Aufstehen - die Schule ruft - Harry Potter Countdown Nr. 10
Wir haben es fast geschafft - heute beginnt der letzte Tag unseres Harry Potter Countdowns. Ihr habt nur ca. acht Stunden Zeit, bis ein netter Postbote an Eure Tür klingelt (es sei denn, ihr habt Euer Exemplar auf dem Weg von der Disko oder Party nach Hause mitgenommen).
Womit wollen wir uns nun zum Abschied beschäftigen? Vielleicht mit einem der Phänomene, warum Harry Potter so beliebt ist:
Die Internatsgeschichte.
Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber ich bin mit einer Reihe von Internatsgeschichten aufgewachsen:
Internatsgeschichten bedienen den Wunsch aus der vertrauten Umgebung, dem Elternhaus, auszubrechen. Kinder sind in einem geschützten Raum auf sich allein gestellt. Zwar treten Erwachsene als Mentor, Beschützer oder sogar als Feind auf - die Bindung ist jedoch nicht so stark wie zu den eigenen Eltern. Dadurch bekommt das Leben einen Abenteuercharakter. Trotzdem ist die Realität im Internat vertraut. Die Kinder erleben einen Alltag aus gemeinsamen Mahlzeiten, Schule und organisierter Freizeit. Das Leben scheint wesentlich strukturierter zu sein, als in der Familie. An deren Stelle treten Freunde. Die Kameradschaft wird in der Gruppe Gleichaltriger betont. Wahre Freundschaft (Dolly und Susanne, Ron Harry und Hermine, Hanni Nanni und Hilda) und Loyalität gibt hier die notwendige Sicherheit, um sich auszuprobieren. Die Charaktere sind meistens flach gezeichnet und bedienen stereotype Klisches (die jähzornige aber gutmütige Dolly, die faule Evelyn, die gutherzige Nelly, der brutale Goyle, der dumme Crabbe). Einzig die Protagonisten entwickeln sich - durch die Prüfungen, die sie auferlegt bekommen - weiter. Trotzdem ist der Zusammenhalt in der Gruppe (Nordturm, Gryffindor) gegen einen mehr oder minder klar definierten Rivalen oder Feind (Neustädter, Hühner, Slytherins) eines der wichtigsten Elemente.

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Der Leser kann sich mit den Helden identifizieren, da sie einen ähnlichen Schulalltag wie er führen. Allerdings sind Probleme und Lösungen stets überspitzter. So sind die Lehrer offenkundig ungerecht (Snape) oder langweilig (Bims). Die Streiche sind drastischer und funktionieren immeregal, wie ausgelutscht die Idee auch ist (Stinkbomben). Die Wettkämpfe - meistens im Sport (H.P. Quidditch, Dolly Handball, Schreckenstein Leichtathlethik ) oder in anderen Disziplinen (H.P. Hauspokal, Schreckenstein Essrekorde) werden fast immer nach hartem Kampf gewonnen (natürlich nur durch das Mitwirken der Hauptperson).

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Partnerschulen bringen exotische Austauschschüler (bei Enid Blyton stets Franzosen, bei H.P. Franzosen und Bulgaren), die zwar Klischees bedienen, sich aber zum Ende in die Gepflogenheiten der Schule einordnen.
Überraschenderweise wird trotz aller Verstöße gegen Regeln oder Streiche stets zum Ende der Bücher eine Art Status quo wieder hergestellt. Gegen Regeln wird zwar verstoßen - ihr Sinn wird jedoch nie bestritten. Abweichendes Verhalten wird nicht toleriert. So leidet jeder der Protagonisten durch seine Individualität, die von seinen Mitschülern erkannt und bestraft wird (Dolly, Harry Potter, Stefan bei den Schreckensteinern). Der uralte Konflikt eines jedes Teenagers tritt hier zu Tage: Der Wunsch in der Masse als Gleicher unter Gleichen unterzutauchen und gleichzeitig die eigene Individualität zu erkennen und zu pflegen.
Meistens spielt Internatsliteratur in mehreren Episoden über eine Reihe von Schuljahren. Während bei Hanni und Nanni und Schreckenstein die Charaktere sich mit sechzehn noch fast genauso verhalten wie zu Beginn ihrer Schulzeit reifen bei Dolly und der Trotzkopf die Protagonisten. Allerdings tritt das andere Geschlecht auch hier nur in Form von Schwärmerei oder einer wilden Verliebtheit auf. J.K. Rowling nimmt sich die Zeit ihre Charaktere wachsen zu lassen. Sind Harry, Ron und Hermine in den ersten drei Bänden noch Kinder, die sich in einen neuen Schulalltag einzufinden versuchen entdecken sie ab Harry Potter und der Feuerkelch zaghaft ihre Sexualität und das andere Geschlecht. Normalerweise wird dieses Thema möglichst aus der Internatsliteratur ausgeklammert. Annäherung findet in Form von Tanzveranstaltungen im geschützten Raum statt. Ein Kuss ist meistens der intimste Moment - er wird auch nur mit einem Partner ausgetauscht, bei dem eine Verlobung bereits im Raum steht (Dolly). Hermine erlebt erste Frühlingsgefühle mit Viktor Krum. Eine Beziehung von der jedem, einschließlich Hermine, klar ist, dass sie nicht halten kann und wird. Harry verliebt sich Hals über Kopf in die für ihn unerreichbare Cho und erlebt seine erste große Niederlage. Ron führt eine rein körperliche Beziehung mit Lavender Brown, in der er sich ausprobiert, die sein Ego streichelt ihm aber andererseits bereits nach kurzer Zeit völlig nervt. Dies sind sehr reale Teenagerliebeserfahrungen. Außerdem erleben die drei - besonders Harry aber auch Ron in Harry Potter und der Orden des Phönix die Pubertät. Harry fühlt sich - natürlich von den Umständen begünstigt - völlig unverstanden und unwohl in seinem Körper. Er ist zu allen, selbst zu seinen Freunden, die ihn mehr oder weniger unterstützen wollen, unerträglich nervtötend und permanent wütend. Eine solche Phase des Antihelden gönnt kaum ein Autor seinem Helden.

