Die gescheiterten Verhandlungen zwischen Drehbuchautoren und Produzenten wurden auf AMPTP.com wie folgt kommentiert:
Wir sind am Boden zerstört, mitteilen zu müssen, dass trotz unserer größten Anstrengungen (wir haben ihnen Muffin-Körbe geschickt, eine Mix-CD gebrannt und uns vor ihr Fenster mit einem Ghettoblaster hingestellt, der sie mit Peter-Gabriel-Songs beschallt hat) unsere Gespräche mit der WGA zusammengebrochen sind. Ganz ehrlich, wir verstehen nicht, wie das passieren konnte. Wir haben auf dem ganzen Nachhauseweg darüber gesprochen - nachdem wir in ihr Hotelzimmer gestürmt sind, unsere Liste mit Forderungen auf den Tisch geknallt und dann schlagartig den Verhandlungsort verlassen haben - und keiner von uns kann sich vorstellen, was schief gelaufen ist.
Wow. Also mich hätte das wirklich fertig gemacht. Erst das Zuckerkoma und dann auch noch Zermürbung Weltmusik. Vielleicht hätten sie Phil Collins wählen sollen. Danach hätten sie die Verträge nur noch unter der Tür durchschieben müssen.
Nun hat die Alliance Of Motion Picture And Television Producers natürlich nicht über Nacht sowohl Humor als auch Selbstironie gelernt. Nein, die Hardliner im Arbeitskampf mit der Writers Guild Of America (WGA) haben nur schlicht und einfach vergessen, sich neben ihrer Domain www.amptp.org auch die COM Domaine zu sichern. Auf dieser wurde nun ein Parodieseite gelauncht, die auf den ersten Blick kaum zu unterscheiden ist - bis auf die Artikel. Natürlich ein PR-Desaster.
Ort: ein kleines Einfamilienhaus in Springfield, USA. Ein sauberes, aufgeräumtes Wohnzimmer. Aus den Nebenzimmern ist Kinderlärm zu hören. Es riecht nach traditioneller amerikanischer Hausmannskost.
Zwei Männer sitzen sich am Wohnzimmertisch gegenüber. Der eine, kahlköpfig, etwas kompakt um die Mitte beäugt misstrauisch den Mann vor sich, dessen schwarze Sonnenbrille so gar nicht zu der schlichten weißen Kleidung passen will.
Kandidat Nummer 1
Homer: Sie wollen also was über mein Leben schreiben?
Bewerber: Ich suche einen wahrhaft heroischen Stoff für ein neues Heldenepos. Meine letzten beiden Werke werden noch in Jahrhunderten gelesen werden.
Homer: Held? Na, wenn sie meinen... Naja, nicht immer vielleicht. Obwohl... Ich bin der Rächer der Entrechten. Ich habe Springfield mit meinem Duellierhandschuh von allen Feiglingen befreit.
Nun, was denken sie? Ist das ein Heldendingsbums oder was?
Bewerber: Nun ja. Lassen sie es mich mal versuchen. Mir schwebt bereits die Szene vor, in der sie den jungen Mann in seine Schranken weisen:
Trunkenbold, mit dem hündischen Blick, und dem Mute des Hirsches!
Niemals bereit weder zur Schlacht mit dem Volke zugleich dich zu rüsten,
Wohlan, fürcht nicht den Streit, und zücke das Schwert.
Erduldenden Mut verleiht den Menschen das Schicksal.
Meines mag das sein, die Heimat zu schützen.
Homer Waas?
Bewerber Oder als sie endlich jemanden finden, der ihrer ebenbürtig ist und das Duell annimmt:
Denn schon vormals pflog ich mit stärkeren Männern Gemeinschaft, Als ihr seid; und dennoch verachteten jene mich nimmer!
Waren selbst die stärksten und kämpften nur wider die stärksten,
Aber der Mann will immer den anderen allen zuvor sein;
Allen will er gebieten im Heer, und alle beherrschen,
Allen Gesetz' austeilen, die niemand, mein' ich, erkennet!
Davon nimmst du mir schwerlich das mindeste, wider mein Wollen.
Oder wohlan, versuch' es! damit sie alle mit ansehn,
Wie alsbald an der Lanze dein schwarzes Blut mir herabträuft!
