Rätsel Nummero 117

Ich bin für ein paar Tage im Urlaub. Ihr habt also bis Dienstag Zeit, das Rätsel zu lösen. Wie immer suchen wir das Buch und den Erzähler. Viel Spaß beim Raten:

Diese jungen Leute bleiben nie lange. Es gefällt ihnen wohl nicht bei mir. Das Haus ist zu weit draußen. In der Küche dürfen sie nur Wasser holen. Nichts als Beschwerden. Dabei fängt deren Leben doch erst an. Die wissen noch gar nicht, was es bereit hält. Als wir so jung verheiratet waren, mein Mann und ich, ja, da habe ich auch noch Forderungen an das Leben gestellt. Ich hatte eine gute Aussteuer und habe nie viel verbraucht. Fünfzigtausend haben wir gespart, mein Mann und ich. Und nun, wo er gestorben ist ...

Einer der Mieter muss es mir gestohlen haben. Ich habe alles aufgeschrieben. Jeden Abend sitze ich und rechne. Ein Pfund Butter kann doch keine dreitausend Mark kosten. Seit dem Krieg musste ich viele hier zur Miete wohnen lassen. So viele, dass ich ihre Namen vergessen habe. Einer von ihnen hat es mir gestohlen. Hat die Bücher gefälscht. Überall Nullen angehängt. Ein Pfund Butter kann doch keine 3000 Mark kosten? Es muss einer der Klugen gewesen sein. Immerhin hat er sich die Mühe gemacht, mein Haushaltsbuch zu fälschen. Wenn mein Mann noch da wäre, der würde sich das nicht gefallen lassen.

Ich sitze jeden Abend im Dunklen und rechne und weine. Naja, jeden Abend, wenn neue Mieter da waren. Irgendwann stehen sie alle vor meiner Tür. Sie wollen ihre Beschwerden los werden. Soviel Miete für so eine kleine Wohnung. Und mit so vielen lästigen Sachen. Die Küche, die Uhr,... spätestens da hake ich ein. Die Uhr hat mein Mann mir zur Verlobung geschenkt. Sie schlägt und schlägt und schlägt. Vor Allem, wenn sie bewegt wurde. Sie schlägt immerzu. Irgendwann hört sie auf. Ich denke dann immer an meinen Mann. Der hat es noch gehört, das Schlagen...

Spätestens dann sind sie weg. Soviel Leid kann keiner ertragen. Viel wichtiger ist die Frage, ob es genug Leid war, um sie am Ausziehen zu hindern. Mir egal, ob sie aus Mitleid bleiben, oder aus Angst. Hauptsache, sie zahlen pünktlich die Miete.


derwahnsinnhateinennamen - 9. Mai, 11:13

Tipps

ja, ich kann nicht ohne Internet (ist das schon eine Sucht?).

Also, hier ein paar Tipps:

Unser Autor benannte sich nach einer Figur aus dem "Werk" der wohl bekanntesten deutschen Märchensammler. Er ist ein Vertreter der Neuen Sachlichkeit (neben Kästner einer der Hauptvertreter).

Entgegen aller Gerüchte starb er nicht, wie er gelebt hatte, sondern "friedlich" an Herzversagen. Mit achtzehn versuchten er und ein Freund sich mit einem als Duell getarnten Doppelselbstmord das Leben zu nehmen. Während sein Freund starb überlebte er schwer verletzt. Er wurde in die Psychatrie eingewiesen.

Später war er drogen- und alkoholsüchtig und saß wegen Beschaffungskriminalität im Gefängnis. Diese Erfahrungen verarbeitete er in seinen Romanen.

Seine sozialkritischen Werke brachten ihm die Kritik der Nationalsozialisten ein. Er emigrierte jedoch nicht, wie viele seiner Kollegen. Er starb jedoch bevor 1947 bevor sein Buch - das erste, dass sich mit dem Widerstand gegen Hitler beschäftigte - posthum wie so manche seiner Werke veröffentlicht wurde.

Clarissa (anonym) - 9. Mai, 12:21

Es *ist* eine Sucht. Allerdings belege ich derzeit auch jeden Tag Vatterns Rechner, also was soll ich sagen...
Und das Buch kenne ich nicht, sorry.
derwahnsinnhateinennamen - 9. Mai, 11:24

Tipps, die zweite

Unsere Geschichte wurde viermal verfilmt. (1933, 1934, 1967 und 1973)

Seit 1981 stiftet die Stadt Neumünster zu Ehren unseres Autoren einen Literaturpreis.

Unser Roman erzählt von einem jungen Paar in den 20ern. Ungewollt schwanger versuchen die beiden sich in Pommern und später in Berlin durchzuschlagen. Beide werden immer wieder mit der Willkür der Arbeitgeber und ständiger Geldknappheit bzw. Arbeitslosigkeit konfrontiert. Die realistischen Lebensbeschreibungen (inklusive Auftritt der Nationalsozialisten) sorgten dafür, dass der Roman ein Bestseller wurde.

Andrea (anonym) - 12. Mai, 14:59

Erstaunlicherweise kenne ich keine der Verfilmungen.. aber der Autor ist mit ziemlicher Sicherheit Hans Fallada. Und da ich nur einen Buchtitel von ihm kenne, der aber recht bekannt ist: "Kleiner Mann - was nun?"?
derwahnsinnhateinennamen - 12. Mai, 22:31

genau richtig. Sehr schön.

Die Verfilmungen sind auch alle ziemlich alt (und ich kenne auch keine einzige, bei dem DDR Fernsehfilm wäre es auch eine Überraschung)
derwahnsinnhateinennamen - 12. Mai, 22:31

Lösung

Hans Fallada:
Kleiner Mann was nun?
Aus der Sicht von Frau Scharrenhöfer

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