Rätsel Nummero 114

Ich mag meinen Beruf. Wirklich. Ich bin Lehrerin geworden, da ich Kinder liebe. Ich muss es mir nur manchmal ins Gedächtnis rufen. Natürlich ist es viel einfacher, Kinder zu lieben, wenn man sie nicht jeden Tag unterrichten muss. Ein oder zwei – besonders die eigenen – sind viel liebenswerter als dreißig. Besonders wenn der eine die Hausaufgaben vergessen hat, der andere mit seinen klebrigen Händen deine teure und in mühevoller Kleinarbeit vorbereitete Origamivorlage verschmirrt und der dritte dem einzigen Kind, das gerade deinen Ausführungen gelauscht hat, eins auf die Nase gibt. Aber meistens macht mir die Arbiet Spaß. Nur an so Tagen, an denen etwas Besonderes los ist, da nicht so.

Heute zum Beispiel: Ein Klassenfoto sollte gemacht werden. Ich hatte den Kindern gesagt, sie sollten sich schick anziehen. Das wäre eine Erinnerung fürs ganze Leben. Einige hatten das ein wenig zu wörtlich genommen. Brillantine und Hemd ist für einen Grundschüler vielleicht ein wenig zu „erwachsen“. Aber egal. Die Eltern werden es schon wissen. Was aber den Georg geritten hat, in der Marsbewohner-Ausrüstung zu kommen, das werde ich nie verstehen. Na gut, sein Vater ist einer dieser Angeber mit wenig Zeit und viel Geld, der sich die Liebe seines Sohns erkaufen will. Aber so lässt man doch kein Kind zur Schule gehen!!!! Und das Kind ließ sich auch nicht davon abbringen, den Helm abzusetzen. Zu dem Zeitpunkt hatte ich schon die Faxen dicke.

Und dann dieser Fotograph! Dreißig Kinder stoßen, wirbeln und rempeln auf dem Schulhof durcheinander und der erdreistet sich mir zu sagen, wie ich meinen Job machen soll. Ich sollte mich abregen, er wüsste schon, wie man mit Kindern umgeht. Dem hätte ich gerne mal am Ohr gezogen. Solche Männer liebe ich ja. Großkotz zu Anfang und kaum ist läuft nicht alles, wie er sich denkt, klein mit Hut. Der Sonntagsschulpädagoge machte auf verständnisvoll. Als aber sein kindisches „da kommt ein Vögelchen raus“ bei meinen technologieverliebten Kids nicht ankam, da war auf einmal wieder der autoritäre Führungsstil gefragt. Von Kuschelpädagogik zum Bootcamp innerhalb von fünf Minuten.

Es dauerte ewig, bis die Kinder Kisten aus dem Keller geholt hatten, auf die sie sich stellen sollten. Hätte er das vorher gesagt, hätten wir ja etwas vorbereiten können. So durfte ich mal wieder den Spielverderber spielen und die Gespensterjagd unterbinden. Immerhin wollte ich noch ein wenig Mathematik üben. Das Ganze dauerte sowieso schon viel zu lange. Die Verteilung der Plätze ging natürlich auch nicht ohne die üblichen Rangkämpfe ab. Irgendwann heulte die eine Hälfte der Klasse und die andere hätte bis an ihr Lebensende Strafarbeiten schreiben müssen. Meine ganze Kreativität wurde beansprucht. Immerhin kann ich nicht 10x ein Aufsatzthema wie „Warum ich meine Klassenkameraden nicht schlagen darf!“ oder 100x den Satz schreiben „Ich darf mich nicht über die Strafarbeiten meiner Klassenkameraden freuen.“ aufgeben. Allein schon, weil ich keine Lust habe, das Alles zu korrigieren.

Als schon fast die gesamte Klasse mit dem einen oder anderen Thema beglückt war beschloss ich eine Generalamnesie. Natürlich mit pädagogischen Hintergedanken, denn bei den Arbeiten lernten sie ja nichts, weder fürs Leben noch für den Augenblick. Ich bot ihnen für 10 Minuten ruhiges strammstehen die Freiheit an. Sie standen nämlich fast richtig und ich hatte die Hoffnung auf ein Foto noch nicht aufgegeben. Alle waren einverstanden. Eigentlich ist meine Klasse nämlich prima. Sie und ich vergessen das nur manchmal. Aus dem Foto ist leider trotzdem nichts geworden. Der Fotograf war nämlich während der ganzen Irrungen und Wirrungen geflohen. So sind sie, die Sonntagsschulpädagogen. Kein Durchhaltevermögen.


