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Mittwoch, 28. Oktober 2009

Vier Äpfel

Ein Mann kauft ein. Obst, Honig, Aufschnitt, Wachmittel ... zu allen Produkten fallen ihm Anekdoten, die er erlebt, gelesen oder gesehen hat ein. Assoziativ verknüpft 1000 Gedanken seines Protagonisten, der seine Zeit im Supermarkt tot schlägt, um nicht nach Hause zu müssen. Ein großes Kind, das sich von jedem Geruch, jedem Eindruck ablenken lässt. Konsumverhalten als Lebenssinn in einer Welt, die die da draußen zwar abbildet, ihre Geschöpfe aber dennoch vor zu menschlicher Nähe schützt.

Vier Äpfel, Cover via Amazon

Wir erfahren in diesem ereignislosen Roman viel über den Protagonisten, seine Sicht der Welt, seine verflossene Beziehung, seine Bindungsängste, seine Kindheit ... wir bewundern den Stil, die Verknüpfungen und irgendwann, so ab Seite 100 beginnen wir auf das Ende hin zu schielen. Allerdings dauert es noch knapp 50 Seiten, bis der Protagonist endlich der Frau mit dem Sommerkleid, unter dem sich der BH, aber kaum der Slip, pardon die Unterhose, denn Slip sagt die verflossene L. ja nicht, zeigt, zur Kasse folgt. Die hat zwar nicht den idealen Inhalt des Einkaufswaren, aber wir sind doch sehr froh, als alle die entscheidende Unterschrift unter den Kassenbon gesetzt haben - schließlich hätte Wagner seinen Helden ja auch für ein Großfamilie einkaufen lassen können, das hätte noch ein paar Schleifen durch den Supermarkt und bestimmt 300 Seiten mehr bedeutet. So verlassen wir den geschriebenen Kunstfilm, der uns einmal mehr, wenn auch streckenweise unterhaltsamer, die Nichtigkeit des Seins und die Kritik an mexikanischem Honig mit schweizer Alpenbild vor Augen geführt hat, und lassen Wagners Protagonisten mit dem Wissen anheim, etwas für den Literaturkritiker in uns und zur Beweihräucherung unserer Künstlerseele getan zu haben. Denn nun, habe ich für mein Teil einfach nur Lust auf einen völlig unliterarischen Krimi.

Wagner, David
Vier Äpfel
Rowohlt Verlag
158 S.
ISBN 3498073680
17,90
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