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Mittwoch, 3. Juni 2009

Der Täuscher

Jeffery Deaver ist einer der wenigen Serienmörderersinner, der seine Leser nicht in eimerweise Blut, Leichenfledderei unter dem Deckmantel quasiwissenschaftlicher Autopsie, die jede Zelle zum Beweismittel deklarieren erstickt. Er zieht sich dezent zurück, wenn es ans eigentliche Morden geht. Trotzdem gelingt es ihm, einen unglaublichen Horror in Der Täuscher herauf zu beschwören, denn diesmal scheint wirklich jeder als Opfer denkbar.

Der Täuscher

Der Täuscher verfügt über einen scheinbar unglaublichen Datenpool, der uns aber bei näherer Betrachtung gar nicht mehr so futuristisch erscheint. Payback, GPS, Handy und Internet lassen von uns eine Vielzahl von Spuren zurück, die eigentlich nur gebündelt werden müssen. Sollte ein Datenanbieter groß genug sein, all diese Informationen zu bündeln und eine der vielen Analyseprogramme darüber laufen zu lassen, dann erscheint das Szenario ausgesprochen realistisch.

Der Täuscher an sich bedient sich dem einfachen menschlichen Verhalten, anderen Menschen zu vertrauen, die ähnliche Interessen und Lebenssituationen haben, wie man selbst. Der andere scheint ausrechenbar zu sein das Vertrauen sicher. Wie kann er oder sie ein schlechter Mensch sein, wenn er die gleichen Sachen liebt wie ich?

Und so beginnen Lincoln Rhyme und Armelia Sachs einem Datenphänomen hinterher zu laufen, dessen Taten sie zwar ebenfalls anhand von den gefundenen Spuren und Daten vorhersagen können, dem sie sich aber ansonsten kaum nähern können, da er immer wieder mit seinen "Verdächtigen" verschmilzt. Eine weitere, fast noch bedrohlichere Spur von Verbrechen zieht der Täuscher ebenfalls hinter sich her - für jedes seiner vielen Opfer präsentiert er der Polizei einen perfekten Verdächtigen samt forensicher Beweise. So werden unschuldige verurteilt ohne je eine Chance auf Rehabilitation. Das perfekte Verbrechen.

Der einzige kleine Minuspunkt in diesem spannenden Roman ist die seitenlange Auflistung des Ermittlungstandes, das dem Leser die Chance geben soll, selber mit zu raten. Dies macht Deaver jedoch wieder gut, indem er mit ein paar Kniffen doch einen wirklich ungewöhnlichen Verdächtigen zum Schluss präsentiert, auf den das Ermittlerduo er aus Zufall stößt. Da der Verdächtigste vorher schon als Spion der Regierung entlarvt worden war und sich mein Tipp ach als unschuldig heraus stellte eine wirkliche Überraschung.

Fazit: Ein wirklich guter Krimi, der subtil eine Gefahr aufzeigt und auch den letzten über die Datenspur, die er oder sie quer durchs Internet zieht nachdenken lassen sollte. Egal ob ihr nichts zu verbergen hat - wer weiß, wer bei euch etwas verbergen möchte. Ach ja, akzeptiert einfach den etwas behäbigen Anfang. Es lohnt sich.

Deaver, Jeffery
Der Täuscher
Blanvalet
544 S.
ISBN 978-3764502966
19,95

Happy End ohne "Sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage"

Mädchen trifft Junge - beide stellen fest, dass sie viel gemeinsam haben. Beide verlieben sich. Eine hundertmal erzählte Geschichte. Was ist aber an Once anders?



Credits: Miniboy17

Once erzählt die Geschichte eines namenlosen Straßenmusikers, der tagsüber im Staubsaugergeschäft seines Vaters Staubsauger repariert und abends seine eigenen Songs in der Fußgängerzone von Dublin spielt. Er trifft auf ein namenloses Mädchen, eine Pianistin, die vor einer schiefgegangenen Ehe mit ihrer Mutter und ihrem Kind aus Tschechien geflohen ist und sich nun mit Gelegenheitsjobs (Blumenverkäuferin, Putzfrau) durchs leben schlägt. Sie ermuntert ihn dazu, seinen Traum zu verfolgen und endlich ein Demo aufzunehmen. Gemeinsam mit anderen Straßenmusikern entern sie ein Studio. Doch beide sind nicht frei für eine Beziehung. Er trauert noch immer seiner großen Liebe hinterher, sie ist verheiratet. Doch gerade das unausgesprochene, macht den Film so spannend. Gefühle werden nicht durch Küsse, Berührungen oder gar Sex dargestellt. Es sind Blicke und Songs, die trotz der räumlichen Distanz alles sagen.

So sind die Bilder grobkörnig realistisch. Wir sehen ärmliche Wohnungen, Menschen, die ihre Träume dadurch ausleben, das sie eine Stunde am Tag in einem Klaviergeschäft üben dürfen oh schlechtes Gewissen. Gleichzeitig arbeitet Regisseur John Carney mit Humor, so als das Mädchen versucht, den Straßenmusiker zu überzeugen, ihren Staubsauger zu reparieren und ihn wie einen Hund in der Innenstadt hinter sich her zieht. Oder im Audiokommentar zum Soundtrack, als die Szene im Klaviergeschäft als Metapher für Sex "entlarvt" wird - also doch kein jugendfreier Film. Und natürlich der Song, indem er ihr erklärt, was aus der Frau geworden ist, für die er alle Songs schreibt (Broken Hearted Hoover Sucker Guy).