Homer .... [entsetztes Schweigen]
Bewerber (die Arme voller Begeisterung erhoben): Und dann, als sie ihrer Frau zu liebe aus dem Duell zurück treten und aufs Land fliehen ... das ist wahrer Heldenmut:
Dulde, mein Herz! Du hast noch härtere Kränkung erduldet.
Ein jeder, dem gut und bieder das Herz ist, liebt sein Weib und pflegt es mit Zärtlichkeit.
Besser, wer fliehend entrann der Gefahr, als wen sie ereilet!
Es mehrt unendliche Trauer das Elend.
Homer: Ähm, ich werde mich bei ihnen melden.
Bewerber: Aber sie haben doch noch gar nicht den Schluss gehört.
Homer: Auf Wiedersehen. (Geleitet den Mann zur Tür.) Spinner.
Kandidat Nummer 2
Der nächste Bewerber tritt ein. Das schulterlangen Haare lässt die eindrucksvolle Stirn noch gewaltiger erscheinen. Der braune, sorgfältig getrimmte Bart und der Ohrring weisen die Künstlerseele aus. Selbstbewusst nimmt der nicht mehr ganz junge Mann Platz.
Homer (leicht aggressiv): Sie haben meine Anzeige in der Springfield Sun ja gelesen. Ich suche jemanden, der mein Leben aufschreibt. Nicht so ein Epodingsbums. Ein richtiger Bestseller.
Bewerber 2 (lächelnd): Ich kann sie beruhigen. Meine Werke sind stets Bestseller geworden. Das Publikum liebt mich. Egal ob Edelmann oder Bürger, ich vermag es eine Geschichte so zu erzählen, dass die Menschen sie hören wollen.
Homer: Edelmann, Bürger? Hören sie, ich will kein Geschwafel, ich will harte Fakten.
Bewerber 2: Wie wäre es denn mit einer Liebesgeschichte? Liebe, Sehnsucht, zwei Menschen die für einander bestimmt sind... Die Menschen mögen so was.
Homer: Nun gut. Meine Frau Marge hat ihnen ja die Tür geöffnet.
Bewerber 2: Eine bezaubernde Lady.
Homer: Keine Beleidigungen. Also, Marge war mal ein ganz heißer Feger. Und ich hätte sie bestimmt auch geheiratet, wenn dieses Unglück nicht passiert wäre...
Bewerber 2 beugt sich interessiert vor: Unglück?
Homer: Nun ja, da in der Burg von der Minigolfanlage. Wir nannten es später Bart. Jedenfalls habe ich Marge natürlich sofort einen Heiratsantrag gemacht und mich um eine bessere Stelle beworben. Aber ich konnte den Job im Atomkraftwerk einfach nicht machen.
Bewerber 2: Aber in ihrer Anzeige stand doch...
Homer: Also musste ich in die Ferne ziehen und heuerte im Gulp 'N Blow an. Dort fanden mich schließlich Marges Schwestern. Sie haben mich sonst immer bis aufs Blut gepiesackt. Aber dann überzeugten sie mich, es noch mal bei Mr. Burns zu versuchen. Und seitdem bin ich glücklicher Familienvater. (Ausführlicher: Blick zurück aufs Eheglück )
Bewerber 2: Wunderbar. Wir haben alle Zutaten für eine gute Geschichte. Liebe, eine Familie, die gegen die Verbindung ist, ein Happy End ... obwohl, da müssen wir noch mal sehen. Ja, ich glaube, ich weiß, wie wir es machen. Als erstes treten sie als jugendlicher Held auf und gestehen der Welt ihre Liebe zu der schönen Marge:
Ich ward verliebt in eine schöne Tochter des Hauses Bouvier. Sie ist zu weise um so schön, oder zu schön um so weise zu sein; und es ist grausam an ihr, den Himmel damit verdienen zu wollen, dass sie mich zur Verzweiflung treibt. Auch sie Cupido's Pfeile getroffen; sie hat Dianens Sprödigkeit, und öffnete mir doch ihren Schoss. O! Sie ist reich an Schönheit, und ich darin arm, dass der ganze Schatz der Schönheit, in ihr versammelt, sterblich ist.
Natürlich können wir die Zeugung nicht zu genau beschreiben, immerhin wollen sie ja ein breites Publikum ansprechen, da sind explizite Verführungsszenen ein wenig delikat. Am besten lassen wir sie davon nur durch die beiden Schwestern etwas davon erfahren:
O, das unglückseliges Mädchen! Mit dem Simpson, sagst du? Wer wollte mehr eine Schwester sein wollen? O! das ist unbegreiflich, wie sehr ich mich an ihr betrogen habe! Schwestern, forthin traut euren Geschwistern nicht weiter als ihr sie seht. Gibt es nicht Zauber-Mittel, wodurch die Unschuld eines jungen unwissenden Mädchens verführt werden kann?
