Che Potter
Die, die Angst vor ihm haben nennen ihn den Unerwünschten. Die, die ihn bewundern flüsternd den Auserwählten. Im Laufe der Zeit haben eine Reihe von Menschen sich diesen schmalen Grad zwischen Hass und Hoffnung verdient. Im folgenden wollen wir untersuchen, ob uns Harry den Status eines wahren Revolutionärs verdient.

Was ist also ein Revolutionär?
Ein radikaler und rapider sozialer Wandel (»Revolution«) knüpfte sich auch an erfolgreiche politische, oft auch charismatische Persönlichkeiten, deren soziologische Urteilskraft sich eher nur implizit erschließt, deren soziale Wirkung jedoch bewusst und gewollt revolutionär war. (Quelle Wikipedia s.u.)
Ein Revolutionär ist also charismatisch, erfolgreich und sticht aus der Masse hervor. Sein Konterfei findet sich irgendwann auf T-Shirts, sein Name ziert Straßen und Plätze. Er oder sie hat seine persönlichen Interessen einer Idee geopfert. Jemand hat ein Interesse daran, ja vielleicht sogar bereits Anstrengungen unternommen, unseren Revolutionär zu töten. Vielleicht war auch er erfolgreich. Immerhin begründet nichts so sehr den Ruhm, wie ein vorzeitiges tragisches Ende.
Trägt also Harry die Züge eines Revolutionärs in sich? Harry schafft es immer wieder Menschen von sich zu begeistern. Zwar fehlt ihm die akademische Brillanz von Hermine und das gute Aussehen von Gilderoy Lockhart. Trotzdem schafft er es immer wieder Menschen zu begeistern. Stehen zu Anfang nur Hermine und Ron zu ihm beschert ihm bereits sein erster Kampf gegen den noch geschwächten Lord Voldemort mit Colin Creevey seinen ersten Fan. Später gelingt es ihm mit der D.A. eine terroristische Einheit aufzubauen. Gegen den erklärten Willen der direkten Vorgesetzten, der Schulleitung sowie der gewählten Regierung lernen die Schüler den bewaffneten Widerstand. Sie ist die Keimzelle seines Aufstands in Hogwarts. Die DA wird sich in Harry Potter und die Heiligtümer des Todes den Deatheatern trotz ihrer Unterzahl entgegenstellen. Trotzdem ist die DA nur eine Revolution light ein Aufstand von Teenagern, der durch die Entdeckung von Dolores Umbridge fast ausgehoben wird. Nur mit Hilfe einer List gelingt die Befreiung. Allerdings geht die kleine revolutionäre Zelle später im "Dachverband" des Phönixordens auf. Ähnlich wie in einer politischen Partei helfen Harry, Ron und Hermine ihre Führungsrollen in der Nachwuchsorganisation hier kaum. Sie werden zu Handlangertätigkeiten heran gezogen und nur selten in die Aktionen des Ordens eingeweiht. Daher ist eine erneute Abspaltung, wie sie in Harry Potter und die Heiligtümer des Todes erfolgt, nur die logische Konsequenz.
Was aber hat Harry bewogen sich gegen die bestehende Ordnung aufzulehnen? Welche Idee trieb ihn an?
Bis zur Französischen Revolution war die Idee hinter einer gesellschaftlichen Umwälzung stets die Rückkehr von einer korrumpierten Gesellschaft zur alten Tugend. Auch Harry und seine Anhänger träumen von der alten, friedlichen Zeit, die sie nie gekannt haben. Sie glauben an die friedliche Koexistenz von Muggeln und Zauberern und an ein freies, selbstbestimmtes Leben. Stärker noch als die Freiheit wird bei Harry Potter jedoch stets die Gleichheit betont, egal ob es sich um alte Zaubererfamilien, Muggelgeborene, Squibs oder Menschen sind. Sie verteidigt er gegen die Rassenlehre der Deatheater. Die anderen Ideale der französischen Revolution Freiheit und Brüderlichkeit werden dem untergeordnet. Der Freiheitswille Harrys lässt sich anhand der vielen Regelverstöße festmachen. Er begehrt gegen die gesellschaftliche Ordnung auf, wenn sie ihm unlogisch erscheint. Andererseits akzeptiert er den Richterspruch Dumbledores oder McGonagalls stets. Es handelt sich also nicht um pubertäre Opposition sondern aus Überzeugung. Das Gebot der Brüderlichkeit findet sich in der Nächstenliebe wieder. Harry opfert sich in seiner Quest für die Liebe. Egal ob Menschen- oder Mutterliebe, J.K. Rowling setzt sie als Gegengewicht gegen Gewalt, Rassismus und Egoismus und begreift sie als wahre Triebfeder von Harrys handeln. Dabei muss er allerdings seine eigenen Gefühle wie ein wahrer Held dem Ideal unterordnen - er verlässt Ginny Weasley in Harry Potter und der Halbblutprinz um sie zu beschützen.
