Shine A Light
Kann man zu einem Konzertfilm überhaupt eine Kritik schreiben? Vor Allem, wenn es mal kein Biopic, sondern ein richtig klassischer, wie Shine A Light ist? Und wenn ja, was diskutiert man? Die Qualität der Performance? Hey, es sind die Rolling Stones - die machen das seit fast fünf Jahrzehnten! Die Qualität der Songs? Darüber müssen wir auch nicht diskutieren. Die Songauswahl? Ja, die ist ein paar Worte wert. Immerhin gingen die Stones nicht auf Nummer sicher. So hören wir nur ein paar der allseits bekannten Songs und eine gekonnte Auswahl weniger berühmter, dafür umso bissigerer Stücke.
Far Away Eyes
Credits: Horaciow14
Some Girls
Credits: ftemmerm
So demonstriert die Jagd nach der Playlist auch gekonnt das Innenleben der Stones: Mick Jagger – als absoluter Chef im Ring - feilt in akribischer Kleinstarbeit an der perfekten Songliste für die beiden Benefizkonzerte der Clinton Fundation. Der Rest der Band harrt gelassen dem, was da kommen mag. Als Gegenpol tritt Martin Scorsese in Erscheinung. Zwei Perfektionisten prallen aufeinander und nur einer kann, trotz aller Freundschaft gewinnen. Die Stones haben sich ihre Unberechenbarkeit bewahrt.
Scorsese gelingt es trotzdem einen außergewöhnlichen Konzertfilm abzuliefern. Mit vierzehn Kameras und perfekten Licht und Sound zelebriert er die Konzerte, so dass wir fast glauben, dabei zu sein. Es gelingt ihm die unglaubliche Energie Jaggers einzufangen, der den anderen Bandmitgliedern nur bedingt Raum gibt. Andererseits war mir vorher nie klar, wie wichtig z.B. Ron Wood für die Stones eigentlich ist. So verlässt Jagger mehrfach die Bühne, um den Anderen, vor Allem Richards, eine Plattform zu bieten.
Mit minimalistischen Intervieweinblendungen, die durch die Songs kommentiert werden lockert Scorsese den Film auf. Die Machtstruktur und die Geschichte der Stones werden gekonnt angerissen. Trotzdem steht immer die Musik und nicht das Leben der Band im Vordergrund. Die Gaststars C. Aguilera, Jack White und Buddy Guy sind erlesen.
Champagne and Reefer
Credits: siekiera77
Nur Buddy Guy gelingt es jedoch, einen ähnlich starken Eindruck wie die Stones zu hinterlassen. Von Jack White hätte ich ehrlich gesagt etwas mehr erwartet.
Loving Cup
Credits: siekiera77
Aguileras Performance ist auf gewohnt hohem Niveau, trotzdem schleicht sich der böse Gedanke ein, sie wäre mehr als Eyecandy engagiert worden, als als Sängerin.
Live With Me
Credits: Synemu
Interessant ist auch die große Backgroundband der Stones. Neben dem – sehr guten- Bassisten Darryl Jones sind noch Saxophon, Keyboard, 2 Backgroundsänger und drei Blechbläser. Die Stones haben nie behauptet, dass sie überragende Musiker wären. Im Gegenteil: K. Richards gibt gerne zu, dass er und R. Wood lausige Gitarrenspieler sind, im Team aber unschlagbar. Dieses Statement lässt sich problemlos auf den Sound übertragen: gemeinsam mit ihrer Backgroundband bieten sie auch live ein außergewöhnliches Klangerlebnis.
Neben dem musikalischen Erlebnis kann der geneigte Fan sich auch über diverse kleine Gimmicks freuen. So wird der Abgang der Stones wie in einem Hollywoodfilm inszeniert oder wiederholt wird die rasante Fahrt der beweglichen Kamera um die Bühne gezeigt, bevor wir in den Genuss deren Bilder kommen. Diese kleinen Bonbons verbinden mit einem Augenzwinkern Film- und Musikwelt und führen uns immer wieder vor Augen, dass auch ein Konzertfilm ähnlich wie ein Spielfilm funktioniert. Auch hier haben wir Ansätze des klassischen Spannungsbogens: Das Zusammenspiel von Interviews und Songs baut einen roten Faden, ja eine Art Handlung auf, die einzelne kleine Höhepunkte, z.B. Gaststars oder sehr bekannte Songs hat. Scherze, ob musikalisch oder nicht, verlangsamen als retardierendes Moment die „Handlung“. Einen absoluten Höhepunkt mag Shine A Light seinen Zuhörernschauern daher auch nicht anzubieten … der Buddy Guy Auftritt ist dramaturgisch dafür einfach zu früh gewählt.
Ein kleiner Wermutstropfen ist das Publikum der Konzerte. Keiner der Zuhörer, den man im Publikum sieht mag als klassischer Stones Fan durch gehen. Stattdessen wird uns ein gepflegter Haufen durchgestylter, junger Yuppies präsentiert, die anscheinend nicht nur genug Geld für diese Benefizveranstaltung hatten, sondern auch vorzeigbar genug für die ersten Reihen waren. Wenn Jagger einem der 20jährigen blonden Models aufs T-Shirt schwitzt scheinen die sich mehr über ihre Bildschirmpräsenz, als über den bemühten Sexappeal des Altrockers zu freuen. Natürlich jubeln alle gepflegt mit, die Stimmung eines echten Stones Gig schien jedoch in der Halle längst nicht so aufgekommen zu sein, wie auf der Leinwand. And she was hot - einer der besten Songs des Abends ein Schelm wer die Ironie genießt.
