Unser Video zum Wochenende stammt heute von den Uh Huh Her, deren erstes Album - Common Reaction - im Mai erscheinen wird. Benannt nach dem Ende eines P. J. Harvey Songs machen sie - ähnlich wie Leisha Haileys vorige Band the Murmurs - Independent. Allerdings mit mehr Electronic Elementen.
Der Titel ist von der ersten EP I See Red:
Uh Huh Her - Explode
Credits: LightningsmokerX
Ich wünsche euch ein tolles Wochenende.
Nachtrag: Das Album ist auf September verschoben worden. Im Oktober soll es eine Europatour geben.
Ich habe vier Bücher veröffentlicht. Keine Romane, nein, Gedichte!
Mein erstes Buch ist brillant. Es hat mir den Titel "Yale Young Poet" eingebracht. Es war der erste Schritt zu einer akademischen Karriere. Ich war hoffnungsvoll und subtil. Die Rezensenten jubelten:
"Wir haben eine authentische neue Stimme, reich an Weisheit und Leidenschaft und technisch perfekt."
Das zweite Buch gab Auf- und Niedergang meiner Ehe wieder. Es ist okay. Wahrscheinlich nicht ganz so gut wie das erste. Aber mir ging es noch gut. Ich hatte ein Stipendium und kroch Professoren und Jungakademikern in den Hintern für eine Festanstellung mit Pensionsanspruch.
Meine Gedichte spiegeln irgendwie stets mein Leben wider. Muss ich also wirklich erwähnen, dass mein drittes Buch miserabel ist? Ich wusste es schon vor der Veröffentlichung. Aber die Kritiker haben es mir gerne bestätigt. Getrennt und mutlos zog ich nach New York. Ich hatte in London und Paris gelebt und geschrieben. Nun arbeitete ich beim Food Field Observer. Ich träumte davon, mich abends der reinen - nicht der akademischen - Poesie hinzugeben, wenn ich von meinem geist- und anspruchslosen Job nach Hause kam. Ich las die Klassiker ... immerhin war ich stets ein konservativer Dichter gewesen. Nun ja, es lief nicht ganz so, wie ich es mir erträumt hatte.
Aber immer wenn man es am wenigsten erwartet küsst einen die Muse. Sie hieß Emily. Sie war dünn, mit kleinen Brüsten und richtete mich mit ihrer kreativen Bewunderung auf. Sie gab mir den Mut, beim Writer's Workshop in Iowa zu unterrichten. Sie ließ nicht zu, dass mich intellektuelle Eifersucht hemmte. Bill Krueger - ein sogenannter experimenteller Poet - veröffentlichte in jeder Zeitung. Er stahl mir Ruhm und Studenten. Nicht nur die, die Marihuana rauchen und dann jeden Satz, den sie hinrotzen als unerschrockenes Gedicht verkaufen, nein auch wirklich gute Studenten. Jedenfalls erinnerte sie mich daran, dass ich doch nur aus einem Grund in Iowa war: Ich wollte an meinem neuen - vierten - Buch arbieten.
Sie war die große Inspiration zu diesem Werk. Ich zeigte ihr Europa, so voller Erinnerungen für mich, für sie ein Mekka der Kunst und Kultur. Ich besuchte ihre Familie. Alles Alkoholiker, wenn sie mich fragen. Aber ich konnte das Verstehen. Wenn das Leben es nicht so gut mit einem meint braucht man Trost. Immerhin trinke ich auch gerne mal ein Schlückchen, wenn die Inspiration nicht aus mir heraus fließen will. Ich wollte sie heiraten. Ich machte ihr sogar einen Antrag ... sie lehnte ab. Sie fühlte sich noch nicht reif genug. Und dann, eines Tages verließ sie mich.
Sie zog mich aus dem Selbstmitleid des scheiternden Poeten mit nur einem Satz wieder ins kreative Leben: Ich habe beschlossen, dass es für uns das beste wäre...
