Sonne macht albern - M'Era Luna 2007 der Samstag

Pünktlich zum M'Era Luna Beginn strahlte die Sonne auf uns nieder. Den Schlamm und die üblichen Schlaglöcher tapfer ignorierend - waren die nicht letztes Jahr auch schon da? - kämpfen wir uns auf den Parkplatz vor.

Für die Eiligen unter Euch:

Das Wichtigste in Schlagzeilen

Positivste Überraschung Down Below

Größte Enttäuschung And One

"Life is live" Award (Beste Performance) Suicide Commando

"I'm so bad baby" - Award Dir En Grey

Down Below

Down Below

Unser Ziel ist der Hangar. Düstere Gitarren und ein charismatischer Frontman warten Down Below auf. Und gleich zu Anfang eine der Überraschungen des Festivals. Sowohl Performance als auch Sound ist toll. Der Sänger ist extrem charismatisch. Singen kann er auch noch. Was will man mehr? Viel zu früh ist das Set zu Ende. Schade.

Nun geht es auf die Hauptbühne. Jesus On Extasy gelten immerhin als eine der Newcommerbands des Jahres. Outfit und Sound sind grau. Aber viele kleine schwarze Girlies sind da und jubeln. Tokio Hotel in schwarz pardon grau. Zwischen Studioaufnahme und Liveauftritt liegen leider Welten. Bisher die Enttäuschung des Festivals.

Inzwischen haben wir bereits die Meisten unseres schwarzen Freundeskreis getroffen und gehen erst mal einkaufen. Hier setzt sich übrigens der Trend der Vorjahre fort. Es gibt immer eine Farbe, die neben dem obligatorischen schwarz getragen wird. Daran erkennt man die wahren Modeikonen. Letztes Jahr war es Neonpink. Dieses Jahr ist es ein Neonblau.

Unabhängig davon geben natürlich auch die jeweiligen Bands einen Ton vor. Dank And One setzten ca. 10 % aller Jünger orange Farbtupfer oder gibt es doch noch als verstecktes Easter Egg einen Auftritt von Funker Vogt?. Die Verkäufer sind jedoch eher konservativ: Schwarzes in Lack und Leder mit viel Metall herrscht vor. Komischerweise zumeist entweder in XS oder XXL.

Der absolute Hit waren übrigens Nightmare before Christmas Converse. Ich konnte nur schwer widerstehen, ich gestehe es.

Pain

Pain

Pain traten am frühen Nachmittag im Hangar mit ihrer neuen CD Psalm of extinction an. Industrial Rock vom Feinsten. Peter Tatgren bekommt - trotz Gitarrenriffs - das durch Elektrobeat "verwöhnte" Publikum innerhalb Minuten zum Tanzen. Witzige Keyboards, harte Riffs und ein phänomenaler Gesang - so kann es weitergehen.

Nun beginnt das Warten. Assemblage 23 stehen im Stau. Dafür spielen Client schon mal. Gähn. Gepflegte Langeweile.

Assemblage 23

Assemblage 23

Endlich hat der Verkehr ein Einsehen und entlässt Tom Shear und Co. auch als Assemblage 23 bekannt OK, ich kannte die vorher auch nicht, aber das will nichts heißen aus seinen Klauen. Obwohl Elektro meiner Meinung nach auf der Hauptbühne immer ein wenig an Dynamik verliert machen die drei ihre Sache sehr gut. Der Sound stimmt. Tom singt und schreit sich die Seele aus dem Leib. Rock'n Electrol.

Covenant und damit ein weiterer Schwarm kreischende Mädchen treten auf. Wir bringen es nicht übers Herz uns zur Bühne durchzudrängeln ... also keine Fotos. Die Musik ist allerdings vom Feinsten.

Anschließend werde ich von allen guten Geistern - bis auf Annika, die tapfer aushält - verlassen. Ich beschließe mir wirklich das japanische Mangakunstwerk Dir En Grey anzusehen.

Dir En Grey

Dir En Grey

Und unterhaltsam sind sie auf jeden Fall. Ca. 3 Songs lang. wir rätseln, wie aus einer so kleinen Person solche Töne kommen können. Der Sänger deckt von Falsett bis Gegrunze alle Stimmlagen ab. Leider wird jede Melodie innerhalb kürzester Zeit erstickt. Ebenso wie jede Songstruktur. Die Performance ist komisch, wiederholt sich aber. Der Sänger gibt alles, schreit, reißt sich das Hemd vom Leib, schneidet sich mit einer Rasierklinge, zerstört sich als Kunstwerk und gleichzeitig leider auch jeden Song. Denn in kurzen Momenten zwischendurch blitzt auf, dass die Japaner auch wirklich ihre Instrumente beherrschen und der Sänger zu soviel mehr fähig wäre.

