Als kleiner Nachtrag zum
letzten Rätsel:
Das Münster Spiel mit unserem Helden Wilsberg.
derwahnsinnhateinennamen - 7. Apr, 16:12
Für die Neueinsteiger noch mal die Regeln:
Ich erzähle einen bekannten Roman aus der Perspektive einer Randfigur. Von euch möchte ich Autor, Titel und die Identität des Erzählers wissen. Viel Spaß beim Raten.
Es lief nicht besonders gut für uns. Erst war da diese Sache mit dem Ex … Eine Lernerfahrung sozusagen. Ein Mann kann seine Frau verfolgen, ihre Fenster einschlagen, ihre Blumen zertrampeln, sie selbst verprügeln … wenn er dann alkoholselig um Verzeihung wimmert ist alles vergessen. Aber der Reihe nach: Seit der Trennung soff sich der Gute regelmäßig in seiner Stammkneipe Wut für seine kleinen Besuche in der alten Familienidylle an. Seine Frau war irgendwann so sauer, dass sie uns mit einem kleinen Denkzettel beauftragte. Natürlich in flagranti. Als er dann aber vor ihr mit erhobenen Armen stand und wir zum Angriff übergingen war die Dame vom gelallten: „Es tut mir leid!“ so beeindruckt, dass wir statt ihren Dank und ein fettes Honorar einen Tritt in die Kronjuwelen bekamen. Die Schadensersatzforderungen waren allerdings noch schmerzlicher, immerhin hatten wir unseren Teil der Abmachung erfüllt.
Da es bei uns finanziell sowieso schon seit ein paar Monaten nicht so rosig aussah beschloss die Cheffin uns breiter aufzustellen: Für uns hieß das schwarze Uniformen und vierundzwanzig Stunden an sieben Tagen in der Woche mit scharfer Wache um ein paar Ställe herum zu laufen. Traumberuf Detektiv. Gebäudeschutz war für uns alle das Letzte. Keiner von uns war Schnüffler geworden, um als schwarzer Sheriff sich die Beine in den Bauch zu stehen. Unsere klassischen Berufsfelder ließen aber zu wünschen übrig. Bei klammer Kasse nimmt es der gehörnte Ehemann nicht so genau, wenn seine Frau viermal wöchentlich ins Kino mit Freundinnen verschwindet. Ebenso wenig will es die Freundin genau wissen, ob das allabendliche Bier wirklich mit dem Kumpel in der gepflegten Atmosphäre der Stammkneipe gezischt wird, oder ob der Netzstrümpfe und Highheels trägt. Die Wahrheit schmerzt in erster Linie im Geldbeutel. Scheidungen sind verdammt teuer.
Das einzige Berufsfeld, das bombig lief waren Liquiditätsüberprüfungen: Steht vielleicht irgendwo noch ein Sportwagen, gehört die Eigentumswohnung auf Malle wirklich der Cousine der Schwiegereltern oder hat der insolvente Ex-Geschäftspartner vielleicht doch noch ein Nummernkonto in Luxemburg? Fragen, die unser Konto füllten. Leider reichte es nicht für uns alle. Keiner wollte der Buhmann sein, dessen Protest die Idee des Gebäudeschutzes kippte und damit wohl die Hälfte der Kollegen in die Arbeitslosigkeit verbannte. So hatte jeder noch die kleine Hoffnung, dass es ihn nicht treffen würde.
Also schwarzer Sheriff. Zwanzig Uniformen hatte unsere Chefin in weiser Voraussicht geordert. Das klang nicht nach einem Kurztrip. Wegen des Desasters wurden Siggi und ich dann auch gleich für die ersten fünf Nächte abkommandiert:
Mit gezogener Waffe würden wir Affen vor ihren mutmaßlichen Rettern, militanten Tierschützern beschützen. Rehabilitierung nannte das die Chefin. Alte oder neue Kriegsverletzungen oder gar Freizeitausgleich waren gestrichen. Jetzt wehte ein anderer Wind.
derwahnsinnhateinennamen - 7. Apr, 00:07