Das Thema dieser Woche Versuchung hat mich wenig zum Grübeln gebracht - ich bin einfach der Versuchung erlegen, ein wunderbares Cover ins Rennen zu werfen: Beth Dito und Jarvis Cocker mit Temptation
1969 veröffentlichte Ralph McTell den Song Streets of London. Es berichtet von den Erfahrungen als Straßenmusiker und stellt die Probleme der "normalen" Bevölkerung denen von gesellschaftlichen Außenseitern gegenüber.
Have you seen the old man in the closed down market,
Kicking up the paper with his worn out shoes?
In his eyes you see no pride, hand held loosely at his side,
Yesterday's paper telling yesterday's news.
*So how can you tell me, you're lonely
And say for you that the sun don't shine?
Let me take you by the hand and lead you through the streets of London,
I'll show you something to make you change your mind.*
Have you seen the old girl who walks the streets of London,
Dirt in her hair and her clothes in rags?
She's no time for talking, she just keeps right on walking,
Carrying her home in two carrier bags.
So how can you tell me, you're lonely...
(Repeat * )
In the all night café at a quarter past eleven
Same old man sitting there on his own.
Looking at the world over the rim of his teacup.
And each tea lasts an hour and he wanders home alone.
So how can you tell me, you're lonely...
(Repeat * )
Have you seen the old man outside the seaman's mission,
memory fading with the medal ribbons that he wears?
And in our winter city the rain cries a little pity
for one more forgotten hero and a world that doesn't care.
Udo Berger reist mit seiner Freundin Ingebort nach Spanien in das Hotel, in dem seine Familie früher oft Urlaub gemacht hat. Dort lernt er mit Hanna und Charlie zwei weitere Deutsche kennen. Während sich Ingeborg mit ihnen dem normalen Strandurlaubtreiben mit Alkohol, Sonne und Disko hingiebt geht Udo Tag und Nacht seiner Leidenschaft nach: Brettspiele, die Kriege simulieren.
Je mehr er sich in das Spiel vertieft um so realitätsferner wird er. Als er endlich einen Spielpartner findet baut er kontinuierlich ein Feindbild auf. Gleichzeitig vermischen sich Realität und Spiel immer mehr, bis er zu letzt beim Verlust des Spiels um sein Leben fürchtet.
Bolano spielt hier mit dem puren Bösen. Udo ist ein unglaublich gedankenloser Mensch. Nur wenige Jahrzehnte nach dem 2. Weltkrieg versucht er, den Deutschen Sieg herbei zu führen. Er bewundert die dt. Generäle und einzelne Truppenverbände. Das Greul des Krieges blendet er aus. Was seine Verluste und Strategien in der Realität bedeuten ist unvorstellbar. Allein solche Gedanken, wie, dass nur der Fairness der Generäle die Niederlage geschuldet ist.
Bolanos Geschichte schwankt zwischen einer Satire auf den Massentourismus und einer Klassifizierung der Belanglosigkeit des Bösen.
Spannend, beängstigend und mit sehr vielen offenen Enden - ein Roman der sich auf jeden Fall lohnt.
Diese Woche ist das Thema ziemlich schwierig - Songverhörer. Ich verstehe zwar selten alle Lyrics, schlage sie aber meistens dann nach und vergesse sofort, was ich vorher gehört habe.
So habe ich früher als Teen immer bei Billy Idols Sweet Sixteen eine deutsche Zeile gehört, jetzt kann ich mich aber einfach nicht mehr daran erinnern.
Daher greife ich auf Altbewährtes zurück - die Misheard Lyrics:
Vorabend ist ein Teil einer großen Chronik über das 20. Jahrhundert. Von den fünfzigern an berichtet der namenlose Erzähler von seinem Leben in Lollar, einem hessischen Dorf. Dabei ist alles gleich wichtig, der Onkel, der in seiner Freizeit am Auto schraub genauso wie der Igel oder der kurze Aufschwung des Dorfes als Einstellplatz für Pferde. Ebenso wird auf jegliche Distanz oder Ironie verzichtet.
Dies alles lässt den Leser an die Geschichten des Großvaters erinnern, der endlose Kindheitserinnerungen vor seinem Publikum ausbreitet. Sofern Personen oder Gegend bekannt sind mag das ein gewisses Interesse wecken. Auch wenn die eigenen Erinnerungen sich spiegeln. Immerhin werden sie in einer wesentlich poetischeren Sprache vorgetragen, als sonst üblich. Alle anderen fühlen sich bestenfalls in einen Kokon aus Banalitäten eingesponnen, der auf eine Welt einschwört, die es nicht mehr gibt. Soviel Zuckergus ist nicht immer erträglich und irgendwann einfach langweilig.
Ich jedenfalls fühle mich viel zu jung für diesen Roman - vielleicht werde ich ihn in 20 Jahren genießen. Jetzt werde ich auf die folgenden sieben Bände der Chronik lieber verzichten.