Das schönste an Once ist aber vielleicht sein realistisches Ende - jenseits von Klischees enthüllt es in seiner Offenheit eine sehr viel schönere Romantik, da es für beide Seiten einen Aufbruch und Hoffnung gibt - allerdings nicht so, wie es der Film vorher hat erwarten lassen.

Die Playlist des Soundtracks auf Youtube.

New Moon - Trailer

Bei den MTV Awards wurde der finale Teaser vom zweiten Teil der Twilight-Saga vorgestellt:

New Moon



Credits: MTV

Und endlich werden wir Jacob ein wenig besser kennen lernen...

Was haben Unchained Melody, Good Morning Vietnam und Endstation Sehnsucht gemeinsam?

Alex North (*1910 +1991) war wohl einer der wenigen Komponisten, die gegen den Trend lebten. Als Kind russischer Einwanderer in Chester geboren studierte er in Moskau Musik. 1936 wieder zurück arbeitete und lernte er mit Copelandund Toch . North begann für Ballettaufführungen zu komponieren. Er arbeitete für Martha Graham und schloss sich dem Federal Theatre Project an. Seine Arbeiten brachten ihm Aufträge der Industrie zu Dokumentarfilmen ein für die er gut 80 Scores komponierte.

Elia Kazan brachte North nach Hollywood. Er setzte seine Verpflichtung zu A Streetcar Named Desire durch. Mit seinem anspruchsvollen jazzig orchestrierten Score der sich auf Gefühle und nicht auf Figuren konzentrierte wurde sein erster großer Erfolg.

Obwohl 15x für den Oscar nominiert erhielt er ihn nie. Sein größter kommerzieller Erfolg war der Hit Unchained Melody, der von gut 500 Interpreten gecovert wurde.

Die wohl bekannteste Version der Righteous Brothers:



Credits: tapirul

Berühmte Scores



The Rose Tattoo


Eine Witwe aus Sizilien versucht in Amerika über ihren Verlust hinweg zu kommen. North greift das Thema mit sizilianischer Volksmusik auf, die er mit amerikanischem Jazz- und freien konzertanten Rhythmen ergänzt.

Der Regenmacher

Da der Film von einem Musical inspiriert worden war entwickelte auch North so, als könnte er für eine Broadwayaufführung bestimmt sein. Die einzelnen Songs orientieren sich an den kantigen Charakteren sind jedoch, mit Ausnahme der dramatischen Szenen, eher einfach gehalten.

Spartacus

Bei dem Historiendrama ging North ein großes Risiko ein - statt auf antike Instrumente zurück zu greifen konzentrierte er sich auf das Themen Freiheit und Menschenwürde. Er zitierte bekannte Stile der römischen Zeit, z.B. den antiken griechischen Fünfachteltakt in seinem leichtem Jazzstil. In einem epischen Score setzte er Instrumente wie Vibraphone, Marimba-Trommeln oder ein chinesisches Glockenspiel ein.

Opening Title
Love Theme

Cleopatra

Bei seinem zweiten Historienfilm war die Instrumentierung des Scores noch ausgefallener, als bei Spartacus. So kombinierte er bei der Krönigungszeremonie Tischglocken, Kuhglocken, fünf hängende Zymbeln, fünf Triangeln und fünf kleine Gongs. In einer anderen Sequenz spielt die komplette Saxophonfamilie (Sopranino, Sopran, Alt, Tenor, Bariton, Baß und Kontrabaß). Im Gegensatz zu Spartacus ist der Score milder und exotischer - er erzählt vom Drama abseits von Schlachtfeldern.

Wer hat Angst vor Virginia Woolf

North selbst hatte große Schwierigkeiten, sich dem Film musikalisch zu nähern. Nach der ersten Vorführung versuchte er gar den Regisseur Mike Nichols auf einen Score zu verzichten, da er so brillant und kompakt wäre, dass er kaum Musik nötig habe. Da dieser zum Glück anderer Auffassung war versuchte sich North über Jazz oder Zwölfton-Musik dem Thema zu nähern schlussendlich ist es ein sanfter Score geworden, bei dem die Streicher die Tristesse der Ehe vertonen gegen die einzelne Instrumente Harfe oder ein angejazztes Saxophon anspielen. Der Score bietet einen harten Kontrast zu den Streitereien, die auf dem Album eingeblendet werden.

2001 Odyssee im Weltraum

Eine traurige Berühmtheit erlangte North als er in den bisher wohl größten Filmmusikskandal verwickelt wurde. Kubrick engagierte ihn für einen Score für 2001: Odyssee im Weltraum. Während der Dreharbeiten arbeitete der Regisseur mit Temp Tracks von György Ligeti, Richard Strauss und Aram Chatschaturjan. Die Kombination von Bildern und Klang gefiel ihm so gut, dass er beschloss, auf einen Score zu verzichten. Leider vergaß er, North von seiner Entscheidung in Kenntnis zu setzten, so dass dieser im Kino überrascht wurde.

Das eigentlich tragische ist, das North die Begeisterung Kubricks für die Temp Tracks erkannt haben muss, so sind in seinem Original Score deutliche Anleihen von Also sprach Zarathustra zu hören.

Ausschnitt

Ehre der Pizzis

Eine der vielen Zusammenarbeiten mit John Huston. North baute die Partituren italienischer Opernarien in seinen Score ein, um die Komik der einzelnen Szenen zu unterstreichen. So erscheint der Score auch eher eine Zitatesammlung zu sein - trotzdem, ebenso wie der Film ein angenehmer Zeitvertreib.

Quellen:

Thomas, Tony: Filmmusik: Die großen Filmkomponisten - ihre Kunst und ihre Technik

Wikipediaeintrag Alex North

IMDB Eintrag Alex North
HR Online - Spiel mir das Lied vom Film Teil 3 Alex North
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