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Dienstag, 4. August 2009

Mumien, Schrumpfköpfe und das leidige Zölibat

Mit Grabkammer hat Tess Gerritsen den siebten Fall ihres Ermittlerduos Rizzoli und Isles vorgelegt. In einem Bostoner Museum wird eine Mumie gefunden. Leider weist die Zahnfüllungen und eine Kugel im Bein auf - ein Fall für die Gerichtsmedizin. Schnell wird klar, dass ein Serienmörder Frauen quält und kunstvoll einbalsamiert.


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Nach Leichenraub waren meine Erwartungen ausgesprochen niedrig. Dafür hat mich der Thriller positiv überrascht. Das Versteckspiel um die junge Archäologin und ihre Mutter ist wirklich spannend. Leider gibt es eine Reihe von Abzügen in A, B und C Note:
  • Maura Isles tritt kaum als Ermittlerin sondern fast nur als verzweifelte Geliebte (und Köchin) für ihren angehimmelten Pastor in Erscheinung.
  • Rizzoli scheint sich auch eher um Frosts Ehe als um den Fall zu sorgen - falls sie nicht gerade über die ihrer Eltern nachdenkt.
  • Endlose archäologische Erklärungen - jede Frage artet in einen Lexikonartikel über Schrumpfköpfe, Ausgrabungen oder Mumien aus - Gähn.
  • Holzhammer: Alles wird ausgesprochen, der Leser soll auf keinen Fall denken müssen.
Immer, wenn Josephines Leben oder Ängste beschrieben werden ist das Buch ausgesprochen spannend - wenn es zu den Ermittlungen zurück kehrt kann gepflegt gegähnt werden. Ich mag normalerweise auch die kleinen privaten Geschichten um ein Ermittlerteam. Es lässt es menschlicher Erscheinen. Aber langsam fühlt man sich bei Isles und Co. wie in einer Telenovela. Weniger ist da eindeutig mehr.

Buchstäblich an den Haaren wird ihre spätere Beteiligung herbei gezogen, als der Täter die des Opfers in Isles Garten ablegt. Die Lösung, die sich schnell abzeichnet, ist dann auch ausgesprochen banal (und nicht wirklich plausibel).

Ein durchschnittlicher Krimi mit spannenden Passagen.

Gerritsen, Tess
Grabkammer
LIMES
413 S.
9783809025405
19,95

Rätsel Nummero 235

Auch wenn diese Kategorie im Augenblick ein wenig unter Zeitmangel (meinerseits) und Beteiligungsmangel (eurerseits) leidet, möchte ich doch ungern darauf verzichten.

Wie immer wird eine Geschichte aus einer anderen Perspektive, als im ursprünglichen Roman, erzählt. Ich möchte von Euch den Autoren, die Geschichte und - als Sahnehäubchen - den neuen Erzähler erfahren.

Mein Vater ist nie gestorben. Henoch wurde von Gott zu sich genommen. Ich sah ich zu seinem Felde gehen, als die Hand Gottes herabkam und ihn in die himmlischen Höhen entführte. Er war ein gerechter Mann und wandelte mit Gott. Ich hoffe, dass mein Leben ähnlich zu Ende geht.

Knapp neunhundertneunundsechzig Jahre wandele ich nun auf dieser schönen Erde. Mein Körper mag alt und abgemagert sein. Niemand ahnt mehr, dass ich in meiner Jugend ein kräftiger Mann war. Vielleicht kann sich Naama daran erinnern. Oh, es ist schon Jahrhunderte her, das ich mich nach ihr verzehrt habe. Schon damals gab es Gerüchte, dass sie nicht die Tochter von Lamech und Zilla, sondern das Kind eines gefallenen Engels wäre.

Später verschwand sie. Gerüchte besagten, dass sie sich den Dämonen angeschlossen hatte. Ich wollte ihnen nie Glauben schenken, bis sie kam, um mich in Versuchung zu führen. So fiel ich, dessen einzige Sünde mein Verlangen nach ihr gewesen war, anch neunhunderneunundsechzig Jahren. Ich floh mit ihr in die Stadt Kains, um ihr Liebhaber zu werden. Sie enthüllte mir die Geheimnisse des Himmels und der Erde.

Mein Vater Henoch war von Gott zu seinem obersten Engel, zum Metraton erhoben worden. Sie erzählte mir, dass Gott alles verbot, was Männern und Frauen Vergnügen bereitet, da er selbst impotent und seine Frau frigide wäre. Als Beweis für seine Unzulänglichkeiten führte sie die Prophezeiung von der Arche an. Mein Enkel Noah lebte nun schon mehrere hundert Jahre und kein Regen schien die Anstrengungen für den Bau seiner Arche zu rechtfertigen. Die Sinnflut sei nur eine leere Drohung, um die Söhne Adams gefügig zu machen.

In den Versammlungen ihrer „Weisen“ erhoben sie Mord, Brandschatzung und Sünde zur höchsten Kunst. Ich aber fühlte mich von ihrem Geschrei belästigt. Weinen und Jubeln klang gleich schrill in meinen Ohren. Für ihre Lustbarkeiten war ich zu alt. Ich sehnte mich, nach meinem ruhigen Leben im Kreis meiner Enkel und Urenkel zurück. Zum ersten Mal seit neunhundertneunundsechzig Jahren hatte der Tod seinen Schrecken verloren. Ich flehte meine Geliebte an, mich zurück zu bringen.

Als ich von Gottes Seite auf meinen toten Körper herunter blickte, fielen die ersten Regentropfen auf die Erde.


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