Wer ist unsere Hauptfigur und um welches Buch handelt es sich hier?
derwahnsinnhateinennamen - 2. Mai, 09:43

Tipps, Nr. 1

Unser Autor ist den Meisten wohl aus einem anderen schrifstellerischen Bereich bekannt. Ich wage die These, dass jeder Deutsche (wahrscheinlich jeder Westeuropäer) zwischen 10 und 45 schon mal ein Werk von ihm gelesen hat und jeder zwischen 6-65 eines des Namen nach kennt.

derwahnsinnhateinennamen - 2. Mai, 10:23

Tipps, die 2te

Sympathische "Außenseiter" beherrschen das Werk unseres Autoren. Wobei es keine klassischen Freaks sind - die Hauptfiguren sind wohl in ihrer Gemeinschaft integriert. Allerdings müssen sie sich einer fremden Umwelt stellen. Egal ob in der modernen Zeit oder im römischen Reich, unser Autor glänzt mit zahlreichen Anspielungen und schafft es, ein breites Publikum mit Kalauern aber auch politischem Witz zu ködern.

derwahnsinnhateinennamen - 2. Mai, 10:57

Tipps, Nr. 3

Die Geschichten um unsere Hauptfigur (sie kommt in mehreren Büchern vor) wurden ursprünglich zwischen 1956 und 1964 in einer französischen Zeitung veröffentlicht. Später fanden sie Einzug in eine Buchserie mit sieben verschiedenen Bänden.

Es werden Alltagsgeschichten aus den fünfzigern um einen kleinen Jungen erzählt. Die Tochter unseres Autoren brachte zwei Bände mit verschollenen Erzählungen 2005 und 2006 heraus (unser Autor verstarb 1977 - ironischerweise bei einem ärztlichen Check).

Die Bücher wurden in mehr als 30 Sprachen übersetzt und verkauften sich über 8 millionen Mal.

Jan (anonym) - 2. Mai, 11:44

Ich sag mal: Goscinny: Der kleine Nick. Aus der Sicht der Lehrerin deren Namen ich nicht mehr weiß. Der Aushilfslehrer hieß Hühnerbrüh (Spitzname).
Zeichnungen Sempé glaube ich.

derwahnsinnhateinennamen - 2. Mai, 12:15

richtig - ich glaube, ihr Name wird gar nicht erwähnt (jedenfalls nicht in dem, das ich gelesen habe).

Trackback URL:
http://derwahnsinnhateinennamen.twoday.net/stories/4890684/modTrackback

logo

Der Wahnsinn hat einen Namen

... meinen

Menü

Aktuelle Beiträge

Joker
Schon etwas älter ist die unplugged Version von...
derwahnsinnhateinennamen - 6. Sep, 15:16
Alice im Spin-Off - Land
The L Word: Leisha Hailey wird das Spinoff anführen! Also...
derwahnsinnhateinennamen - 4. Sep, 17:55
Sonnenbrand macht alberner...
Das galaktisch gute Wetter setzte sich Sonntag fort....
derwahnsinnhateinennamen - 4. Sep, 15:38
Sonne macht albern -...
Pünktlich zum M'Era Luna Beginn strahlte die Sonne...
derwahnsinnhateinennamen - 4. Sep, 15:38
Ich schlumpfe alle Schlumpfinen,...
"Ich schlumpfe, es werden auch schlimme Schlümpfe...
derwahnsinnhateinennamen - 4. Sep, 09:56
Rätsel Nummero 168
Vielleicht werden die Leute in unserer vegetarischen...
derwahnsinnhateinennamen - 3. Sep, 00:32
Irreführende Werbung...
Kann man eigentlich die Verfasser von Klappentexten...
derwahnsinnhateinennamen - 3. Sep, 00:30
Wer ist eigentlich das...
Diese Frage stellt sich der Leser bereits nach wenigen...
derwahnsinnhateinennamen - 3. Sep, 00:28
Rätsel Nummero 167
Um welchen Roman handelt es sich hier? Wer ist unser...
derwahnsinnhateinennamen - 31. Aug, 21:58
Song zum Wochenende
Worried About Ray von The Hoosiers Credits: Roseanne1991 Ich...
derwahnsinnhateinennamen - 29. Aug, 18:51

Sexy

Ein Kuss, ein
wenn auch gefakter Orgasmus
führen zu ...
a) Babies?
b) Hochzeit?
c) Sexsucht?
d) Selbstmord?
e) Meine einzig wahre Liebe ist Draco!

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Suche

 

Status

Online seit 523 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 6. Sep, 15:33

Credits

Knallgrau New Media Solutions - Web Agentur für neue Medien

powered by Antville powered by Helma


xml version of this page
xml version of this page (summary)
xml version of this page (with comments)

twoday.net AGB

Web Counter-Modul


Bücher
Cds
Cover(ed)
Filme
Filmmusik
Harry Potter
Identitätskrisen
Leben, Arbeit und ich
Music
Serien
Unplugged
verschlumpfte Filme
Wahnsinniges
Written
You ll never walk alone
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren