter satz dem publikum den atem nimmt.
Lieber Autor,
wenn Sie ihr Brot mit der deutschen Sprache verdienen und auch noch darüber schreiben, dann sollten Sie sich daran erinnern, dass ihre Verfechter großen Wert auf die GROSS- und kleinschreibung legen. Zwar mag das Internet zu einer gewissen Laxheit, was Rechtschreibung angeht, verführen. Als Literat und Journalist sollte Ihnen aber bewusst sein, dass nur enge Freunde, Legastheniker und Kinder so schreiben. Wenn dies bereits Ihren Humor - immerhin schreiben Sie Glossen - ausdrückt, sollten Sie Ihre Texte vielleicht lieber im Publikum verteilen? kleinkrete Poesie lässt grüßen.
Sie bieten uns für Ihre Dienste den Vorzugspreis 350 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer sowie Fahrkosten (DB 2 Klasse) und die Übernachtung mit Frühstück in einer Pension. Ich bin mir sicher, dass dieser Preis eine Verhandlungsgrundlage ist. Mein Vorschlag: Da ihr letzter Satz dem Publikum den Atem nimmt, könnten Sie doch ihre Lesung auf diesen beschränken. Dann hätten wir zwar eine kurze, aber dafür atemraubende Lesung, für die wir Sie gerne mit einem handelsüblichen Stundenlohn - ohne Spesen - entlohnen möchten.
MfG Ihre Bibliothek
Ein paar Tipps für diejenige, die wirklich gerne mal eine Lesung bei uns durchführen möchten:
Etwas anderes ist es, wenn Künstler oder Autoren uns per Mail ihre Dienste anpreisen möchten. Sollte das Angebot inhaltlich interessant und preislich machbar sein, sind wir durchaus nicht abgeneigt. Allerdings sollten diejenigen etwas geschickter vorgehen, als folgender Schriftsteller, der - gemeinsam mit seiner Frau - eine Lesung verschiedener Glossen über die deutsche Sprache
Zitat:
... set "schwarzer" geschichten meiner frau drei, deren jeweils letzter satz dem publikum den atem nimmt.
Lieber Autor,
wenn Sie ihr Brot mit der deutschen Sprache verdienen und auch noch darüber schreiben, dann sollten Sie sich daran erinnern, dass ihre Verfechter großen Wert auf die GROSS- und kleinschreibung legen. Zwar mag das Internet zu einer gewissen Laxheit, was Rechtschreibung angeht, verführen. Als Literat und Journalist sollte Ihnen aber bewusst sein, dass nur enge Freunde, Legastheniker und Kinder so schreiben. Wenn dies bereits Ihren Humor - immerhin schreiben Sie Glossen - ausdrückt, sollten Sie Ihre Texte vielleicht lieber im Publikum verteilen? kleinkrete Poesie lässt grüßen.
Sie bieten uns für Ihre Dienste den Vorzugspreis 350 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer sowie Fahrkosten (DB 2 Klasse) und die Übernachtung mit Frühstück in einer Pension. Ich bin mir sicher, dass dieser Preis eine Verhandlungsgrundlage ist. Mein Vorschlag: Da ihr letzter Satz dem Publikum den Atem nimmt, könnten Sie doch ihre Lesung auf diesen beschränken. Dann hätten wir zwar eine kurze, aber dafür atemraubende Lesung, für die wir Sie gerne mit einem handelsüblichen Stundenlohn - ohne Spesen - entlohnen möchten.
MfG Ihre Bibliothek
Ein paar Tipps für diejenige, die wirklich gerne mal eine Lesung bei uns durchführen möchten:
- Massenmails sind Spam - machen Sie sich die Mühe uns, besser noch den Kollegen, der für den Veranstaltungssektor verantwortlich ist oder die Bibliotheksleitung direkt anzusprechen oder -mailen.
- Ein Anschreiben, das nicht grammatikalisch und orthographisch korrekt ist landet immer im Müll.
- Das Honorar sollte sich an den Bekanntheitsgrad des Autoren anlehnen. Es gibt diverse Organisationen, die literarische Veranstaltungen sponsern, z.B. der Bödecker Kreis.
- Sollten Sie noch nichts oder nur im Selbstverlag veröffentlicht haben senden Sie uns eine Leseprobe und ein Exposé.
- Ihr Thema, egal ob Fiktion oder Sachliteratur, muss zu uns passen, archäologische Betrachtungen von Tonscherben der Jin Dynastie lockt in einer Stadtbibliothek mit 10 000 Medien genauso viele Zuschauer an, wie eine Lesung von Mord im Schrebergarten in der Fachbereichsbibliothek Religion.
- Viele Bibliotheken sehen sich gerne als Plattform für unentdeckte Künstler. Allerdings haben wir einen Kundenkreis, den wir bei unprofessionellen Veranstaltungen verlieren und möchten gerne das Risiko der Enttäuschung so gering wie möglich halten. Immerhin bieten wir eine Chance, den Bekanntheitsgrad zu erhöhen, das ist doch mehr wert, als schlichter Mammon, oder?
derwahnsinnhateinennamen - 11. Jun, 00:07

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