Irgendwann steht jede Band vor der Frage: Stelle ich die Provokation um jeden Preis in den Vordergrund oder will ich auch musikalisch etwas bewegen. Dir En Grey haben sich bisher leider auf den ersten Weg verständigt. So wenden sich alle, die die 15 etwas weiter hinter sich gelassen haben auch bald ab. Wir haben sowas in verschiedenen Varianten schon gesehen.

ein kleiner Ausschnitt, der aber einen ganz guten Eindruck der Performance bietet.


Vielleicht sinnbildlich Annikas Gesichtsausdruck...

Annika

Aber es ging auch besser...


Annika vor Schandmaul

immerhin kam anschließend ihre Band ... Schandmaul stürmten die Bühne.

Schandmaul

Schandmaul

Gewohnt souverän präsentierten sie vor Allem neue Titel. Der Trend zu in den Vordergrund rückenden E-Gitarren scheint in der Mittelalterszene ungebrochen. Bereits bei In Extremo und wohl am Stärksten bei Subway To Sally, die auf der Nord Nord Ost schon fast wie eine Metalband klangen, lies sich im Großen dies schon beobachten. Schandmaul gehen zum Glück nicht so weit. Der Ton ist jedoch rauher geworden. In einer Stunde schaffen sie es uns von der Gänsehaut über Gesangseinlagen alles abzuverlangen. Wie immer ein Live-Erlebnis.

And One

And One

Anschließend treten - sollte man dem Trend der vorherschenden T-Shirts folgen - die heimlichen Headliner auf. And One siedeln sich mit ihrer aktuellen Single So klingt Liebe irgendwo zwischen Ereasure und Claudia Jung an. Allerdings scheint sich der gemeine And-One-Fan - stilvoll orange - schwarz gekleidet das neue Motto noch nicht zu Herzen genommen zu haben. Bei keiner anderen Band drängen sich so viele junge Männer ohne Rücksicht auf Verluste durchs Publikum. Optisch (im weißen Anzug) und musikalisch sind And One unbestritten gut. Allerdings zerstören sie durch ihre unglaubliche Arroganz alles. Ein wenig mehr Selbstironie oder auch Distanz ja klar, du bist der wahre Peter Spilles würde den Schaffern von Tanz der Arroganz gut stehen. So wirken sie nur selbstverliebt und unsympathisch. Leider eine Enttäuschung auf der ganzen Linie.

Bünenbild Suicide Commando

Deko bei Suicide Commando

Wir begeben uns - übrigens seit Schandmaul in Komplettbesetzung - wieder in den Hangar. Bei Suicide Commando verspricht es voll zu werden. Und richtig. Bereits zehn Minuten vor Beginn kommt man kaum nach vorne. Leider ist es so dunkel, dass außer der Deko kein brauchbares Foto geblieben ist. Es war unglaublich. Der Hangar tobte - und tanzte teilweise lebensgefährlich - sowohl für den Körper, da der Mann vor mir anscheinend seinen Tanzstil Mike Thyssen abgeguckt hatte, als auch für die Lachmuskeln, da der perfekt durchgestylte Jünglin neben ihn mit angewinkelten Armen wakelnd eine imaginären 3 qm Kreis abschritt.

Die Bühne wurde von einer großen Leinwand dominiert auf der verstörende Filme liefen. Sie wurden durch Texteinblendungen ergänzt. Gar nicht schlecht, da die verzerrte Stimme von Johan van Roy nicht immer zu verstehen ist. Allerdings ist der Sound so dicht, dass man ihn körperlich zu spüren scheint. Pure Aggression, die von den Lichtblitzen noch geschürt wird. Es gibt nur zwei Möglichkeiten - tanzen oder fliehen. Als das Adrenalin nach dem Auftritt langsam wieder den Körper verlässt fühlen wir uns ausgepumpt aber gut. Selbst unsere - inzwischen wie die Hölle schmerzenden Füße, haben wir nicht mehr gemerkt. Ja, daran merke ich, dass ich alt werde. Zwölf Stunden Stehen ziehen nicht mehr spurlos an mir vorbei.

Wir warfen zwar noch einen kurzen Blick auf den Hauptact auf der Bühne, die Haudegen von Tool (nett, löste aber keine Begeisterungsstürme aus), aber gegen zehn strichen wir für Samstag die Segel und fuhren wieder nach Hannover.


PS: 2007: der Sonntag
2008 Samstag und Sonntag

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