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Ist Harry Potter also nur ein weiterer Internatsroman unter vielen? Ja und nein. J.K. Rowling bedient sich vieler Klischees und Elemente der gängigen Schulliteratur. Allerdings spielt sie auf hohem Niveau mit Sprache und Klischees. Durch Andeutungen, Anspielungen und Symbole zieht sie eine weitere Bedeutungsebene unter die oberflächliche Handlung, die auch Erwachsene ihre Bücher genießen lassen. Die Internatsgeschichte ist eher eine Rahmenhandlung, aufgepeppt mit Fantasy- und Magieelementen, die uns zwischen den Actionsequenzen Zeit zum Ausruhen gibt (und gibt es etwas Schöneres, als Weissagen bei Prof. Trelawney?). J.K. Rowling lässt ihren Protagonisten Zeit. Zeit sich auszutoben, Fehler zu machen und Abenteuer zu erleben während sie langsam aber sicher erwachsen werden und Verantwortung übernehmen.
Der Harry Potter Countdown
Womit wollen wir uns nun zum Abschied beschäftigen? Vielleicht mit einem der Phänomene, warum Harry Potter so beliebt ist:
Die Internatsgeschichte.
Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber ich bin mit einer Reihe von Internatsgeschichten aufgewachsen:
- Burg Schreckenstein von Oliver Hassenkamp
- Dolly von Enid Blyton
- Hanni und Nanni von Enid Blyton
- Der Trotzkopf von Emmy von Rhoden
Internatsgeschichten bedienen den Wunsch aus der vertrauten Umgebung, dem Elternhaus, auszubrechen. Kinder sind in einem geschützten Raum auf sich allein gestellt. Zwar treten Erwachsene als Mentor, Beschützer oder sogar als Feind auf - die Bindung ist jedoch nicht so stark wie zu den eigenen Eltern. Dadurch bekommt das Leben einen Abenteuercharakter. Trotzdem ist die Realität im Internat vertraut. Die Kinder erleben einen Alltag aus gemeinsamen Mahlzeiten, Schule und organisierter Freizeit. Das Leben scheint wesentlich strukturierter zu sein, als in der Familie. An deren Stelle treten Freunde. Die Kameradschaft wird in der Gruppe Gleichaltriger betont. Wahre Freundschaft (Dolly und Susanne, Ron Harry und Hermine, Hanni Nanni und Hilda) und Loyalität gibt hier die notwendige Sicherheit, um sich auszuprobieren. Die Charaktere sind meistens flach gezeichnet und bedienen stereotype Klisches (die jähzornige aber gutmütige Dolly, die faule Evelyn, die gutherzige Nelly, der brutale Goyle, der dumme Crabbe). Einzig die Protagonisten entwickeln sich - durch die Prüfungen, die sie auferlegt bekommen - weiter. Trotzdem ist der Zusammenhalt in der Gruppe (Nordturm, Gryffindor) gegen einen mehr oder minder klar definierten Rivalen oder Feind (Neustädter, Hühner, Slytherins) eines der wichtigsten Elemente.