Ein Revolutionär wird allerdings auch anhand des Widerstandes gemessen, der seiner Idee entgegengebracht wird. In diesem Fall ist Potter selbst das Symbol einer Idee, bevor er selbst sie verstehen geschweigen denn verbreiten kann. Harry muss sich bereits früh mit seinen Gegnern auseinander setzen. Sei es der Angriff bei dem seine Eltern starben und das damit verbundene erste Wunder, dass ihm eine Narbe und dem Rest der Welt zehn ruhige Jahre bescherte oder die dann einsetzenden kleinen Angriffe und Nadelstiche, die sich von Band zu Band steigern. Hier ein Dementorangriff, dort eine Verleumdung - abgesehen von den Attacken von Lord Voldemort selbst kämpft Harry mit einer immer kleineren Schaar von Getreuen gegen übermächtige Feinde. Ist zu Anfang Voldemort noch schwach und Harry in der Lage sich mit Freunden und Lehrmeistern eine Unterstützungsbasis aufzubauen wird das Gleichgewicht immer weiter zu Gunsten der dunklen Seite verschoben. Er selbst wird vom Volkshelden zur Persona non grata. Den Höhepunkt des Märtyrertums erreicht er in seiner Selbstopferung in Harry Potter und die Heiligtümer des Todes.
Der eigentliche Erfolg der Idee ist übrigens für den Status als Revolutionär weitgehend unwichtig. Die Bedeutung zeigt sich daran, ob sich die Menschen- und Zauberwelt an die Taten erinnert. Sieben Bücher, acht Filme und unzählige Merchandising Artikel sollten uns dabei helfen.

Das beste Beispiel wie wenig der tatsächliche Erfolg am Kultstatus eines Revolutionärs rütteln kann ist übrigens Che Guevara. Ein schmächtiger kleiner Kerl - wie Harry. Nach seinem Medizinstudium reiste er durch Südamerika und begann durch die Geschichten der Völker den Kapitalismus zu verabscheuen, den er als die Wurzel allen Übels brandmarkte. Harrys Zeit in Hogwart kann ebenso als ein Aufbruch in eine erwachsene, neue Welt verstanden werden, der Ideen und Geschichten er aufsaugt. Er lernt hier die Deatheater und ihre Ideen kennen und verabscheuen, obwohl er von den Malfoys in Versuchung geführt wird. Che Guevaras Kampf in Kuba könnte mit Harrys Kampf im Ministerium und der Suche nach den Horkruxen verglichen werden. Allerdings erspart Rowling ihrem Helden ein Scheitern im realen Sozialismus - Che Guevaras gelingt es nicht seine recht naiven wirtschaftlichen Vorstellungen umzusetzen. Castro entzieht ihm das Amt des Industrieministers. Ches Idee der sozialistischen Revolution führt ihn in den Kongo und nach Bolivien. Dort wird er - angeblich mit Hilfe des CIAs - hingerichtet. Sein Tod macht ihn - hier wieder die Parallele zu Potter - zu einem Märtyrer. Allerdings ist seine Wiederauferstehung wesentlich weniger prosaisch: Heute bietet ihn der von ihm so verabscheute Kapitalismus auf T-Shirts und Stickern als Stilikone feil. Kauf dir dein Stück gelebten Marxismus. Potters Revolution endet zwar ebenso in einem Blutbad, jedoch mit einem Sieg für die Sache. Die Deatheater inklusive Voldemort werden ausgeschaltet. Ob für immer ist nicht bekannt. Harry kann so als Ex-Revolutionär in den Ruhestand treten. Ein Leben im Mittelmaß sei ihm gegönnt - ein Nine-to-five Job klingt für einen Che Potter doch fast revolutionär.
Quellen:
Wikipedia Eintrag Che Guevara
Wikipedia Eintrag Revolution
Rowling, J. K.: Harry Potter und der Stein der Weisen
Rowling, J. K.: Harry Potter und die Kammer des Schreckens
Rowling, J.K.: Harry Potter und der Orden des Phönix
Rowling, J.K.: Harry Potter und der Halbblutprinz
Rowling, J.K.: Harry Potter und die Heiligtümer des Todes

Was ist also ein Revolutionär?
