Jeder Mensch ist, im Kleinen betrachtet einzigartig, aus der Ferne betrachtet, wie alle anderen. So sehen wir Xane Molin in vielen Perspektiven in ihren jeweiligen Rollen: als arrogante 15 jährige, die über die erste Liebe ihre Freundinnen zurück stößt, als Forscherin ihrer jüdischen Vergangenheit, als (noch nicht) Mutter, als Stiefmutter, als harte Werbecheffin und Künstlerin. Wir erleben von ihren guten und weniger guten Seiten, die von ihrer Umwelt mal honoriert werden, mal nicht. Also als ganz normaler Mensch, schwankend zwischen Superwoman und Wrack, zwischen Opfer und Täter.
Nur einmal kommt Xane selbst zu Wort, sonst erleben wir ihr Bild aus den Mündern anderer. Interessanterweise fügt sich alles zu einem sehr normalen Bild einer Akademikerin, die einiges erreicht hat, und doch gerne mehr sein wollte.
Menasse schreibt flüssig, bissig und mit spitzer Beobachtungsgabe. Quasikristalle liest sich sehr vergnüglich. Manchmal hofft man, dass Xane Molin wirklich mehr ist, als sie zu sein scheint, andererseits würde dann auch viel vom Charme des Buches vergehen.
Die Nebenfiguren bleiben oft blass, einzig die Fertilitätsspezialistin ist großartig.
Schön auch das Auflösen der Geschichte in der letzten Episode, in der Xane gar nicht vorzukommen scheint. Passiert dort gleichzeitig doch die wohl größte Tragik ihres Lebens, der Tod ihres Mannes, aus allgemeiner Unachtsamkeit.
Menasse, Eva
Quasikristalle
ISBN 346204513X