Shine A Light ist für Stones Fans und Liebhaber von Konzertfilmen ein Muss. Wer gerne opulente Bilder bei guter Musik genießt und sanfte Ironie zu schätzen weiß, kann bei diesem Film auch nichts falsch machen.
Credits: JonesMackane
Far Away Eyes
Credits: Horaciow14
Some Girls
Credits: ftemmerm
So demonstriert die Jagd nach der Playlist auch gekonnt das Innenleben der Stones: Mick Jagger – als absoluter Chef im Ring - feilt in akribischer Kleinstarbeit an der perfekten Songliste für die beiden Benefizkonzerte der Clinton Fundation. Der Rest der Band harrt gelassen dem, was da kommen mag. Als Gegenpol tritt Martin Scorsese in Erscheinung. Zwei Perfektionisten prallen aufeinander und nur einer kann, trotz aller Freundschaft gewinnen. Die Stones haben sich ihre Unberechenbarkeit bewahrt.
Scorsese gelingt es trotzdem einen außergewöhnlichen Konzertfilm abzuliefern. Mit vierzehn Kameras und perfekten Licht und Sound zelebriert er die Konzerte, so dass wir fast glauben, dabei zu sein. Es gelingt ihm die unglaubliche Energie Jaggers einzufangen, der den anderen Bandmitgliedern nur bedingt Raum gibt. Andererseits war mir vorher nie klar, wie wichtig z.B. Ron Wood für die Stones eigentlich ist. So verlässt Jagger mehrfach die Bühne, um den Anderen, vor Allem Richards, eine Plattform zu bieten.
Mit minimalistischen Intervieweinblendungen, die durch die Songs kommentiert werden lockert Scorsese den Film auf. Die Machtstruktur und die Geschichte der Stones werden gekonnt angerissen. Trotzdem steht immer die Musik und nicht das Leben der Band im Vordergrund. Die Gaststars C. Aguilera, Jack White und Buddy Guy sind erlesen.
Champagne and Reefer
Credits: siekiera77
Nur Buddy Guy gelingt es jedoch, einen ähnlich starken Eindruck wie die Stones zu hinterlassen. Von Jack White hätte ich ehrlich gesagt etwas mehr erwartet.
Loving Cup
Credits: siekiera77
Aguileras Performance ist auf gewohnt hohem Niveau, trotzdem schleicht sich der böse Gedanke ein, sie wäre mehr als Eyecandy engagiert worden, als als Sängerin.
Live With Me
Credits: Synemu
Interessant ist auch die große Backgroundband der Stones. Neben dem – sehr guten- Bassisten Darryl Jones sind noch Saxophon, Keyboard, 2 Backgroundsänger und drei Blechbläser. Die Stones haben nie behauptet, dass sie überragende Musiker wären. Im Gegenteil: K. Richards gibt gerne zu, dass er und R. Wood lausige Gitarrenspieler sind, im Team aber unschlagbar. Dieses Statement lässt sich problemlos auf den Sound übertragen: gemeinsam mit ihrer Backgroundband bieten sie auch live ein außergewöhnliches Klangerlebnis.
Neben dem musikalischen Erlebnis kann der geneigte Fan sich auch über diverse kleine Gimmicks freuen. So wird der Abgang der Stones wie in einem Hollywoodfilm inszeniert oder wiederholt wird die rasante Fahrt der beweglichen Kamera um die Bühne gezeigt, bevor wir in den Genuss deren Bilder kommen. Diese kleinen Bonbons verbinden mit einem Augenzwinkern Film- und Musikwelt und führen uns immer wieder vor Augen, dass auch ein Konzertfilm ähnlich wie ein Spielfilm funktioniert. Auch hier haben wir Ansätze des klassischen Spannungsbogens: Das Zusammenspiel von Interviews und Songs baut einen roten Faden, ja eine Art Handlung auf, die einzelne kleine Höhepunkte, z.B. Gaststars oder sehr bekannte Songs hat. Scherze, ob musikalisch oder nicht, verlangsamen als retardierendes Moment die „Handlung“. Einen absoluten Höhepunkt mag Shine A Light seinen Zu
Ein kleiner Wermutstropfen ist das Publikum der Konzerte. Keiner der Zuhörer, den man im Publikum sieht mag als klassischer Stones Fan durch gehen. Stattdessen wird uns ein gepflegter Haufen durchgestylter, junger Yuppies präsentiert, die anscheinend nicht nur genug Geld für diese Benefizveranstaltung hatten, sondern auch vorzeigbar genug für die ersten Reihen waren. Wenn Jagger einem der 20jährigen blonden Models aufs T-Shirt schwitzt scheinen die sich mehr über ihre Bildschirmpräsenz, als über den bemühten Sexappeal des Altrockers zu freuen. Natürlich jubeln alle gepflegt mit, die Stimmung eines echten Stones Gig schien jedoch in der Halle längst nicht so aufgekommen zu sein, wie auf der Leinwand. And she was hot - einer der besten Songs des Abends ein Schelm wer die Ironie genießt.
Shine A Light ist für Stones Fans und Liebhaber von Konzertfilmen ein Muss. Wer gerne opulente Bilder bei guter Musik genießt und sanfte Ironie zu schätzen weiß, kann bei diesem Film auch nichts falsch machen.
Credits: JonesMackane
derwahnsinnhateinennamen - 20. Apr, 00:03

irgendwie paßte das publikum doch zu den Stones, denn eigenlich sind sie ja selbst ausgefressene millionäre, welche einen auf rocker machen.
grüße