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Donnerstag, 5. November 2009

Toyboy (Spread)

Elementare Fragen beim Blick auf die ersten 15 Minuten von Spread: du kennst sie aus Men in Trees (auch wenn sie jetzt die Hälfte wiegt - erschreckend) - ach genau Anne Heche. Moment mal, sie spielt welche Rolle? Ältere reiche Frau, die einen Toyboy braucht? In Hollywood ist also 40 die magische Grenze? Eine Frau mit dem Geld und Aussehen bekäme problemlos fast jeden Mann.

Aber gut. Wir sehen also Anne Heche und Ashton Kutcher in diversen Positionen an diversen Orten vögeln, immer innerhalb der 16er Freigabe natürlich. Da beide Figuren total unsympathisch sind und jegliche Atmosphäre fehlt entlockt das allerdings bald nur noch ein müdes Gähnen. Ach, Kutchers Figur Nikki vögelt natürlich auch sonst noch jede, die nicht bei drei auf den Bäumen ist. (Geschäftsschädigend, aber 90 Minuten Heche & Kutcher wäre wohl auch für eingefleischte Fans zu viel gewesen.) Mal wieder der typische L.A. Lifestyle aus Hollywood: Schöne Menschen führen ein oberflächliches Leben mit viel Sex.

Natürlich verliebt sich dann in eine hübsche Kellnerin - die den gleichen Lifestyle hat wie er, kein Geld, aber reiche "Freunde". Jede Minute des Films ist genauso wie erwartet - sofern man das nach 15 Minuten sagen kann. Danach sind wir nämlich gegangen. Die Piratin schlief neben mir fast ein, der Film war sterbenslangweilig, jeder Witz bereits gesehen, die Story so routiniert, die Moral mit genug Voyorismus unterlegt... (wenn man sie ernst nehmen würde könnte man ja keine solchen Filme mehr drehen) Tja, Sneaks sind halt Glückssache.

Hätte man Kutchers Figur mit ein wenig Selbstironie angelegt und einen wirklich verzweifelten, dramatischen Helden daraus gemacht, ja, selbst seinen Zynismus mehr in den Vordergrund gerückt - es hätte ein interessantes Drama werden können. Meinetwegen auch mit ein paar saftigen Sexszenen. So zelebriert sich Hollywood mal wieder in einem seichten vorhersagbaren Film selbst. Er ging nicht nur bei den Kritikern sondern auch beim Publikum unter. Ich denke, ein Direct to DVD wäre hier angemessener gewesen. Aber vielleicht zieht hierzulande der Name Ashton Kutcher doch noch irgendjemand in die Kinos. Man wird halt nur aus Schaden klug.



Credits: watchCulturetainment

Depeche Mode in Hannover

Der O-Ton in der Bahn war ziemlich eindeutig - die letzte CD musste ich mir vorher noch ein paar Mal anhören, bis auf Wrong... Und so hofften wir alle auf einen guten Mix alter Hits und waren bereit, die neuen höflich zu beklatschen. Schon in der Bahn konnte man erkennen, dass wir voll im Trend lagen. Der moderne Depeche Mode Fan ist zwischen 25 und 40, halbwegs solvent (bei Kartenpreisen von durchschnittlich 75 Euro) und trägt schwarz bzw. ein T-Shirt einer früheren Tour. Wir sind halt Wiederholungstäter. Ich war wohl die einzige DM Jungfrau in unserer illustren 6er Runde.

Depeche Mode fingen ziemlich schwach an. Es ist immer schwierig, mit neuen Songs zu beginnen, aber sowohl bei In Chains als auch bei Wrong, dem die brachiale Wut der Albumversion fehlte, oder Hole to feed wollte der Funke nicht überspringen. Gahan tobte wie ein Derwisch über die Bühne aber die Energie verpuffte irgendwo zwischen Reihe 30 und uns. Zu diesem Zeitpunkt habe ich mich ernsthaft gefragt, ob ich nicht zu viel für die Karte ausgegeben habe. Gut, die Show war exzellent durch cheografiert, die Videos- bzw. die Lichteffekte sogar manchmal ein wenig zu viel, so dass man nach einer Zeit dankbar war, wenn ein weniger ausgeleuchteter Song kam und der Fokus auf der Musik lag. Auch war die Soundabmischung ein wenig unglücklich, das Schlagzeug war extrem laut und gerade Gahan hatte zwischendurch Probleme, gegen die Soundwände anzusingen. Seine Rockigere Live Interpretation, die wesentlich "quäkiger" ist, als auf den Alben, mag auch der Lautstärke geschuldet sein.

Als hätten sie es geahnt, begann danach aber das wirkliche Konzert. Immer wenn Gore das Mikro ergriff war es Emotion pur. Bei Dressed In Black oder Home hätte ich fast geheult. Das Publikum war gefangen. Anschließend war es Party pur, auch wenn der Übergang zwischen einigen Songs ziemlich hart war. Im Korsett der alten Songs kamen nun auch neue Songs wie Miles Away gut. Die Funkgitarren bei Enjoy the silence oder die dreckige Version von Personal Jesus allein waren alles Geld wert. Ansonsten waren Question of lust, Stripped oder das verspielte Policy of truth sowie behind the wheel noch echte Highlights.

Nach 20 Songs und knapp zwei Stunden Spielzeit hatten sie natürlich nur einen kleinen Querschnitt aus ihrer Spielzeit gegeben, aber es war ein richtig gutes Konzert geworden. Ich werde bestimmt nicht zum Hardcore Fan werden, und noch in diverse andere Städte für sie reisen (obwohl, wenn Ladytron als Vorband dabei ist...), aber wenn sie noch mal hier in der Nähe sind, und die Karten erschwinglich...



Credits: michaelpeter909

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