Ein radikaler und rapider sozialer Wandel (»Revolution«) knüpfte sich auch an erfolgreiche politische, oft auch charismatische Persönlichkeiten, deren soziologische Urteilskraft sich eher nur implizit erschließt, deren soziale Wirkung jedoch bewusst und gewollt revolutionär war. (Quelle Wikipedia s.u.)
Ein Revolutionär ist also charismatisch, erfolgreich und sticht aus der Masse hervor. Sein Konterfei findet sich irgendwann auf T-Shirts, sein Name ziert Straßen und Plätze. Er oder sie hat seine persönlichen Interessen einer Idee geopfert. Jemand hat ein Interesse daran, ja vielleicht sogar bereits Anstrengungen unternommen, unseren Revolutionär zu töten. Vielleicht war auch er erfolgreich. Immerhin begründet nichts so sehr den Ruhm, wie ein vorzeitiges tragisches Ende.
Trägt also Harry die Züge eines Revolutionärs in sich? Harry schafft es immer wieder Menschen von sich zu begeistern. Zwar fehlt ihm die akademische Brillanz von Hermine und das gute Aussehen von Gilderoy Lockhart. Trotzdem schafft er es immer wieder Menschen zu begeistern. Stehen zu Anfang nur Hermine und Ron zu ihm beschert ihm bereits sein erster Kampf gegen den noch geschwächten Lord Voldemort mit Colin Creevey seinen ersten Fan. Später gelingt es ihm mit der D.A. eine terroristische Einheit aufzubauen. Gegen den erklärten Willen der direkten Vorgesetzten, der Schulleitung sowie der gewählten Regierung lernen die Schüler den bewaffneten Widerstand. Sie ist die Keimzelle seines Aufstands in Hogwarts. Die DA wird sich in Harry Potter und die Heiligtümer des Todes den Deatheatern trotz ihrer Unterzahl entgegenstellen. Trotzdem ist die DA nur eine Revolution light ein Aufstand von Teenagern, der durch die Entdeckung von Dolores Umbridge fast ausgehoben wird. Nur mit Hilfe einer List gelingt die Befreiung. Allerdings geht die kleine revolutionäre Zelle später im "Dachverband" des Phönixordens auf. Ähnlich wie in einer politischen Partei helfen Harry, Ron und Hermine ihre Führungsrollen in der Nachwuchsorganisation hier kaum. Sie werden zu Handlangertätigkeiten heran gezogen und nur selten in die Aktionen des Ordens eingeweiht. Daher ist eine erneute Abspaltung, wie sie in Harry Potter und die Heiligtümer des Todes erfolgt, nur die logische Konsequenz.
Was aber hat Harry bewogen sich gegen die bestehende Ordnung aufzulehnen? Welche Idee trieb ihn an?
Bis zur Französischen Revolution war die Idee hinter einer gesellschaftlichen Umwälzung stets die Rückkehr von einer korrumpierten Gesellschaft zur alten Tugend. Auch Harry und seine Anhänger träumen von der alten, friedlichen Zeit, die sie nie gekannt haben. Sie glauben an die friedliche Koexistenz von Muggeln und Zauberern und an ein freies, selbstbestimmtes Leben. Stärker noch als die Freiheit wird bei Harry Potter jedoch stets die Gleichheit betont, egal ob es sich um alte Zaubererfamilien, Muggelgeborene, Squibs oder Menschen sind. Sie verteidigt er gegen die Rassenlehre der Deatheater. Die anderen Ideale der französischen Revolution Freiheit und Brüderlichkeit werden dem untergeordnet. Der Freiheitswille Harrys lässt sich anhand der vielen Regelverstöße festmachen. Er begehrt gegen die gesellschaftliche Ordnung auf, wenn sie ihm unlogisch erscheint. Andererseits akzeptiert er den Richterspruch Dumbledores oder McGonagalls stets. Es handelt sich also nicht um pubertäre Opposition sondern aus Überzeugung. Das Gebot der Brüderlichkeit findet sich in der Nächstenliebe wieder. Harry opfert sich in seiner Quest für die Liebe. Egal ob Menschen- oder Mutterliebe, J.K. Rowling setzt sie als Gegengewicht gegen Gewalt, Rassismus und Egoismus und begreift sie als wahre Triebfeder von Harrys handeln. Dabei muss er allerdings seine eigenen Gefühle wie ein wahrer Held dem Ideal unterordnen - er verlässt Ginny Weasley in Harry Potter und der Halbblutprinz um sie zu beschützen.