Ich habe gefleht, gebettelt, gestritten... umsonst.
"Tage und Nächte" bekam nur mittelmäßige Kritiken. Mit wenigen Ausnahmen. Die Gedichte "Iowa Eiche" und "Heiratsantrag", in denen ich meine größten persönlichen Niederlagen verarbeitet habe, sind zu kleinen Sternen des Triumphes geworden. Leider, wie so mancher Kritiker schrieb, gehen sie leicht im Meer der platten, sentimentalen Lyrik unter. Das wäre bedauerlich. Bedauerlich! Wie mein Leben.
Um welchen Roman handelt es sich? Wer ist unsere - neue - Hauptfigur?
Ich weiß noch, dass meine Frau gerade frische Veilchen in die Praxis gestellt hatte. Es war einer dieser Morgen, an denen du einfach froh bist, verheiratet zu sein. Ich bin sowieso jeden Tag froh darüber. Irma ist ein Engel. Außerdem sind wir erst so kurz verheiratet, dass ich noch jeden Tag Gott danke, neben ihr aufzuwachen. Gut, auf meine Praxis hatte ihre weibliche Hand vielleicht nicht so viel Auswirkung: Menschen werden krank oder gesund, egal, ob ihr Arzt verheiratet ist oder nicht. Aber mein Leben war zu diesem Zeitpunkt einfach genau so, wie ich es mir gewünscht hatte.
Als der Sheriff mir die kranke Frau – eilig – und die Leiche – nicht mehr eilig – vorbei brachte, unterschätzte ich die Situation. Fieber und Schwäche, da kommen eine ganze Reihe von Krankheiten in Betracht. Leider war es Diphtherie. Und damit der Anfang vom Ende.
Wir haben lange diskutiert, was wichtiger ist, die öffentliche Ordnung oder das Wohl des Einzelnen. Ich habe ihm geraten, die Tote möglichst wenig zu berühren. Immerhin ist er auch noch Leichenbestatter. Ob er es gemacht hat? Ich wage es zu bezweifeln. Jedenfalls mussten wir uns entscheiden: Zwei Fälle von Diphtherie, das konnte schon eine Quarantäne rechtfertigen. Wir dachten aber noch, wir könnten die Massenpanik abwenden. Normalerweise wollen die meisten Einwohner unseres schönen Fleckchens gar nicht weg. Aber bei einer Quarantäne fällt jedem ein Grund ein, warum genau er ans andere Ende der Welt muss. Jeder Anlass hier weg zu kommen, wäre dann richtig. Aber es läuft natürlich nie so, wie wir es uns gewünscht haben. Eine Kuh und mehrere Menschen später konnten wir es nicht mehr verbergen.
Es ist hart, nicht helfen zu können. Ich verschreibe Baldrian, um das Leid zu lindern. Gleichzeitig musste ich immer mehr Schussverletzungen behandeln. Die Menschen versuchten die Sperre zu durchbrechen. Das eigene Leben ist in dem Moment wohl mehr wert, als das des Menschen auf der anderen Seite. Egal, ob der bewaffnet ist, oder nicht.
Ich merke schon, dass ich schwächer werde. Ich kann mir natürlich einreden, dass es an der Überarbeitung liegt. Ich trinke abends einfach eine Milch mit Honig gegen die Halsschmerzen und schlucke Medikamente gegen den Husten. Ich putze mir ständig die Zähne und schimpfe auf die Zahnseide, die ja bestimmt für das ganze Blut verantwortlich ist, das ich ausspucke.
Ich habe den hippokratischen Eid geleistet. Ich bin verpflichtet, zu helfen, solange ich kann. Auch wenn ich nur verschwommen sehe und meine Hauptaufgabe in dem Ausstellen von Totenscheinen besteht. Aber ich bin auch mir selbst verpflichtet. Ich weiß, wie es zu Ende gehen wird. Deshalb habe ich einen kleinen Cocktail gemixt. Er wartet auf mich, bevor die Schmerzen zu schlimm werden.