Die ersten Clips von Choke (deutsch: Der Simulant) könnt ihr auf Youtube finden
Credits: whitetigerfilmz2
Ein Interview mit Chuck Palahniuk über den Film findet ihr hier.
Leider habe ich noch kein offizielles Veröffentlichungsdatum für Deutschland gefunden. Aber ich bleibe dran.
Es wimmelt übrigens von Faketrailern oder -teasern von angeblichen Chuck Palahniuk Filmen (fast nur von Lullaby und Choke) bei Youtube. Wenn ihr mal zu viel Zeit habt...
Drei Prozent kommen aus dieser Hölle raus. Drei von hundert werden für würdig befunden, in ihr altes Leben zurück zu kehren. Ich arbeite jeden Tag, so viel wie möglich, damit sie mich respektieren. Ich weiß, dass sie über mich lachen. Meine Kurzsichtigkeit, ja allein schon meine Brille, meine gepflegten Hände und Zähne schreien nach Staatsfeind. Jeden Tag lassen sie mich hinter dem störrischsten Ochsen den Pflug her schieben. Sein Schwanz peitscht mir ins Gesicht und ich bete zu allen Göttern, dass er nicht meine Brille erwischt. Ich musste sie schon des Öfteren im Schlamm des Reisfeldes ertasten.
Trotzdem ist die Feldarbeit, so unsinnig und stupide sie auch ist, wesentlich besser als das Bergwerk. Nackt kriechst du durch Stollen, von deren Decken und Wänden Erde und Steine abbröckeln. Dunkelheit und Kohlenstaub sind mörderisch für Augen und Lunge. Sechs Wochen muss jeder von uns im Jahr hier arbeiten. In diesen Tagen sehne ich mich nach meinem Ochsen zurück.
Vielleicht fragt ihr euch, welches furchtbare Verbrechen ich begangen habe, dass ich zum Arbeitsdienst muss? Ich war auf dem Gymnasium. Mein Vater schrieb Bücher, meine Mutter Gedichte. Natürlich vor der Revolution. Jetzt versuchen sie jeden noch so kleinen gesellschaftlichen Kontakt zu nutzen, um mich aus den Klauen dieser Ungeheuer zu befreien. Die Bauern entscheiden selbst, ob die Städter zu aufrechten Proletariern umerzogen wurden. Wenn ich ihre hämischen Gesichter und die Spottverse mir in Erinnerung rufe, werde ich ewig hier bleiben.
In Nachbardorf sind zwei andere Sträflinge. Ein Geschichtenerzähler und ein Musiker. Beide sind eigentlich kein Umgang für mich: Einerseits sind sie mir intellektuell weit unterlegen, andererseits können genau diese Treffen das Reiskörnchen sein, dass meine Umerziehung verlängert. Mit den Dorfbewohnern kann man aber überhaupt nicht reden. So wenig ich meine Leidensgefährten schätze, so nützlich können sie vielleicht für mich sein.
Ein befreundeter Journalist hat mir angeboten, mir eine Stelle in der Stadt bei seiner Zeitung zu beschaffen. Dafür muss ich ihm uralte revolutionäre Lieder aus den Bergen schicken. Romantisch verklärte Folklore über das Leben der Bauern, die den kargen Äckern Reis und Süßkartoffeln abtrotzen. Ich selbst habe mir bei ihm nur Flöhe geholt. Er wollte nicht mit mir sprechen. Sie haben versprochen, sie für mich zu besorgen. Allerdings musste ich ihnen dafür einen vielgehüteten Schatz versprechen.
Wenn sie mich denunzieren, kann das mein Todesurteil sein. Ist ihre intellektuelle Neugier wirklich groß genug, um auf diese Gelegenheit, als Kämpfer fürs Proletariat sich hervorzutun, zu verzichten? Ich muss es riskieren.