Homer: Moment mal, was meinen sie mit Zaubermitteln? Und warum reden sie auf einmal so geschwollen? Das ist doch total langweilig.
Bewerber 2: Nun ja, wenn sie es wünschen, dann gehe ich noch ein paar Verse zurück zum eigentlichen Unglück:
Wenn meine unwürdige Hand diesen heiligen Leib entweiht hat, so lass dir diese Buße gefallen: Meine Lippen, zwei errötende Pilger, stehen bereit den Frevel, mit einem zärtlichen Kuss abzubüßen...
Homer: LANGWEILIG
Bewerber 2 (ratlos): Nun, dann vielleicht ein wenig Action am Ende. Sex and Crime treibt die Leute ins Theater. Mir schwebt da ein Mord oder noch besser ein Selbstmord vor:
Du abscheulicher Schlund, verfluchter Rachen des Todes, der das kostbarste was die Welt hatte, verschlungen hat, so zwing ich deine morschen Kinnbacken sich zu öffnen, die Geliebte zu entreißen. Wie oft ist es schon begegnet, dass Sterbende kurz vor ihrem letzten Augenblick noch aufgeräumt gewesen sind - - O gönne mir noch einen solchen Augenblick! - - Meine Geliebte, mein Weib, der Tod, der den Honig deines Atems aufgesogen, hat noch keine Gewalt über deine Schönheit gehabt; du bist nicht besiegt; noch schwebt die purpurne Fahne der Schönheit auf deinen Lippen und Wangen, und die blasse Flagge des Todes ist hier noch nicht aufgesteckt. Ach! liebste Marge, warum bist du noch so schön? Soll ich glauben, der unwesentliche Tod sei in dich verliebt worden, und das dürre scheußliche Ungeheuer unterhalte dich hier im Dunkeln, um seine Liebste zu sein? Mein Auge, sieh' sie zum letzten mal an; umfangt sie zum letzten mal, meine Arme, und ihr, siegelt, o meine Lippen, mit dem letzten Kuss dem wuchernden Tod eine Verschreibung, die nie wieder abgelöst werden kann - - Dies, meine Liebe, trink ich dir zu! - - o ehrlicher Apotheker, deine Tränke wirken gut - - Noch diesen Kuss....
Homer: Jetzt reicht es mir aber. Ich soll eine Leiche küssen und dann auch noch Gift schlucken. Das ist ja widerlich. Sie sind gefeuert. [murmelt Beschimpfungen vor sich hin, während er den Bewerber zur Tür bringt.]
Homer: Ich muss mir das alles gar nicht bieten lassen. Die sollen mein Leben erzählen. Moe hat gesagt, damit kann man jede Menge Kohle verdienen. Besonders, wenn es ins Fernsehen kommt. Aber die wollen alles auf den Kopf stellen. Das lass ich mir nicht bieten.
Kandidat Nummer 3
(Für Anja. Sorry, etwas kurz geworden.)
Es klingelt. Ein ältere Mann mit schütteren Haaren und Brille betritt den Raum.
Homer: Ich will ihnen gleich sagen, dass ich mir das alles nicht bieten lasse. Alle schreiben nur, was sie denken. Sie schreiben das was ich sage oder gar nichts. Ich will schließlich ins Fernsehen.
Bewerber 3: [verzieht voller Anteilnahme das Gesicht, schweigt jedoch fürs erste]
Homer: Sehen sie sich doch mal an. Sie sind doch auch nur so ein Intellektueller. Wer sind sie überhaupt?
Bewerber 3: Ich? : Das ist, wenn man erst mal vierzig ist, nur noch ein Sortiment von Schrullen und schlechten Gewohnheiten.
Homer: Raus! Das muss ich mir nicht bieten lassen.
Die Tür fällt ins Schloss.
Homer: Die glauben wohl, sie wissen alles besser. Vielleicht rufe ich morgen diesen Matt noch mal an. Der hatte immerhin Ahnung von Reggae.
So, jetzt seid ihr dran: Welche berühmten Autoren wollen Homer Simpsons Geschichte schreiben?