Freitag, 17. Mai 2013

Zeitempfinden im Film

ein sehr lesenswerter Artikel von www.e-filmmusik.de

Dienstag, 14. Mai 2013

Huhn mit Pflaumen

Die Sehnsucht nach der Heimat zerbricht den großen Geiger Nasser-Ali. Seine große Liebe Iran (versinnbildlicht von einer jungen schönen etwas verschwenderischen Frau) heiratet auf Wunsch des Vaters einen anderen. Hier ist der Zeitkontext entscheident. Die Gegenwart des Filmes spielt 1958. Wir wissen, dass Nasser-Ali zwei Kinder hat, von denen die ältere Tochter ca. 7-8 Jahre ist. Er heiratete (auf Bestreben der Mutter) mit 41. Die politische Liebe dürfte also in die 30er gefallen sein, eine Zeit nationalen Selbstbewusstsein, in der sich das Land erstmals Iran nannte. Der Schah geht jedoch ein Zweckbündnis mit dem Deutschen Reich ein (gegen die Engländer) und das Militär verliert die Auseinandersetzung mit den brittischen und sowjetischen Truppen. Analog heiratet Nasser-Alis Geliebte einen Offizier.

Er ist menschlich gebrochen und als Künstler wiedergeboren. Er durchreist die Welt und kehrt in den frühen 50ern zurück in den Iran. Er kann jedoch nicht mehr begeistert werden. Als seine Frau in einem Streit seine Geige und damit die letzte Erinnerung an seine große Liebe zerbricht, beschließt Nasser-Ali nach einigen halbherzigen Versuchen sie zu ersetzten, zu sterben.

In den sieben Tagen bis zu seinem Tod erleben wir anhand kleiner skurriler Rückblenden das Leben des gescheiterten Künstlers. Seine Kindheit im Schatten des Bruders, das Erlernen der Musik, die Zurückweisung der Geliebten, das Kennenlernen seiner Frau und das spätere Leben seiner Kinder. Die Anekdoten sind märchenhaft mit schrägem Humor erzählt, lassen Nasser-Ali aber trotzdem blass wirken. Seine Verbitterung erscheint übertrieben, bzw. von seiner Passivität verschuldet. Seine Lieblosigkeit gegenüber seiner Frau und seinem Sohn ist brutal. Beide kämpfen, im Gegensatz zur geliebten Tochter, die bereits ebenfalls desillusioniert wurde, auf ihre Art um den Vater, können sein Herz aber nicht erweichen.

Huhn mit Pflaumen ist ein schöner, etwas melancholischer Film, der eine Vielzahl berühmter französischer Schauspieler aufbietet, ihnen allerdings wenig Raum zum entfalten gibt (z.B. Isabella Rossellini als Mutter).


Dienstag, 23. April 2013

Quasikristalle

Jeder Mensch ist, im Kleinen betrachtet einzigartig, aus der Ferne betrachtet, wie alle anderen. So sehen wir Xane Molin in vielen Perspektiven in ihren jeweiligen Rollen: als arrogante 15 jährige, die über die erste Liebe ihre Freundinnen zurück stößt, als Forscherin ihrer jüdischen Vergangenheit, als (noch nicht) Mutter, als Stiefmutter, als harte Werbecheffin und Künstlerin. Wir erleben von ihren guten und weniger guten Seiten, die von ihrer Umwelt mal honoriert werden, mal nicht. Also als ganz normaler Mensch, schwankend zwischen Superwoman und Wrack, zwischen Opfer und Täter.

Nur einmal kommt Xane selbst zu Wort, sonst erleben wir ihr Bild aus den Mündern anderer. Interessanterweise fügt sich alles zu einem sehr normalen Bild einer Akademikerin, die einiges erreicht hat, und doch gerne mehr sein wollte.

Menasse schreibt flüssig, bissig und mit spitzer Beobachtungsgabe. Quasikristalle liest sich sehr vergnüglich. Manchmal hofft man, dass Xane Molin wirklich mehr ist, als sie zu sein scheint, andererseits würde dann auch viel vom Charme des Buches vergehen.

Die Nebenfiguren bleiben oft blass, einzig die Fertilitätsspezialistin ist großartig.

Schön auch das Auflösen der Geschichte in der letzten Episode, in der Xane gar nicht vorzukommen scheint. Passiert dort gleichzeitig doch die wohl größte Tragik ihres Lebens, der Tod ihres Mannes, aus allgemeiner Unachtsamkeit.

Menasse, Eva
Quasikristalle
ISBN 346204513X

Freitag, 19. April 2013

Scherbengericht

Abgründe öffnen sich, wenn man die kleine Gesellschaft, die sich zu einer Geburtstagsfeier in Argentinien trifft näher betrachtet: Die deutschen Emigranten sind aus den verschiedensten Gründen geflüchtet, Opfer und Täter leben hier zusammen und versuchen ihre Kultur zu bewahren.

Die einzelnen Charaktere sind gut ausgearbeitet, jeder Sprachstil ist unterschiedlich, Perspektivwechsel gelungen. Allerdings fehlte mir ein wenig ein Sympathieträger, der durch die etwas überfrachtete Story leitet. Alle Figuren sind ein wenig neurotisch und ich fühlte mich des öfteren genötigt, ein paar Seiten weiter zu blättern. Allein schon das Gespann des Umweltlobyisten und seiner überspannten Tocher emfpand ich als anstrengend. Fürs Durchhalten wird man dann jedoch mit der grandiosen Familienfeier belohnt.

Ein Buch mit Licht und Schatten.

Kratochwil, Germán
Scherbengericht
ISBN 978-3854526827
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