Copyright: www.hitflip.de
Der Leser kann sich mit den Helden identifizieren, da sie einen ähnlichen Schulalltag wie er führen. Allerdings sind Probleme und Lösungen stets überspitzter. So sind die Lehrer offenkundig ungerecht (Snape) oder langweilig (Bims). Die Streiche sind drastischer und funktionieren immer

Copyright: www.schreckenstein.de
Partnerschulen bringen exotische Austauschschüler (bei Enid Blyton stets Franzosen, bei H.P. Franzosen und Bulgaren), die zwar Klischees bedienen, sich aber zum Ende in die Gepflogenheiten der Schule einordnen.
Überraschenderweise wird trotz aller Verstöße gegen Regeln oder Streiche stets zum Ende der Bücher eine Art Status quo wieder hergestellt. Gegen Regeln wird zwar verstoßen - ihr Sinn wird jedoch nie bestritten. Abweichendes Verhalten wird nicht toleriert. So leidet jeder der Protagonisten durch seine Individualität, die von seinen Mitschülern erkannt und bestraft wird (Dolly, Harry Potter, Stefan bei den Schreckensteinern). Der uralte Konflikt eines jedes Teenagers tritt hier zu Tage: Der Wunsch in der Masse als Gleicher unter Gleichen unterzutauchen und gleichzeitig die eigene Individualität zu erkennen und zu pflegen.
Meistens spielt Internatsliteratur in mehreren Episoden über eine Reihe von Schuljahren. Während bei Hanni und Nanni und Schreckenstein die Charaktere sich mit sechzehn noch fast genauso verhalten wie zu Beginn ihrer Schulzeit reifen bei Dolly und der Trotzkopf die Protagonisten. Allerdings tritt das andere Geschlecht auch hier nur in Form von Schwärmerei oder einer wilden Verliebtheit auf. J.K. Rowling nimmt sich die Zeit ihre Charaktere wachsen zu lassen. Sind Harry, Ron und Hermine in den ersten drei Bänden noch Kinder, die sich in einen neuen Schulalltag einzufinden versuchen entdecken sie ab Harry Potter und der Feuerkelch zaghaft ihre Sexualität und das andere Geschlecht. Normalerweise wird dieses Thema möglichst aus der Internatsliteratur ausgeklammert. Annäherung findet in Form von Tanzveranstaltungen im geschützten Raum statt. Ein Kuss ist meistens der intimste Moment - er wird auch nur mit einem Partner ausgetauscht, bei dem eine Verlobung bereits im Raum steht (Dolly). Hermine erlebt erste Frühlingsgefühle mit Viktor Krum. Eine Beziehung von der jedem, einschließlich Hermine, klar ist, dass sie nicht halten kann und wird. Harry verliebt sich Hals über Kopf in die für ihn unerreichbare Cho und erlebt seine erste große Niederlage. Ron führt eine rein körperliche Beziehung mit Lavender Brown, in der er sich ausprobiert, die sein Ego streichelt ihm aber andererseits bereits nach kurzer Zeit völlig nervt. Dies sind sehr reale Teenagerliebeserfahrungen. Außerdem erleben die drei - besonders Harry aber auch Ron in Harry Potter und der Orden des Phönix die Pubertät. Harry fühlt sich - natürlich von den Umständen begünstigt - völlig unverstanden und unwohl in seinem Körper. Er ist zu allen, selbst zu seinen Freunden, die ihn mehr oder weniger unterstützen wollen, unerträglich nervtötend und permanent wütend. Eine solche Phase des Antihelden gönnt kaum ein Autor seinem Helden.

Copyright: www.ebbemunk.dk
Ist Harry Potter also nur ein weiterer Internatsroman unter vielen? Ja und nein. J.K. Rowling bedient sich vieler Klischees und Elemente der gängigen Schulliteratur. Allerdings spielt sie auf hohem Niveau mit Sprache und Klischees. Durch Andeutungen, Anspielungen und Symbole zieht sie eine weitere Bedeutungsebene unter die oberflächliche Handlung, die auch Erwachsene ihre Bücher genießen lassen. Die Internatsgeschichte ist eher eine Rahmenhandlung, aufgepeppt mit Fantasy- und Magieelementen, die uns zwischen den Actionsequenzen Zeit zum Ausruhen gibt (und gibt es etwas Schöneres, als Weissagen bei Prof. Trelawney?). J.K. Rowling lässt ihren Protagonisten Zeit. Zeit sich auszutoben, Fehler zu machen und Abenteuer zu erleben während sie langsam aber sicher erwachsen werden und Verantwortung übernehmen.
Der Harry Potter Countdown
derwahnsinnhateinennamen - 27. Okt, 00:06

Man kann doch wirklich niemandem mehr trauen. Nicht einmal Dolly.
Rätsel und Abenteuer