Ein Kunde reicht mir mit ironisch leidender Miene einen Zettel über den Schreibtisch: "Ich muss dieses Buch für meine Freundin mitbringen!"
die Entscheidung liegt bei dir - Wege aus der alltäglichen Unzufriedenheit von Sprenger
Vielleicht sollte er es lesen … es könnte sein Leben verändern.
derwahnsinnhateinennamen - 14. Apr, 15:19
Ich lernte ihn auf einer dieser Partys offiziell kennen, die so typisch für die letzten Tage des Regimes waren. Mit Drogen und Alkoholexzessen versuchte die herrschende Klasse ihre Abhängigkeit von der Gnade und dem Modebewusstsein Amerikas zu verdrängen. Er war einer der wenigen Ausländer hier. Die meisten hatten die Zeichen der Zeit längst erkannt und das Land unter billigen Vorwänden verlassen. Sein Partner war einer der heimlichen Stars: Schön, zynisch, gebildet und dekadent betäubte er die Sinnlosigkeit seines Lebens mit jedem verfügbaren Rauschmittel. Er sollte an diesem Abend so sterben, wie er gelebt hatte .. voller Verachtung für die gesamte Welt und mit einer Beleidigung auf den Lippen. Aber das soll uns nicht weiter interessieren. Christopher war nur eine Randerscheinung, ein Dandy, der nicht weiter wichtig ist. Interessant war nur er. Er hatte seinen Weg noch nicht gefunden. Ich musste sein Führer sein.
Ich versuchte ihn vorzubereiten. Christophers Tod würde er bald verschmerzt haben. Die Verhöre de Polizei, die ihn nicht einordnen konnten und daher prinzipiell als Agenten des CIA betrachteten ebenfalls. Die Ablehnung der Fanatiker erschien nur logisch. In einem islamischen Gottesstaat ist für Homosexualität eben so viel Platz, wie für Alkohol. Die Fronten waren damals schon klar. Nur wusste keiner genau, auf welcher Seite wer stand.
Ich nahm ihn bei einer kleinen Aktion mit, die ich jeden Abend in einem anderen Stadtteil durchführte. Mein kleiner Beitrag zum Sturz des Regimes Ihm würde es den Abschied von meinem schönen Land erleichtern. Jeden Tag stellte ich einen Fernseher vor eine der unendlich vielen Überwachungskameras. Die Endlosschleife mochte vielleicht einen Revolutionär vor der Verhaftung retten. Wenn nicht ärgerte sie jedenfalls ein paar Leute. Das ist meine Art der Buße.
Es dauert nie lange, bis sie es entdecken. Wir wurden fast verhaftet. Er sah mit eigenen Augen, dass einer der wenigen Einheimischen, denen er vertraute, ja, den er als Freund betrachtet hatte, ein hoher Offizier war. Eine von vielen Prüfungen, die das Leben für uns bereit hält.
Er hatte stets den bequemsten Weg gewählt. Im Schatten eines brillanten Mannes zu leben verbessert dein Karma nicht. Die Enttäuschung erleichterte den Abschied. Er wäre gerne geblieben. In erster Linie bei mir. Die Angst vor dem Alleinsein, den eigenen Entscheidungen lähmte ihn. Aber er ist ein Gefäß. Er hat seine Unschuld bewahren können, zu sehen, seine Naivität. Er muss sich aus der Passivität befreien, den Selbstekel abstreifen und Buße tun. Sein Lebensweg steht geschrieben, wie unserer aller. Er wird sich halbieren müssen.
Ich habe ihn in die Ferne geschickt. Tibet ist erst der Anfang. Er denkt, dass es genügen wird, einen Berg auf Knien zu umrunden. Aber erst, wenn er etwas freiwillig gegeben hat, dass er wirklich liebt, dann wird er frei sein. Ich glaube an ihn, er wird gebrochen und wiedergeboren werden. Sein selbstloses Opfer wird in befreien. Auf dieser Erde mag es ihm nicht mehr gedankt werden, aber im nächsten Leben. So steht es geschrieben.
Um welchen Roman handelt es sich und wer ist unsere - neue - Hauptperson?
derwahnsinnhateinennamen - 14. Apr, 00:05