Ein Revolutionär wird allerdings auch anhand des Widerstandes gemessen, der seiner Idee entgegengebracht wird. In diesem Fall ist Potter selbst das Symbol einer Idee, bevor er selbst sie verstehen geschweigen denn verbreiten kann. Harry muss sich bereits früh mit seinen Gegnern auseinander setzen. Sei es der Angriff bei dem seine Eltern starben und das damit verbundene erste Wunder, dass ihm eine Narbe und dem Rest der Welt zehn ruhige Jahre bescherte oder die dann einsetzenden kleinen Angriffe und Nadelstiche, die sich von Band zu Band steigern. Hier ein Dementorangriff, dort eine Verleumdung - abgesehen von den Attacken von Lord Voldemort selbst kämpft Harry mit einer immer kleineren Schaar von Getreuen gegen übermächtige Feinde. Ist zu Anfang Voldemort noch schwach und Harry in der Lage sich mit Freunden und Lehrmeistern eine Unterstützungsbasis aufzubauen wird das Gleichgewicht immer weiter zu Gunsten der dunklen Seite verschoben. Er selbst wird vom Volkshelden zur Persona non grata. Den Höhepunkt des Märtyrertums erreicht er in seiner Selbstopferung in Harry Potter und die Heiligtümer des Todes.
Der eigentliche Erfolg der Idee ist übrigens für den Status als Revolutionär weitgehend unwichtig. Die Bedeutung zeigt sich daran, ob sich die Menschen- und Zauberwelt an die Taten erinnert. Sieben Bücher, acht Filme und unzählige Merchandising Artikel sollten uns dabei helfen.

Das beste Beispiel wie wenig der tatsächliche Erfolg am Kultstatus eines Revolutionärs rütteln kann ist übrigens Che Guevara. Ein schmächtiger kleiner Kerl - wie Harry. Nach seinem Medizinstudium reiste er durch Südamerika und begann durch die Geschichten der Völker den Kapitalismus zu verabscheuen, den er als die Wurzel allen Übels brandmarkte. Harrys Zeit in Hogwart kann ebenso als ein Aufbruch in eine erwachsene, neue Welt verstanden werden, der Ideen und Geschichten er aufsaugt. Er lernt hier die Deatheater und ihre Ideen kennen und verabscheuen, obwohl er von den Malfoys in Versuchung geführt wird. Che Guevaras Kampf in Kuba könnte mit Harrys Kampf im Ministerium und der Suche nach den Horkruxen verglichen werden. Allerdings erspart Rowling ihrem Helden ein Scheitern im realen Sozialismus - Che Guevaras gelingt es nicht seine recht naiven wirtschaftlichen Vorstellungen umzusetzen. Castro entzieht ihm das Amt des Industrieministers. Ches Idee der sozialistischen Revolution führt ihn in den Kongo und nach Bolivien. Dort wird er - angeblich mit Hilfe des CIAs - hingerichtet. Sein Tod macht ihn - hier wieder die Parallele zu Potter - zu einem Märtyrer. Allerdings ist seine Wiederauferstehung wesentlich weniger prosaisch: Heute bietet ihn der von ihm so verabscheute Kapitalismus auf T-Shirts und Stickern als Stilikone feil. Kauf dir dein Stück gelebten Marxismus. Potters Revolution endet zwar ebenso in einem Blutbad, jedoch mit einem Sieg für die Sache. Die Deatheater inklusive Voldemort werden ausgeschaltet. Ob für immer ist nicht bekannt. Harry kann so als Ex-Revolutionär in den Ruhestand treten. Ein Leben im Mittelmaß sei ihm gegönnt - ein Nine-to-five Job klingt für einen Che Potter doch fast revolutionär.
Quellen:
Wikipedia Eintrag Che Guevara
Wikipedia Eintrag Revolution
Rowling, J. K.: Harry Potter und der Stein der Weisen
Rowling, J. K.: Harry Potter und die Kammer des Schreckens
Rowling, J.K.: Harry Potter und der Orden des Phönix
Rowling, J.K.: Harry Potter und der Halbblutprinz
Rowling, J.K.: Harry Potter und die Heiligtümer des Todes
derwahnsinnhateinennamen - 17. Mai, 00:04

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